#320: Reisebericht Toskana 2016

Ich habe das Glück, dass ich als freiberuflich Schaffende mein Büro immer mit mir habe. Laptop zum Schreiben, Telefon für Konferenzen und Meetings oder Coachings. Und somit kam nach Sardinien noch 6 Tage Toskana dran. So ganz spontan und ohne große Vorplanung. Manchmal buchte ich noch zu Mittag eine Übernachtung für den selbigen Tag.

Der Weg retour aus Sardinien führte uns nicht über Livorno, sondern über den Piombino, welches etwas südlicher liegt – nur 40 Minuten Autofahrtzeit – aber dafür um 2 Stunden kürzer in der Überfahrt dauerte. Auch ist das Schiff kleiner und die Verlade- bzw. Ausladezeit ist wesentlich angenehmer. Von Piombino ging es dann einmal in die Gegend von Volterra, wo wir in einem Kloster “Il monastero” in San Dalmazio uns untergebracht haben. San Dalmazio is in der Nähe von Pomerance und wenn man durch diese Gegend der Toskana fährt, dann sieht man viele geothermische Kraftwerke, die imposant auf den Hügel der Toskana weilen. In San Dalmazio angekommen, gibt es eine Kirche, zwei Wirten, einen kleinen verwinkelten Ortskern und eben das ehemalige Kloster. Das Kloster bietet kleine Wohneinheiten mit Küche an, somit könnte man sich auch selbst verköstigen. Die notwendigen Kleinigkeiten findet man beim Wirten oder man fährt in die nächst’ größere Stadt. Wir haben es bevorzugt das Dorfgasthaus zu besuchen, sowohl für den Kaffee am Morgen, als auch für das Abendessen am Abend. Am Morgen fahren schon ab 6 Uhr kleine motorisierte Laster (3-Räder) oder Fiat Pandas den Dorfwirt an, um schnell einen Kaffee zu trinken. Die Mutter des Betreibers bestückt die Vitrine mit dem besten Tiramisu, welches ich bisher gegessen habe. Mein Sohn, welcher eher komplizierter ist, hat nach dem erfolgreichen Verkosten am Vorabend, zum Frühstück schon seine 2 – 3 Tiramisu bekommen. Und man kann es vergessen einer Nonna oder einem älteren Italiener zu erklären, dass es nicht sehr nahrhaft ist. Abend sind wir dann bei ihm gesessen und haben ausgezeichnete Hausmannskost mit noch besseren Rotwein genossen.

Ein persönlich schöne Erinnerung war der Besuch von Volterra und einem Geschäft, welches auch schon vor 13 Jahren gegeben hat. Damals habe ich mit meiner Freundin Jasmin in dem Geschäft mein erstes Freundschaftsarmband bekommen, welches ich auch heute noch habe. Bestehendes bleibt. Danke Jasmin!

Die Toskana bietet einfach wunderbare Orte und wenn auch San Gimignano mit seinen Geschlechtertürmen unter Tags mit Touristen geflutet war, so ist ein Besuch am Abend oder in der Herbstzeit ratsam, um diese Machtdemonstration auch architektonisch sehen zu können. Die Geschlechtertürme waren die baulichen männlichen Intimsteile, um zu zeigen, wer den Längeren und Größeren habe.

Zwei Kinder zu beschäftigen, die nicht nur durch das Geschlecht andere Interessen haben, sondern vor allem durch das pubertäre Alter zu Nepochanten (Wienerisch für Ahnungslos) mutieren, können eine Herausforderung darstellen. Der Sohn interessiert sich sowieso für jede Kirche, Türme und alte Steine und die Prinzessin freut sich mittlerweile darauf neben einem Cappuccino Snapchat, Instagram und Co mit Selfies und Nicht-Selfies zu frönen. Also auch hier bietet unser Urlaub für beide etwas.

Eine Herausforderung war für mich die Fahrt quer durch die Chiantiregion. Nicht nur

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#319: Gefühle mal anders

In den letzten Monaten habe ich viel gelernt über die Welt meines Sohnes, aber auch über meine Welt und dem, was für uns so selbstverständlich ist.

Hat man ein Kind, dass die Welt anders wahrnimmt, dann versucht man oft dem Kind die “normale” Welt überzustülpen. So funktioniert sie nun einmal da draussen. So fällt man weniger auf und ist ein Teil der Gesellschaft. Ich weiß noch, wie oft ich gebetsmühlenartig versucht habe, ihm zu erklären, dass gewisse Dinge nun einmal so laufen müssen, wie sie laufen. Rede mit jemanden, wenn du etwas willst oder brauchst. Sei freundlich. Nein Handschuhe im Sommer zieht man nicht an. Es kommt die Winterzeit und es wird kalt, du mußt ein Unterleiberl anziehen.

