Archiv der Kategorie: Kinder

#298: Nazgûl

Wenn mein Sohn einen Zornanfall hat und seine Wut herausschreien möchte, dann klingt er wie ein Nazgûl, ein Ringgeist, aus Herr der Ringe. Ein Schrei, der einem durch Mark und Bein geht und der mich immer dazu bringt in der ganzen Wohnung nachzusehen, ob auch wirklich alle Fenster geschlossen sind.

Ein weiterer Vergleich wäre ja die Schlachtung eines Schweines und wer jetzt fragt, woher ich das weiß, kann leicht aufgeklärt werden. Da meine Großmutter mütterlicherseits einen Bauernhof mit allerlei Tieren hatte, habe ich Schlachtungen von Schweinen durchaus miterlebt, wie auch ihr Ausbluten und Grillen über dem Feuer (stundenlang). Übrigens in dem Buch „100 Punkte hat ein Tag“, wo uns erklärt wird, wie wir jeden Tag die Welt etwas besser machen können und wie wir nachhaltiger leben können, findet ich ein ganzes Kapitel mit dem Inhalt, dass jeder einmal ein Huhn geschlachtet haben sollte. Wobei ein Huhn schreit nicht und generell ist es recht unspektakulär (ich habe hier schon viele Punkte erledigt), aber ich gebe recht, dass es den Blickwinkel auf das eigene Essen verändert. Und ich bin kein Vegetarier.

Aber um zum Schreien zurückzukommen! Es ist furchtbar. Und was das erst für ein Druck in ihm sein muss, dass macht es gleich nochmal furchtbarer, auch für mich.

#297: temperamentvolle Wiener?

Heute hat meine Tochter vermeldet, dass es eh ganz klar ist, dass der Opa Wiener ist, weil er so temperamentvoll ist. Ich musste länger darüber nachdenken, wie sie den Wiener – vor allem meinen Papa – als temperamentvoll sehen kann, grantig, morbide, nihilistisch, sarkastisch, ironisch, mürrisch wären zumindest ein paar passende Adjektive, die mir einfallen würden, aber temperamentvoll?

Aber meine Prinzessin wäre nicht meine Prinzessin, wenn sie es mir nicht erklären würde. Der Opa kann sich wahnsinnig aufregen und dann redet er sich in einen „Strudel“ (aufpudeln könnte man auch dazu sagen), wird auch durchaus laut. Hat für Gegenargumente weder ein Ohr noch Verständnis. Also hat sie nicht ganz unrecht, man muss das Wort Temperament nur anders definieren.
Und schlussendlich liebe ich meinen Papa, der durch seine „ich-finde-für-alles-Gegenargumente“ und „ich-rede-dir-den-Sommer-schlecht“ Art mich immer wieder herausgefordert hat. Es blieb mir einfach nichts anderes über, als ständig dagegen zu reden. Und somit mich zum Denken animiert hat, nichts so einfach hinzunehmen, wie es vielleicht erscheint.

Mein Papa ist wie er ist und ganz gleich, wie er von anderen betrachtet wird, ob temperamentvoll, mürrisch oder mit einem Hang zum Nihilismus. Qualtinger hat es mit dem Nihilismus schon richtig ausgedrückt: „Ich hab zwar keine Ahnung wo ich hinfahre, dafür bin ich schneller dort.“

#295: Perfektionismus

Ich hatte Mitte Dezember mit einem Artikel begonnen, diesen jedoch nie zu Ende geschrieben, was wiederum so gar nicht zu dem Thema „Perfektionismus“ passt. Ich glaube, dass ich kein Perfektionist bin. Ich habe zu wenig Geduld dafür, weder für mich, für die Sache noch für den Perfektionismus selbst. Schlussendlich stehen wir uns auch immer nur selbst im Wege, oder die anderen oder die wenige Zeit, die unzureichenden Möglichkeiten und so weiter und so fort.

Frauen, die sich stressen, weil die anderen Frauen ein Gesamtpaket aus vorbildlichen Kindern, fürsorglichen Partnern und in sich vermeintlich ruhender Mitte ausstrahlen. Wer will schon vorbildliche Kinder? Ok, ich schon, ich gebe es zu. Und die ruhende Mitte wäre auch mal wieder schön zu finden, aber ich arbeite zumindest daran, dass ich alle Fingernägel gleichmässig lackiere (merke gerade, dass ich was zu tun habe!). All‘ diese Bilder spielen sich in unseren Köpfen ab und erzeugen einen Stress, der nicht für UNS gut ist, und was für uns nicht gut ist, zieht dann weiter seine Kreise.

