Archiv der Kategorie: Kinder

#184: lang, lang ist es her

Ich weiß, dass ich jetzt lange nichts mehr geschrieben habe. Dabei habe ich so vieles im Kopf dazu, aber ein Todesfall, 2 Gipsfüße (gleiches Kind, gleicher Fuß), studieren, arbeiten und einfach das Laben haben dazu geführt, dass ich mir nicht die Zeit genommen habe.

Weil natürlich hat man immer irgendwo Zeit, aber ich wollte nicht. Weder beabsichtigt noch bewusst, sondern habe es einfach nicht getan. Das passiert nun mal und darf auch passieren. Weil sonst würden wir uns ständig fertig machen, was wir jetzt schon wieder nicht alles gemacht haben. Und ganz ehrlich wie oft haben wir Schuldgefühle, weil die Kinder zu kurz, der Job zu lang, aber das eine Projekt vergessen, die Wohnung zu wenig, die Freunde oh mein Gott und man selbst … – darüber wollen wir erst gar nicht anfangen.

Beim Aufschieben gibt es laut Psychologie die Erregungsaufschieber oder Vermeidungs- bzw. Verdrängungsaufschieber. Ich gehöre definitiv zu den Ersteren. Man gebe mir eine Deadline und ich beginne erst kurz zuvor meine Arbeiten zu tun. Und obwohl ich nach über 30 Jahren (Schulzeit, Studienzeit, Arbeitszeit, Kinderzeit …) weiß, dass es doch sinnvoller wäre, gleich meine Arbeit zu erledigen, so tue ich es nicht. Wie zuletzt, als ich in der Nacht vor der Abgabe einer Lektüreaufgabe meinen Aufsatz geschrieben habe. Aber Hauptsache ich sage zu meiner Tochter in einem sich wiederholenden Mantra: „Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen.“ Und wie schon mein Vater an mir gescheitert ist, erfahre ich jetzt, wie das ist, wenn man sich selbst sieht in einer kleineren und jüngeren Version seiner selbst.

Dialoge: Übersetzungen

Bub1: Ich mag Gangnam Style. Du auch?
Bub2: Ja.
Bub1: Weißt du, was der singt?
Bub2: Ja, das ist Polnisch mit einer Geheimsprache!
Bub1: Wirklich?!? Das mit der Geheimsprache glaube ich auch.
Bub2: Ja der singt, dass er verliebt ist in der Geheimsprache, aber es darf niemand wissen.
(ist wirklich so passiert, ich schwöre es!)

#175: Rebellion

Gestern hat mich meine Tochter angerufen, um sich über die Ersatzpädagogin zu beschweren. Diese hatte Aufsichtspflicht in deren Freizeitstunde und kündigte laut meiner Tochter gleich mal an, dass sie kein Lachen duldet und auch nicht geflüstert werden darf. Als dies ein Mädchen aus ihrer Klasse nicht davon abhielt mit ihrer Sitznachbarin zu flüstern, ging diese mit der Frage „Sag‘ hast du irgendein Problem?“ auf sie los und auf die an sie gerichtete Antwort: „Nein ich habe kein Problem.“ wurde das Mädchen in die Ecke gestellt.

Meine Prinzessin hat sich innerhalb von ein paar Minuten ihre Wut und ihren Frust rausgekotzt. Auf meine Frage, was sie jetzt von mir erwartete, kam nur Schweigen. Tja, dass weiß sie auch nicht, aber sie überlegt am nächsten Tag die Klasse zu fragen, ob sie die „Neue“ mögen oder nicht und dann mit der Klassenlehrerin zu sprechen.

Ich habe aber zu ihr gesagt, dass sie sich nicht vor Autoritäten fürchten muss. Niemand hat ihr das Lachen zu verbieten und sie soll‘ mal daran denken, wie sie reagieren würde, wenn wir das zu ihr sagen würden. Wie oft sie schon gegen uns rebelliert, also warum nicht gegen eine Lehrerin? Ich will, dass sie für sich einsteht und für ihre Ansichten, was richtig bzw. falsch scheint. Und wenn das bedeutet, dass ich demnächst einen Besuch in der Schule vor mir haben werde, dann soll es so sein.