Überhaupt rede ich sehr viel und erkläre ihm alles, oftmals bis ins kleinste Detail. Wo die Unterschiede liegen zwischen Begriffen, die für ihn qualitativ noch keinen Unterschied erkennen lassen. Als er noch klein war, sagt mir eine Ärztin einmal ich rede zu viel, da er meine Sprache nicht spricht. Ich denke, dass sie recht hatte, was die Sprache betraf, aber nicht mit dem Reden. Als wir in der Soko-Gruppe (Sozialkompetenzgruppe) die Aufgabe bekamen ein Spiel zu spielen, wo es um Gefühle ging, die darzustellen und zu beschreiben sind, war eines offensichtlich. Mein Jr. kann Gefühle großartig und detailliert beschreiben und auch in welchen Situationen sie vorkommen, aber vor allem die negativen Gefühle, wie Ärger, Wut, Zorn sehen für ihn persönlich nicht nur gleich aus, sondern fühlen sich auch gleich an und können nicht differenziert werden. Positive Gefühle werden kaum wahrgenommen, wobei es nicht so ist, dass es diese nicht gibt, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass er diesen Gefühlen misstraut und sie nicht greifen und fassen kann.

Als wir uns im Kino “Alles steht Kopf” angesehen haben, hat ihm der Film irrsinnig gut gefallen, es war fast so, als ob ihm ein Licht aufgegangen wäre, es war auch das erste Mal, dass er sich selbst als hauptsächlich “rot” und ab und zu grünen Lichtblitzen beschrieben hat. Wut, Ärger und Zorn werden nach aussen hin sichtbar und erlebbar werden, ganz gleich, ob ich jemanden anschreie, etwas kaputtmache oder ihn körperlich “angreife”. Das Spüren der Emotion wird erlebbar. Glück, Freude und Liebe sind zart, verletzlich und nicht immer greifbar. Deswegen ist es umso schöner, wenn mein Sohn sich auf meinen Schoß setzt und zaghaft seine Hand in Richtung Hals bewegt, um dort liegen zu bleiben. Manchmal wird die Hand auch gedreht, damit jede Seite meine Haut berühren kann.

Heute verstehe ich die Welt anders.

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#318: Gelassenheit

Am 13. 02. 2017 habe ich einen ausgezeichneten Radiobeitrag auf Ö1 gehört, der sich mit dem Thema Gelassenheit beschäftigt hat und versucht nicht nur eine Abgrenzung zur Gleichgültigkeit zu skizzieren, sondern auch aufzeigt, wie sehr wir im Heute damit beschäftigt sind, gelassen zu sein. Diese Sehnsucht nach einer anderen Haltung zu sich selbst und zur Welt ist omnipräsent.

In der Philosophie findet sich die Gelassenheit in sich selbst und doch können wir anscheinend viel zu selten darauf zugreifen. Wir sind getrieben, getrieben optimal zu funktionieren und zwar schon lange nicht mehr nur durch unser berufliches Umfeld, sondern vor allem durch äußere Werte, die Menschen wie Ersatzreligionen und Ersatzwerte vor sich hertragen.

Dabei geht es viel mehr um ein Loslassen und ein Emanzipieren von festgefahrenen Bildern und Vorstellungen. Nietzsche sieht in der Gelassenheit die Fähigkeit, dass der Mensch sich selbst Werte setzen kann. Aber wo finden wir unsere Bezugssysteme? Ich habe oftmals das Gefühl, dass kleine Dinge auf einmal wahnsinnig groß werden.

Noch gesünder essen, noch gesünder leben, noch dünner werden. Wir fokussieren uns auf die Kindererziehung und tun noch mehr, besser, gesünder und planen unser Leben rund um die Verwirklichung des optimalen kleinen Menschen. Fürchten uns vor den anderen und folgen Verschwörungstheorien oder nennen sie alternative Realitäten.

Ich mag diesem Denken nicht folgen. Ich kann Heidegger durchaus zustimmen, dass Denken in rechnendes und besinnliches Denken unterteilt werden kann. Während rechnendes Denken von einer Chance zur Nächsten hetzt und nie still steht und sich selbst als auch den Denkenden “ver”waltet, so ist das besinnliche Denken von Reife gekennzeichnet und wesentlich anstrengender. Wir benötigen beide Arten des Denken, damit wir alltagstauglich sind.