Aber dies trifft auch auf Männer und Frauen im Job zu, die erkennen, dass Perfektionismus nicht möglich ist. Da kann ich noch so oft hinter meinem Mitarbeiter stehen und es ihm vorführen. Weil es ist ja jemand anderer, der diese Tätigkeit dann ausführt, mit anderen Möglichkeiten, anderen Ressourcen und schon hat sich das Ergebnis verändert. Und es geht noch nicht mal um besser oder schlechter. Es geht um anders.

Ich liebe es sowieso zu improvisieren. Besonders beeindruckt hat mich M als er die Krippenbeleuchtung am 24.12 (nachdem alle Geschäfte geschlossen waren) mit zwei miteinander verbundenen AA-Baterien (mittels Tixo) zum Leuchten brachte, weil keine Blockbatterie vorhanden war. Nein es sah natürlich nicht so schön aus, und viel wackeln hätte man auch nicht dürfen, aber es hat funktioniert und seine Funktion erfüllt. Ist das nicht auch ausreichend?

Also ich gehe jetzt auf jeden Fall diese zwei ramponierten Nägel lackieren.

#294: bei den Hottentotten

Ich bin ziemlich lernresistent. Vor 2 Jahren habe ich meiner Prinzessin gesagt, dass es mit ihrem 10ten Geburtstag vorbei ist mit organisierten Geburtstagsfeiern, deswegen durften damals 14! Mädchen bei uns übernachten. Alle aufgebahrt im Wohnzimmer mit allem Drum und Dran, was die weibliche Hemisphäre der Vorpubertät hergibt.

Ein Jahr später hatte ich Mitleid, neue Schule, alles neu und anders. Neue Mädchen, neue Freundschaften und die wollten wir natürlich verfestigen. Macht ja auch Sinn, also schlug ich vor, dass sie doch mit ihren Freundinnen (neu und alt) ins Kino gehen soll. Nein eine Übernachtungsparty war der große Wunsch. Dafür wurden auch nur 5 Mädchen eingeladen. Vorab wurde getanzt, dann gekocht und ein Film angesehen. Alles wirklich wunderbar harmonisch und nett.

Ein weiteres Jahr lerne ich nicht dazu und stimme einer Übernachtungsparty zu. Auch in weiser (?) Voraussicht, dass mein Büro als „Zickenauslagerungsstätte“ dienen könnte und soll. Wieder feilschten wir um jede einzuladende Person und ich kann jedem den Rat geben eine Liste mit Namen in schriftlicher Form (doppelt unterfertigt und mit Stempelmarken versehen) sich geben zu lassen. Weil aus meiner Forderung nach 6 Personen wurden plötzlich 9 Personen, weil doch alle konnten und es nicht so war, dass die eh nicht kann oder darf. Die andere eine Aufführung hätte (die sie aber geschmissen hat für ihre Party). Und wieder habe ich ein ganzes Zimmer mit Matratzen ausgelegt, Decken verteilt und bereits mehrfach erinnert, dass um halb 12 wirklich Schlafenszeit sein soll. Es wurde wieder getanzt und gesungen, Lebkuchen verziert und experimentiert wieviele Mädchen in einen Schlafsack passen. Und auch wenn es eigentlich ganz harmonisch und gar nicht so zickig war, schaut das Wohnzimmer aus, als ob die Hottentotten dort wohnen würden. Ich kann mir auch vorstellen, dass die sich mit so hohen Tönen unterhalten – eigentlich mehr anschreiben, damit sie sich übertönen – und im Dauerkichermodus (auch recht schrill) befinden. Manche grunzen sogar zwischen ihren Lachern.

Und wer auch immer, BITTE erinnert mich nächstes Jahr daran, dass ich eigentlich vorhatte keine weitere Mädchengeburtstagsparty zu veranstalten. Ich habe nämlich noch Raubritter N. als Sohn, der durch das schillernde Vorbild seiner Schwester schon hervorragende Ideen hat, was er einmal machen will.

#293: Weltpräsident

Gestern hat mir mein Sohn erstmals genauer geschildert, was er unter seinem Berufswunsch „Weltpräsident“ versteht. An Selbstbewusstsein und einer Portion Größenwahn mangelt es ihm definitiv nicht. Und doch sieht und hört man genauer hin, fällt es einem auf, dass um die Verwirklichung banalen Selbstverständlichkeiten geht.