#170: Schuleinschreibung – der nächste große Schritt

Heute habe ich unzählige Formulare für das Gymnasium ausgefüllt. Datenblätter, schulärztliche Unterlagen, Freizeitaktivitätenliste und was noch so herumlag. Und morgen ist es dann soweit wir gehen zum Direktor. Die Entscheidung der Volksschule war schon ein großer Schritt damals, weil es den Grundstein dafür legt, ob ein Kind gerne zur Schule geht oder eben nicht. Die Wahl des Gymnasium stellte mich vor die gleiche Herausforderung. Ich dachte, dass es viel einfacher ist, nachdem ich ja weiß, was ich bzw. die Prinzessin von einer Schule wollen, und trotzdem man verlässt sich wieder auf Gehörtes und Gesagtes von anderen, und wird unsicherer.

Ich weiß noch, wie ich damals beim Tag der offenen Türe in die jetzige VS meiner Prinzessin mich sofort wohlfühlte und wußte, dass das ein Ort sein könnte, der auch ihr gefallen könnte. Und dann als sie im Jahr darauf in das Schulgebäude zum nächsten Tag der offenen Türe hineinspazierte, stand sie mitten in der Aula und meinte, dass ist die Schule, wo ich hingehen will und werde. Es gab gar keine Diskussion darüber.

Und jetzt ist es ähnlich, nach ihrem Gespräch mit dem Direktor, lag die Schule unter den Top 2 von 3n. Beim Orientierungsgespräch für die englische Klasse kam sie anschliessend heraus und sagte mir wieder mit leuchtenden Augen, hierher will ich gehen. Ohne sich eine andere Schule ansehen zu wollen oder überhaupt zu wissen, ob sie einen Platz bekommen wird.

Auch wenn ich unsicher bin, so weiß ich, dass uns dieses Bauchgefühl gut über die letzten 4 Jahre gebracht hat, also warum nicht jetzt auch.

#167: meine Barbie ist blad

So ungefähr ging es mir heute, als ich mit meinem Sohn die Barbiekiste der Prinzessin durchwühlte. Den neuen Barbies, Monsterpuppen oder wie sie heißen passen all‘ die alten Kleider meiner alten Puppen nicht mehr, entweder hängen sie anorektisch an ihren Knochen herab, oder der Ausschnitt hing beim Bauchnabel (den es ja eigentlich nicht gibt). Hingegen beim neuen modernen Gewand bewegen wir uns in Richtung Size 0 und das passt meiner kurvigen schlanken Barbie nicht.
Ob sie wohl in ihrer Welt schon als Plus Size Model gilt?

#150: Banden

Manchmal verzweifle ich an der betont körperlichen Art meines Sohnes. Es lässt mich hilflos neben meinem Sohn und dem betroffenen Kind im luftleeren Raum stehen. Das hört sich vielleicht verkorkst an, aber so fühle ich mich. Um es kurz zu machen, mein Sohn handelt bevor er spricht, da gibt es keine langen Vorläufe oder leicht erkennbaren Ursachen.

So ist es mir auch jetzt wieder ergangen und ich war mehr als froh, dass ich diesen Schritt raus und weg von ihm und der Situation machen konnte. Und dann höre ich ein Gespräch mit Gerhard Bolt (Satiriker), der über seine Kindheit erzählt und darüber wie sie als Kinder Banden gebildet haben, und es ganz normal war, dass man sich gehaut hat, dass man Kinder der anderen Banden gefangen genommen hatte, um diese dann zu „foltern“. Unter „foltern“ verstand er, dass mit Hilfe seiner Lupe zB. Brandblasen auf den Fußsohlen mittel Sonnenlicht gemacht wurden. Aber ein echter Indianer/Mohikaner verspürte keinen Schmerz. Überhaupt waren auch die Beschimpfungen viel direkter und man hat sich schon genau überlegt womit man jetzt jemanden beschimpft. Heute haben wir hingegen Stellvertreterkonflikte, vor allem bei älteren Kindern und uns Erwachsenen benutzen wir Medien, Anwälte, Institutionen usw.
Und auch mein Griechisch Professor hat heute in seiner Vorlesung erzählt, dass das Thomas Evangelium über die Kindheit Jesu berichtet und dies nicht sehr schmeichelhaft, denn da er bevor Jesu 8 Jahre alt war, schien er nach Thomas ein ziemliches Gfrastsackl gewesen zu sein. Hat Kinder vom Dach heruntergeschmissen, Kritiker an der Arbeit seines Vaters (dem Tischler) erblinden lassen … Somit sollte ich doch mit meinem 4jährigen Sohn doch guter Hoffnung sein. Auch er ist im Kindergarten in einer Bande, verteidigt die, die er mag (mit durchaus unlauteren Mitteln), und reibt mich schon durchaus manchmal auf.