Aber ich bemerke, dass ich mich heute ungleich mehr darüber ärgere, dass immer mehr Menschen sich nur mehr im Denken hetzen, als ich es früher getan habe. Werde ich alt? Vielleicht intoleranter?!

Gelassener zu leben ist in einer Gesellschaft, die sich ständig zu optimieren versucht, nicht einfach.

Natürlich will ich gesund leben, aber auch be-sinnlich.
Ich will eine gute Mutter sein und scheitere sowieso schon an meinem eigenen inneren Perfektionismus, daher sich selbst zu besinnen ist wesentlich wichtiger, als dem Mittel der anderen zu folgen.
In der beruflichen Welt will ich mein Bestes geben, ohne Angst und Druck, fast aussichtslos, wenn ich um mich herum schaue.
Und dann ist da noch die Familie und der innere Freundeskreis und ich traue mich zu sagen, dass ich hier gelassen sein kann. Durchaus anstrengend und nie einfach, um dann in seinem Nachdenken für/um/mit sie/ihnen eine Leichtigkeit zu haben, die von Gelassenheit nur so durchströmt ist.

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#317: Willst du eine Banane?

Wer, wie ich in den 1980er groß geworden ist, kennt wohl dieses Lied. Willst du eine Banane? Na, Na, Na i wü kane …

Bananen sind bei uns zu Hause auch ein heikles Thema. Sie symbolisieren die andere Welt meines Sohnes, da er Bananen haßt. Und ich meine hassen. Nicht nicht wollen, oder schmeckt nicht, sondern alleine das Wissen, dass jemand von uns eine Banane angegriffen hat, erschüttert seine Welt. Wir dürfen dann nicht ihn angreifen, noch seine Sachen und er muss sehen, dass wir mit v i e l Seife unsere Hände gewaschen haben. Es geht nicht um den Geruch oder Geschmack – er hat nämlich noch nie eine Banane gekostet, vielmehr ist es dieses pelzige Gefühl einer geschälten Banane, die seine Komfortzone durchbricht.

Obwohl ich das Gefühl und die Struktur von geschälten Bananen auch nicht besonders gerne mag (daher versteh ich dieses Unbehagen), esse ich sie aber – vor allem grün – sehr gerne, daher möchte ich nicht darauf verzichten. Zu Beginn verstand ich nicht, was das Problem von meinem Jr. war, weil es ist ja nur Essen und man kann dieses komische Gefühl auf den Händen leicht verschwinden lassen, aber für Kinder mit einer anderen Wahrnehmung ihrer Umwelt, welche oftmals viel stärker ausgeprägt ist, als das, was wir langläufig als normal kennen, sind Stofflichkeiten, Gerüche oder Lautstärken wie riesige Hürden, die kaum zu überwinden scheinen.

Deswegen sind auch die Essgewohnheiten oftmals sehr eingeschränkt, nach Geschmäckern oder durchaus auch Farben. So präferiert mein Kind Nudeln ohne Sauce oder mit Eiern, obwohl ihm eine al Ragu, durchaus schmeckt, aber er ißt sie einfach weniger, weil es ihm angenehmer ist.

Vieles ist ein Ausprobieren mit der Gefahr von ein paar kleineren oder größeren Explosionen, aber es bringt ihn und vor allem auch mich weiter. Ich esse meine Bananen heimlich oder habe sonst immer sehr gewaschene und saubere Hände.

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#316: Was wir alles nicht wissen über Autismus

N. ist 7 Jahre alt und in seiner Diagnose spricht man von einer Autismus-Spektrum Störung mit einer hohen Begabungsleistung. Autismus wird im ICD-10 als Tiefgreifende Entwicklungsstörung (TE) beschrieben. Diese Entwicklungsstörung betrifft die drei Kernbereiche: soziale Interaktion, Kommunikation und Interessensgebiet. Nach dem ICD-10 und dem DSM-IV sind diese Kernbereiche durch vor allem qualitative Beeinträchtigungen und stereotypische Verhaltensweisen gekennzeichnet.

Da sich der Frühkindlicher Autismus und das Asperger-Syndrom nicht valide unterscheiden lassen, fasste man im DSM-5 die unterschiedlichen Ausprägungen des Autismus in den mehrdimensionalen Begriff der Autismus-Spektrum Störung zusammen. Heute werden auch wesentlich mehr Kinder und Jugendliche (1 % gegenüber 4 bis 5 auf 10.000 Kinder) mit einer Autismus-Spektrum Störung diagnostiziert. Dies liegt jedoch nicht an einer tatsächlichen Steigerung dieser Störung, sondern an der erhöhten Wahrnehmung. So fielen früher viele Kinder durch den Raster, die als begabt oder als sozial nicht auffällig galten, im Gegensatz zu Kindern mit einer Behinderung.