So würde er seinem besten Freund M. – der soll und will Architekt werden – alle Häuser bauen lassen, die seinem Freund einfallen. Überhaupt will er für die Kinder Kindergärten und Schulen bauen, wo sie spielen können und Spaß haben, dabei dürfen natürlich elektronische Spiele nicht fehlen, wie Hüpfburgen und riesige Spielplätze. Jeder, vor allem Kinder, sollen immer, dass essen dürfen, was sie wollen. Er würde vorschlagen Kaiserschmarren, Griesskoch, Milchreis, Nudeln und Pommes.

Er will auch mehr erfinden lassen, Motorräder aus Gummi, damit es weniger Verletzungen gibt. Und zwei Dinge waren noch wichtig, einerseits würde niemand mehr flüchten müssen, weil es allen gut geht. Und allen Räubern verbietet er zu stehlen.

Als er mir seine Visionen während der Autofahrt erzählt hatte, war mein erster Gedanke „so viel falsch, habe ich doch nicht gemacht“ und der Zweite „wo biegen wir falsch ab im Leben, dass nicht einmal ein Bruchteil umgesetzt wird?“. So anders werden wir als Kinder nicht gedacht haben und auch die Elterngeneration wird ihre Wünsche und Vorstellungen gehabt haben.

Betrachtet man aber die Klimadiskussionen, Nachrichten rund um Terror und Krieg und Zukunftsprognosen, dann präsentiert sich uns ein weitaus anderes Bild. Wo verlieren wir unsere Fantasien? Ist es angebracht, dass 6jährige in der ersten Klasse ihre Schultasche auf den Tisch zur Abtrennung geben müssen, damit bei einer Ansage der Nachbar nicht abschreiben kann? Was vermitteln wir hier? Ganz abgesehen davon, dass ich Tests in der ersten Klasse sowieso hinterfragen würde. Aber es ist schon so normal, weil sonst funktionieren wir ja nicht in der Gesellschaft, wo Druck und Erfolg ein Standardprogramm darstellen.

Im Gymnasium läuft es ja nicht besser. Im Gegenteil, meine Tochter kann heute mit fast 12 Jahren fast besser mit Powerpoint Präsentationen umgehen, als ich. Fachlich sind die Kinder heute wirklich gut und besser, als wir damals, aber bitte nur nicht zu viel selbst und vielleicht noch kritisch denken. Und auch auf der Universität Wien wurde uns letztens bei einem Seminar angeraten, bitte keine kritischen Fragen – allgemeiner Natur – an den Vortragenden zu richten, der über Moral und robuste Ethik referieren würde.

Wir verlieren unsere Fantasien über all diese Geraden, die uns einen Weg vorgeben sollen und wollen. Manchmal fühle ich mich wie Don Quijote nur sehe ich die Windmühlen nicht. Aber wie sagte Thomas Mann so richtig: „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.“

#290: Wenn man mal einen Stau verursacht …

Gestern ist mir ein Auto aufgefahren, aber nicht nur eines, sondern eigentlich gleich Zwei, da ein drittes Auto das mittlere Auto in meines hineingeschoben hat, somit verstärkt sich die Kraft, die auf einen einwirkt. Wir haben natürlich gleich die Unfallstelle gesichert und nachdem meine zwei Kinder mit im Auto waren und die Prinzessin über Rückschmerzen klagte, habe ich die Rettung verständigt.

Natürlich ist es unangenehm, wenn man am Abend zu Stoßverkehrszeiten die Tangente blockiert und dann noch auf der linken Spur. Ich habe mir diese Situation nicht ausgesucht, auch nicht die zwei Autofahrer hinter mir, die Beide wirklich sehr freundlich und hilfsbereit waren. Was hätte es auch gebracht, wenn wir angefangen hätten zum Streiten? Wichtig war vielmehr, dass nichts gröberes passiert war. Dass der Fahrer in der Mitte nicht sein Neugeborenes im Auto mitgeführt hatte. Die Fragen der Rettung zeigten mir nämlich, dass bei Unfällen auch mit anderen Personenschäden zu rechnen sein kann: „Ist jemand bewusstlos? Ist jemand im Fahrzeug eingeklemmt? Gibt es hohen Blutverlust …“

Und natürlich sind die Schmerzen im Rücken und Nacken nicht klein zu reden, aber es wird vorbeigehen. Der Arzt und Röntgenologe im Lorenz Böhler Krankenhaus haben äußerst entzückend und nett mit meiner Prinzessin gesprochen und sie vor allem ernst genommen. Und auch der Polizist, der meinem Junior all‘ seine Dinge am Gürtel auf Augenhöhe erklärte, haben dazu beigetragen, dass dieser Unfall – wenn man so sagen kann – positiv verlaufen ist.

