#291: Ohne Worte beim Namen nennen

Der Gastkommentar von Lévy in der gestrigen Presse hat mich sehr nachdenklich gestimmt, da auffordert etwas zu benennen, was so ungewollt, nicht vorhanden und längst verdrängt in Europa war – der Krieg. Er hat Europa erreicht. „Krieg also. Ein neuartiger Krieg. Ein Krieg mit und ohne Grenzen, mit und ohne Staat …“ (Lévy,2015)

Er fordert dazu auf, dass Ding beim Namen zu nennen, es zu benennen. Damit es begreifbar wird in all‘ seinen widerwärtigen Dimensionen.

Aber was heißt das für mich? Wenn der Krieg keine Grenzen hat und keinen Staat betrifft, wie soll und kann Österreich neutral sein? Was bedeutet das für die Zivilgesellschaft Europas? Keiner benennt die Konsequenzen. Einschränkung der Freiheit, Einschränkung der Demokratie, Einschränkung wovon?
Es ist ein neuartiger Krieg. Krieg, das Wort verschweigt so vieles, wovor wir einfach die Augen verschliessen wollen. Deswegen trifft uns Paris mehr, als es Beirut, Kenya, Libanon oder am Sinai tat. Der Krieg ist zu uns gekommen. Je suis … contre la peur … Immer noch, mehr denn je.

David Enoch schreibt in seinem Buch „Taking Morality Seriously“: „…we need normative truths. But how is this any reason at all to believe that there are such things? Perhaps you will establish that it would be nice if there were normative truths, or that we deeply want them to exist.“ (Enoch, p.56) Ich verstehe Lévys Argumente, aber wenn wir dem Krieg hier erlauben Krieg zu sein, dann haben wir in Europa verloren.

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