Es ist nicht leicht zu erklären, an welche Grenzen man stößt, wenn man ein Kind mit Autismus-Spektrum Störung hat. Vor allem, wenn es nach außen normal erscheint. Es trägt keinen Button mit sich, wo Autismus draufsteht, und es somit für jede und jeden erkennbar ist.

Was, wenn die eigenen Erfahrungen und die Außenwelt nicht kompatibel sind. Wenn sich Hürden vor einem aufbauen, die nur schwer zu überwinden sind beziehungsweise sie zu bewältigen außerhalb der eigenen Erfahrung liegt, als es die Regeln dem Ich sagen. So muss es N. gehen.

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#315: Aspie

Nach 3 Monaten Schreibabstinenz, zumindest beim eigenen Blog, ist das Finden vom Einstieg gar nicht so einfach. Seit Wochen trage ich meinen Blogbeitrag in mir herum und immer ist es etwas anderes, was mich davon abhält. Am Schwerwiegendsten war eindeutig die Grippe, die mich erwischt hat mit Fieber, Lungenproblemen, Antibiotika und allen Nebengeräuschen.

Das man/Frau mit Kindern immer irgendwie im Einsatz ist, ist neben dem Arbeiten und Studieren schon eine Herausforderung für sich, vor allem, wenn sich in den Klassen der jeweiligen Kinder immer Herausforderungen ergeben. Aber wir meistern sie, wie auch immer. Mit der Diagnose Autismus-Spektrums Syndrom haben wir seit letzten Jahr eine Erweiterung im Meistern des Alltags bekommen.

Wobei wir den Alltag vorher schon meistern mussten, nur eben jetzt dem Ganzen einen Namen geben können. Und dieser Name entmystifiziert und schafft eine Distanz zum Verhalten des Juniors. Früher hat man zu solchen Kindern Aspies oder Asperger gesagt, da Autismus aber schon lange nicht mehr dem klassischen Bild des Rainmans entspricht, ist die Bandbreite um ein vielfaches differenzierter geworden.

Schwierig war und ist immer noch für mich zu akzeptieren, dass es nicht an mir lag bzw. liegt, dass er ist, wie er ist und ich ihn begleiten kann, und alles dazu tue, damit er lernt, wie die Welt da draussen funktioniert.

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#314: Reisebericht – Sardinien

Manchmal muss man etwas sacken lassen, um es dann nochmals sich in Erinnerung zu rufen. Was waren die beeindruckendsten Erlebnisse, Orte und Geschmäcker? Wo würde ich wieder hinfahren? Und welche Spuren hat Sardinien hinterlassen?

Sardinien ist wunderschön und in den zwei 1/2 Wochen ist es natürlich nicht möglich alles zu sehen und zu besichtigen. Einer der Gründe ist, dass im Gegensatz zu Sizilien, wo die Autobahnen alle möglichen Ecken und Enden miteinander verbinden, auf Sardinien dies nicht der Fall ist und wir den “Fehler” gemacht haben, uns für die gesamte Urlaubszeit ein Quartier zu nehmen. Fehler, deshalb unter Anführungszeichen, weil es einem die Möglichkeit gibt die nähere Region besser kennenzulernen. In unserem Fall war das der Norden, von Alghero bis hin nach Porto Cervo und dem nördlichen Innenland.

Und es scheint so, dass wirklich jede Bucht anders ist, ob vom weißen Kiesstrand auf Stintino und dem türkisblauen Meer hin zum feinen Sandstrand bei Castelsardo. Aber wir hatten sogar Kiesstrand bei Santa Teresa mit meterhohen Algenburgen, die von den Italienern aus dem Meer gefischt wurden.

Meine persönlichen Top 10:

1. Alghero: Eine wunderschöne Hafenstadt mit türkisblauem Meer. Sensationellem Granita. Eine wunderschöne Mischung aus spanisch-italienischem Flair. Man erkennt eindeutig, woher die Einflüsse dieser Stadt kommen.

2. Die Neptunsgrotte mit über 300 Stufen ist nicht weit entfernt von Alghero, daher macht es definitiv Sinn hinzufahren. Es gibt die Möglichkeit mit dem Boot die Grotte zu erreichen, aber man wird mit so einem wunderbaren Ausblick belohnt, dass es die Mühe und Anstrengung wert war! Außerdem bekommt man einen knackigen Po vom Stiegensteigen! Was ich gelernt habe, WASSER mitnehmen immer und überall und viel.