Aber ich liebe ihn und somit einmal (vielmal) durchatmen und öfters diese Zeilen dann wieder durchlesen, wenn es mich reißt.

#147: Kinder und Fotos

An die lieben Kindergarten-Fotographen dieser Welts‘,

warum müsst ihr es euch selbst so schwer machen und ergreift nicht die Chance, die man Euch bietet?! Da redet man und redet man, macht Vorschläge, gibt Feedback weiter, was im letzten Jahr nicht so zufriedenstellend lief, aber man es eben gerne wieder probieren will, weil eben die Art und Weise wie ihr mit den Kindern umgegangen seid, sehr nett gewesen ist … Und dann darf ich im weitesten Sinn „Produktionsüberwachung“ machen und nichts von dem – bis auf die immer noch sehr nette Art, die merklich abkühlt gegen Ende – wird umgesetzt … statische Haltung, gekünstelt und Umfeld und Hintergrund einsam und vernachlässigt. Die Auseinandersetzung mit dem Fotographen-Team wird kurzerhand mit „Geht net, keine Zeit, wie stellen sie sich das vor, das sieht eh keiner, …“ Floskeln abgetan, auch gegenüber den Pädagogen und ihren Inputs zeigt sich keine offenere Haltung. Somit werden wir heuer wohl wieder sehr viele Genick-starr Fotos haben. Aber ich bin halt leider auch sehr verwöhnt durch sensationelle Fotoaufnahmen, die ich begleiten durfte und jeder dieser großartigen Fotographen (die Namen haben) war gegenüber Vorschläge und Ideen immer offen. Also warum verschliesst man sich? Warum nicht einmal etwas Neues ausprobieren?

Kinder können so herrlich spontan sein, sie sind authentisch, strahlen oder eben nicht. Verstellen müssen sie sich noch früh genug und das dann sehr lange. Natürlich will ich, dass mein Kind hübsch ist, aber was soll’s bei uns gibt es dieses Jahr ein Foto mit Bob Baumeister Krawatte … Daher an all‘ die lieben Kindergarten-Fotographen seid doch flexibler, offener, dann müsst ihr auch nicht 10 mal die Hand hochlegen auf das Knie, weil sie für das Kind halt nicht dorthin gehört.

#146: Schule, nein DANKE

In der Zeit gibt es einen sehr nachdenklich stimmenden Brief http://www.zeit.de/2011/22/DOS-G8 über „nutzvolle“ Zeit, die heute von unseren Kindern gelebt werden muss. Lernen, Hausaufgaben, üben, üben und üben so sieht die Freizeit unserer Kinder aus und es beginnt meiner Meinung nicht erst im Gymnasium sondern schon in der Volksschule. Die Kinder, die Glück haben, müssen erst aber der 4ten Klasse daran glauben, weil damit der Weg für Gymnasium oder Mittelschule geebnet wird. Und dabei ertappe ich mich selbst, wie dieser Druck von aussen einem manchmal zu überholen droht, vor allem, wenn man von einem Direktor eines 08/15 Gymnasiums (um nicht zu sagen Poppel-gymnasium) hört, dass im letzten Jahr eigentlich nur lauter 1er Kinder aufgenommen worden sind, obwohl es gab schon ein paar Kinder mit einem 2er … Was ist das für ein Bild, welches wir unseren Kindern vermitteln? Du bist nichts wert und eben nicht gescheit genug für das Gymnasium?