3. Stintino: Ein weißer Strand mit so einem türkisgrünen Meer, wie ich es nur von Ansichtskarten kannte. Außerdem war das Meer ausreichend warm (ok, war ja auch schon Juli), und ich schwamm und schnorchelte mit der Prinzessin und dem Junior. Dabei entdeckten wir einen Seestern, den wir natürlich nicht mitgenommen haben, viele Fische und obwohl wir jetzt nicht die klassischen Strandgeher sind, war das einer der wenigen Strände, wo wir wirklich lange geblieben sind.

4. Strandsessel und -schirm: Diese kleinen Plastikstrandsessel und Strandaccessoires gibt es mit Sicherheit überall in Italien, aber ich habe sie hier auf Sardinien entdeckt und mich dafür begeistert. Der Sessel ist eine kleine – aber sehr stabile Version – eines Liegesessels in allen möglichen bunten Popfarben. Am Strand wollten sie 15 Euro, aber da dort kein Handeln möglich war, und ich wußte, dass sie in Castelsardo um 9 Euro verkauft wurden, habe ich sie dann dort erstanden. Zum Sonnenschirm, den wir im Carrefour gekauft haben, erstanden wir dann eine Schirmhalterung, die wie eine Schraube in den Sand gedreht wurde (2 Euro 50). Wie die Einheimischen sind wir dann bestens ausgerüstet zu den besten Plätzen gegangen und haben uns ausgebreitet. Pah, wer braucht schon sauteure Liegen, wenn wir uns unser eigenes Reich geschaffen hatten.

5. Sassari – und seine Kichererbsen-Fladen: Essen gehen in die Panefratteria, wir waren sogar zwei Mal dort! Es ist ähnlich einer Pizza, nur besteht der Grundteig aus Kichererbsen und ist somit weicher in seiner Konsistenz. Zu 7t haben wir uns zwei Vorspeisenteller bestellt, die wir kaum aufessen konnten. Die Besitzerin war sehr entzückend, da meine Prinzessin Oliven liebt, hat sie ihr ein eigenes Schüsselchen hingestellt (ohne extra zu verrechnen).

6. Sassari – und die 13 Aposteln: Santa Trinita di Sacarggia, eine Kirche im Nirgendwo mit schwarz-weißen Basaltstreifen ragt dir Kirche in den Himmel und vermittelt den Eindruck, als ob sie nicht wirklich hierher gehören würde. An den Säulen begrüßen einen übergroße Fledermäuse und Kühe. Und innen findet sich ein Fresko mit 13 Aposteln und einem Bildnis, dass nicht nur den Himmel zeigt, sondern auch die Hölle.

7. Cagliari – und noch eine Kirche: Ich habe eine gewisse Schwäche für Kirchen, ich gebe es zu. Aber auch die Prinzessin, wobei man jetzt schon die pubertäre Unwilligkeit teilweise merkt, und der Junior gehen mit einer Begeisterung auf Entdeckungsreise in Kirchen hinein. Begonnen hat ja eigentlich unsere Kirchenliebhaberei mit Notre Dame in Paris, wo ich der Principessa – damals sehr süß und klein – die Kirche als Ort von Geschichten und Schätzen erklärt habe. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. In Cagliari und seiner Kathedrale war es vor allem die Krypta, die uns fasziniert hat. Dort befinden sich über 170 Reliquien von Märtyrern, quasi das Pannini Sammelalbum der Kirche. Und wir haben eine Inschrift entdeckt, dass eine Tochter von Maria Theresia hier begraben sei.

8. Cagliari – Gelati: Selten so gutes Eis gegessen. Stefino ist wirklich die Adresse, wo man hinsollte!

9. Wein: In Olbia waren wir im “Vino Veritas” einer kleinen Weinbar, die die besten Winzer der Insel kredenzen. Für mich habe ich dabei folgendes entdeckt: Vermentino, der sardische grüne Veltliner. Beim ersten Mal kosten wußte ich nicht, ob ich ihn mag, oder ob er grausig ist. Vor allem, weil er mich teilweise an Sliwowitz erinnerte. Nieddera ist ein Rosewein und es gibt aus der Traube noch bessere, aber trotzdem hat mich dieser Wein wirklich begeistert. Und Malvasia! Eigentlich kenne ich den Wein nur aus Kroatien, aber die Malvasia Traube ist eine typische südliche Traube, die es auch auf Sardinien gibt.

10. Strände: Es gibt viele Buchten und kleine Strände, wo vielleicht gerade einmal eine Handvoll Leute zu finden sind. Während zum Beispiel in Santa Teresa der Strand mit Badegästen überfüllt war, konnten wir ein paar Kilometer weiter uns in Ruhe ausbreiten und die Wellen geniessen.

Sardinien bietet für jeden etwas und ist auf jeden Fall eine Reise wert gewesen.

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#313: Reisebericht – auf dem Weg nach Sardinien

Wenn man mit dem Auto nach Sardinien fährt, dann ergeben sich die unterschiedlichsten Routen und Möglichkeiten, je nachdem, woher man kommt. Im Auto mit 2 Kindern war das Ziel nicht länger als 6 Stunden im Auto zu sitzen, nicht nur weil es anstrengend ist, sondern auch, weil ich es vermeiden wollte, dass hauptsächlich auf iPad und Co gespielt wird. Aber wir waren erfinderisch und haben neben Hauptstädteraten, und wer weiß wirklich auf die schnelle alle Hauptstädte, vor allem, wenn es auch um die baltischen Länder geht und ich habe noch zu Zeiten Hauptstädte gelernt, als es ein Jugoslawien gab, haben wir eine abgewandelte Form von Stadt-Land-Fluss gespielt, wo wir den Fluss durch Superhelden ersetzt haben. Und zu Superhelden zählen natürlich auch Alice (Alice im Wunderland), Pinocchio oder Winnie-the-Puh. Der Jr. hat Harry Potter für sich entdeckt und in den einem Monat mit uns, mit seiner Schwester und auch alleine den ersten Teil gelesen. Sein Ziel war es nämlich den Film anzusehen und das wird nur erlaubt, wenn das Buch gelesen wird.

Das war schon eine großartige Motivation für die Prinzessin, um zu lesen.

Auf dem Weg nach Sardinien waren unserer Stationen, wie folgt: Padua – Maranello – Marina di Pisa – Pisa und Livorno. Was aber nicht bedeutet, dass wir überall uns alle möglichen Sehenswürdigkeiten angesehen haben. Das Ferrari-Museum in Maranello ist jetzt – ehrlich – nicht so besonders. Man sieht ein Auto nach dem anderen. Was mich persönlich aber schon beeindruckt oder nachdenklich gestimmt hat, waren die ganzen F1-Fahrer, wie Niki Lauda oder Michael Schuhmacher. Das waren und sind Menschen, die die Legende Ferrari erst lebendig werden lassen durch ihre Leidenschaft, die an die Grenzen des Menschlichen geht.

Weiter ging es dann nach Marina di Pisa, da wir dort übernachtet haben. In einer kleinen Bungalow-Anlage, wo man auch kochen konnte, hatten wir auch einen Pool. Dieser Pool war das öffentliche Bad der kleinen Ortschaft. Als wir zum Schwimmen gehen wollten, fühlte ich mich augenblicklich in die 1980er Jahre zurückversetzt. Überall waren bunte Badehauben zu sehen, denn ohne Badehauben durfte man nicht ins Wasser. Daher schnell ein paar Badehauben gekauft und ab ins Wasser. Das Schwimmbad schloss um 20 Uhr für die Badegäste, aber war für ortsansässige Pensionisten und willige andere für die Aquagymnastik geöffnet, unter Avici und Guetta radelten und strampelten die Nonnas. Wir haben in der Zwischenzeit unsere erste eigene Pasta al Ragu gegessen. Und als dann wirklich alle weg waren, sind wir nochmals ins Wasser gesprungen, und zwar ohne Badehauben und ganz alleine. Ein Schwimmbad für sich alleine zu haben, vor allem so unter den Bergen und Bäumen der Region Pisa, war schon etwas sehr bezauberndes.

Pisa ist natürlich eine Stadt für Touristen, es gibt ja auch den schiefen Turm und den Piazza dei Miracoli. Da wir aber nicht zu einem Wochenende dort waren, war es auch nicht so schlimm. Und doch gibt es Plätze, wo sich kaum jemand tummelt und man verstehen kann, was Galileo an dieser Stadt wohl liebte. Hier entdeckte Galilei die Schwerkraft und bekräftigte seine Theorien. Camposanto ein wirkliches Highlight und auch das Baptisterium. Der botanische Garten war gerade eher Baustelle als Garten. Natürlich war ich auch am schiefen Turm oben, aber eigentlich nur, weil mein Junior hinaufwollte, der dann nicht durfte (er sei zu jung). Und ich stellte fest zu der damaligen Zeit, als der Turm gebaut wurde, wäre ich wohl ein Riese gewesen.