Ich wäre über kurz oder lang an diesem System gescheitert und ich bin froh, dass dieser Druck des ständigen Leistens vor allem auf höchstem Niveau zumindest an mir vorüber gegangen ist. In der Unterstufe hatte ich zwar sehr gute Noten jedoch war ich „verhaltenskreativ“, ein aufmüpfiges und vorlautes Kind – vor allem in Mathematik und das hat sich dann auch auf meine Betragensnote ausgewirkt. In meiner Zeit in der Handelsakademie habe ich gelernt effizient meine Zeit zu nutzen und zwar meine Freizeit, Theater, Stammlokal, Cafehaus und irgendwann zwischen drinnen fand sich schon ein Platzerl für das Lernen. Schülerzeitung, Theaterworkshops, Malen, Schreiben … all‘ das war mir wichtiger und trotzdem habe ich maturiert. Das schönste Kompliment bekam ich bei unserer 10jährigen BWL Professorin Pokorny, die sagte, dass sie froh ist, dass trotzdem etwas aus mir wurde.

Natürlich jammere ich auf hohem Niveau, mein Kind muss bis heute wenig bis nichts lernen, und ihre Noten sind trotzdem sehr gut. Und es geht auch nicht darum, dass Kindern nicht lernen sollen, sondern es geht um die Leichtigkeit die wir mit diesem Thema haben sollten oder dem Verhältnis von Noten und Leistung, weil nicht immer (oder sehr oft) eine Note eine Leistung und das Können von Kindern widerspiegelt. Aber das System hier zu ändern, tja das ist das schwierige. Wir schreiben darüber, reden darüber, aber wo sind die Handlungen? Wo steigt hier die Politik ein?

Wir Erwachsenen reden es uns leicht, wir haben das alles hinter uns gebracht. Aber wo kann ich heute ansetzen, um es für mein Kind besser zu machen? Ich weiß es nicht, ganz ehrlich, aber ich versuche es zumindest kleinweise.

#133: Mut

Eigentlich habe ich E. gesagt, dass ich nicht über sie schreiben wollte. Weil sie etwas angesprochen und ausgesprochen hat, was einfach Mut erfordert. Und ich will auch gar nicht über den Inhalt oder um das was es ging schreiben, sondern darüber, dass es Mut erfordert, auszusprechen, was man sich selbst sogar schwer eingestehen möchte. Und gerade Frauen – und ich kenne derer einige – nicken viel zu oft etwas ab, schauen zu, sind stark und trauen sich nicht sagen, „NEIN“ oder „Ich kann jetzt nicht“. Es geht auch nicht um Überforderung, aber das ist die Erwartungshaltung, die wir uns oft selbst aufoktroyieren. Man muss nicht alles können und vor allem auch nicht alles wollen.
Wir sind so vieles in unseren Rollen und wir müssen nicht jede 100 % ausfüllen. Ich bin in der Rolle der „Hausfrau“ bei nicht mal 30 % – aus meiner persönlichen Sicht. Dafür versuche ich als Mutter 100 % zu geben.
Mut erfordert Kraft und Stärke und enttäuschen tun wir uns oft nur selbst. Somit durchaus mal dazu stehen sich und andere zu enttäuschen!

Dialoge: Austausch und so

ich: (liegend im Bett, und etwas aufbrausend) … und ich wünsche mir einen braven Sohn!
sohn: dann wünsch ihn dir vom Christkind.
ich: (etwas verblüfft) und du? wohin gehst du dann, wenn ich einen braven Sohn bekomme?
sohn: ich bleib da.
ich: heißt das, du wirst brav?
sohn: ja
ich: und du (schon etwas mutiger) brauchst dann eine neue mama?
sohn: nein, du darfst ruhig bleiben.
ich: das heißt, es gibt keine bessere Mama?
sohn: (nachdenklich) nein,… (pause) … auch die vom nico.
ich: die erika kann auch deine Mama werden?
sohn: nein, du bist meine Mama, die Erika darf Papa werden.