Zum Abschluss ging es nach Livorno, da auch vor dort unsere Fähre Richtung Sardinien abfahren würde. Livorno ist eine typische Hafenstadt, laut und nicht besonders hübsch, wobei wir definitiv zu kurz dort waren, um es wirklich zu beurteilen. Aber will man richtig gutes Street Food, dann wird man in Livorno wirklich fündig. Eines der besten Panino, natürlich individuell beladen, habe ich dort gegessen. In Livorno werden vor allem fermentierte Gemüsesorten ins Panino gelegt (Kraut, herrlich gewürzt). An Nachmittag geht man ins La Barrocciaia, Piazza Felice Cavallotti, und am Abend ins dortige Restaurant, wo das gekocht wird, was am Tag so vom Meer oder Land hereinkommt.

Am nächsten Tag um 6:30 ging es zum Fährhafen und es war eigentlich schon wirklich viel los. Die Überfahrt selbst ist unspektakulär, ausser man will in einem 2 x 2 Meter Pool auf Deck mit zu vielen anderen Touristen schwimmen. Was ich gelernt habe, nimm dir was warmes zum Anziehen mit, Piombino ist als Fährhafen wesentlich organisierter, es gibt immer jemanden der vergessen hat, wo sein Auto steht (wir waren es nicht), es gibt immer jemanden der NICHT in sein Auto einsteigt, obwohl schon fast alle draussen sind (wir waren das auch nicht).

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#312: ich war dann mal weg

Fast ein ganzes Monat war ich jetzt nicht zu Hause, spontan und nicht geplant und es war einfach großartig. Eigentlich waren 2 Wochen und 1 bis 2 Tage davor und danach der Plan im Juli, da wir auf Sardinien ein Haus gebucht hatten und mit dem Auto hinunterfuhren.

Spontan entschieden wir uns doch schon am Dienstag zu fahren, da sowohl Projekte und Jobs schneller abgeschlossen waren bzw. sich nach hinten verschoben haben. Und meine Aufträge kann ich eigentlich sowieso von überall machen, ich brauche nur einen Laptop, Internet und mein Handy, also worauf sollten wir warten? Mehr als einen Koffer und einen Trolly, der ist immer für die ersten Stationen, brauchen wir nicht. Mehr Platz brauchten die Strandmatten, die wir noch von unserem letzten Kroatienurlaub hatten. Die Badetasche mit Tauchbrillen, Schnorcheln, Schauferln und Co war natürlich auch noch dabei. Die beiden Kinder hatten jeweils einen Rucksack mit Spielen, Büchern und elektronischen Zeugs.

Aufgehalten wurden wir nur von einem schweren Unfall in Italien, wo auf der A4 Richtung Venedig ein LKW ausbrannte und uns somit dazu zwang auf die Bundesstrasse mit tausenden anderen auszuweichen. Aber es stresste uns nicht, weil wir ja keinen Stress hatten, wir hatten ja noch nicht einmal eine Unterkunft für die erste Nacht gebucht, da wir noch nicht wußten, wie weit wir fahren wollten. Und alle die mich kennen, wissen ja sowieso, dass ich immer Essen und Trinken für eine ganze Kompanie mitnehmen, da man ja unterwegs verhungern könnte. So aßen wir im Stau unser Gragger Brot mit Beinschinken, Senf und Kren. Fast schon ein bißchen dekadent, wie ich das Brot frisch aufschnitt, aber ich habe einfach unseren Kühlschrank geleert und alles Verwertbare mitgenommen. Da es absehbar war, dass der Stau wirklich alles bis Venedig lahmlegte, habe ich dann ein Hotel bei Padua gebucht und wir haben dort unsere erste Nacht verbracht.

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Maranello und ins Ferrari Museum. Was soll ich dazu sagen, Autos und Autos und Autos und wahrscheinlich eine Philosophie, die sich für mich einfach nicht erschließt. Aber den Kindern (groß und klein) hat es gefallen. Wir sind dann weiter Richtung Pisa und haben bei Marina die Pisa in einer kleinen Bungalow-Anlage ein Haus gebucht. Und so ging es weiter, Tag für Tag bis wir auf Sardinien waren.

Dort zwei Wochen zwischen Haus, Strand und Städten die Insel erkundet. Eine wunderschöne Insel, aber mir persönlich schon fast zu schön. Ich würde es als “posh” beschreiben. Das Interessante war, dass sowohl der Jr. als auch die Prinzessin der gleichen Meinung waren, indem ihnen Sizilien viel besser gefallen hat. Wir waren letztes Jahr im Februar auf Sizilien, also definitiv nichts mit Strand, Meer und schwimmen, aber trotzdem waren sie sich dessen sicher, Sizilien gefällt ihnen besser. Ich werde in den nächsten Tagen meine persönlichen Highlights von unserer Italien-Reise zusammenfassen, wie zum Beispiel, wo es das beste Street Food in Livorno gibt oder was Olbia zu bieten hat, wo man essen gehen soll, wenn man in Pomerance vorbei kommt.

Pomerance liegt übrigens in der Toskana und war dann nach Sardinien unser Ziel, wobei genauer gesagt in San Dalmazio, wo wir in einem umgebauten Kloster übernachtet haben. Beim Wirten vor Ort trinkt man nicht nur seinen Frühstückskaffee, man kauft auch seine notwendigsten Lebensmittel ein und ißt dort zu Abend. Und weil wir nach 3 Tagen dann doch noch nicht nach Hause wollten, fuhren wir einmal querfeldein durch die Chianti-Region und schlugen in Arezzo auf. Eine Stadt, die mich und auch den Jr wirklich begeistert hat. Und so wurden aus 2 Wochen und ein bisl was, dann 3 Wochen und ein bißchen mehr. Die Eindrücke waren so vielfältig, beeindruckend und entschleunigend. Ich bin so entspannt, wie selten aus einem Urlaub zurückgekommen. Der einzige Stress, den ich zu Hause wirklich hatte, war der, dass ich keinen guten Kaffee mehr trinken konnte.

Ein Problem, welches mittlerweile gelöst ist, jedoch dazu führte, dass die Küche jetzt um die Kaffeemaschine umgebaut werden muss. Aber das ist ein anderes Thema.

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#311: Opfer

Gestern bin ich hinter zwei jungen Mädels gegangen und während sie sich über Belanglosigkeiten austauschten (Mode, Fetzen, Mode), fiel der Satz: “Bist ein Opfer?” und es ist ganz gleich, worauf es sich bezogen hatte, weil es inhaltsleer war, so wie die geistige Schaltzentrale des Mädchens als es diesen einen Satz so lapidar dem anderen Mädchen hinschmiss. “Du Opfer” ist anscheinend eine witzige Plattitüde, die mann/frau in das Gespräch einfliessen läßt. Voll das Opfer, bist ein Opfer, du Opfer höre ich immer wieder und scheint eine Worthülse in der neuen (jungen) Sprache zu sein. Wohl ich es ausschliesse, dass die, die es betrifft, dies hier lesen, aber Plattitüde heißt belanglos und inhaltsleer. Bam gedisst. Gehts’ scheissen.

Ist zu hart? Ja mich regt dieses inhaltsleere “Du Opfer” auf! Weil es nicht inhaltsleer ist im eigentlichen Sinne. Wir leben in Zeiten, wo wir über #aufstehn reden, über #neinheißtnein, über ein neues Bewusstsein von Opferschutz. Ich finde es zum Kotzen, wenn wir durch Sprache verharmlosen. Opfer sein, heißt betroffen sein. Wie kommt eine Frau dazu sich rechtfertigen zu müssen für Äußerlichkeiten, für die Wahrnehmung der anderen? Nein heißt nein! Oder doch nicht? Nein heißt nein! Sie ist ein Opfer und da braucht es keine Untertöne der Geringschätzung oder des Lustigmachens.

Wenn auf die Tafel einer Klasse “Du Opfer” geschmiert wird, fühlt sich jemand angesprochen, es ist diese Doppeldeutigkeit, die dieses belanglose hingeworfene Wort zu einer verbalen Verletzung macht. Feig und überheblich, abwertend und blöd. Und nein es ist nicht lustig. Die Freundin meiner Prinzessin hat ein Foto von der Tafel gemacht, die Verbreitung kann somit schnell und einfach erfolgen und jeder kann zu jederzeit mal schnell ein Opfer sein. Neckischer Austausch zwischen den Kids. Trotteln.

Mag sein, dass ich diese neuen verbalen Gepflogenheiten nicht verstehe. Muss ich auch nicht. Will ich auch nicht. Ich will, dass ein Opfer Handlungsperspektiven bekommt, dass es sich schützen kann, dass wir #aufstehn gegen Gewalt, dass wir #neinheißtnein leben. Weil soviel verstehe ich auch – yolo – you only live once.

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