Deswegen ist es eigentlich umso beschämender für Autofahrer, die es notwendig haben bei uns drei stehenden Autos auf der Tangente vorbeizufahren, um aus dem Fenster uns wüstest zu beschimpfen. Das Letzte sind nämlich nicht wir drei Unfalllenker …

#288: Wenn einer feiert,

dann feiern im besten Fall alle anderen mit! Nachdem mein großer kleiner Mann jetzt 6 Jahre alt wurde, haben wir wieder eine Prater-Fussball-Picknick-Party veranstaltet. Wie schon letztes Jahr platzierten wir uns gegenüber bei der Piraterfee auf der Wiese mit unseren „Fress-Wagerln“ und Picknick-decken. Dazugelernt vom letzten Jahr haben wir uns 2 Tische organisiert und 2 Fussballtore gekauft.

Ab 11 Uhr ging es los und bis 16 Uhr trotz recht feuchtem Wetter, es hat nämlich immer wieder so ein bisserl genieselt, haben wir durchgefeiert mit Fußball, Essen, Trinken und natürlich Geschenken. Am Vorabend habe ich ein Hüftsteak mit Schwarzbier und viel Zwiebeln, Kürbis und Gewürzen in den Ofen geschoben und bei 75 Grad bis am nächsten Tag 10 Uhr durchschmoren lassen. In der Früh ab 8 Uhr galt es noch ein paar Kilo Hühnerschnitzerln zu panieren, Bio Rauchschinken und Salami zu schneiden und den Kindersekt, wie Prosecco einzupacken, der schon gekühlt auf der Terrasse stand. Es war alles weg, sogar ein Großteil der Schokoladen-Nutella-Oreo Torte, die die Kinder und ich am Vortag gebacken haben.

Und damit sich das Essen auszahlte, für Kinder und Erwachsene, haben wir wirklich fleissig Fussball gespielt. Sogar wir ganz Großen haben uns reingelegt und manchmal uns mit den Stöpseln angelegt, die sowieso mehr Kondition und Können auf das Spielfeld gelegt hatten. Was als Frau interessant zu beobachten ist, ist die männliche „Ich-hau-mich-rein-und-nehm-das-ur-ernst“ Eigenschaft aus einem Erwachsenen-Kind-Spiel ein Erwachsenen-Erwachsenen-Kind-(Mit)Spiel zu machen. Aber unsere flexible Spielweise durchkreuzte sowieso jegliche „Gewinnermentalität“, da wir mal in der einen oder dann in der anderen Mannschaft gespielt hatten.

Diese Art des Geburtstagsfeierns ermöglicht weit mehr als nur schnell mal feiern. Der Tag ist nicht vorgeplant mit festgesetzten Terminen und Aktivitäten. Es geht um Zeit, die man/er mit denen verbringt, die er um sich haben will. Es ist eine wunderbare Möglichkeit für uns Eltern und Familie mit Freunden Zeit zu verbringen und zwar viel bewusster, weil es einmal nicht um einen Selbst geht.

#287: Erlebniswandern

Wir lieben den Peilstein, nicht nur, weil man in kurzer Zeit sein Ziel erreicht hat, sondern auch wegen dem anschliessendem Essen beim Karner. Dieses Wochenende wollten wir wieder ein bisschen in den Wald. Das Ziel war eigentlich ziemlich klar, schnell mal hinauf, gemütlich wieder hinunter, und dann die Palette vom Speck über die Kardinalschnitte uns zu gönnen.

Vier Erwachsene und drei Kinder starteten ziemlich motiviert los und weil wir eben so motiviert waren, dachten wir, wenn wir im Wald mal schnell so rechts hinauf abbiegen, dann sind wir nicht nur schneller, sondern sehen auch einmal etwas anderes. Auf unserem Weg auf die erste Steigung sammelten die Kinder jeden Stecken und Ast, den sie finden konnten, dabei hatten wir von quasi Pistolen, Krücken, Schleudern und Wanderstecken so ziemlich alles dabei. Fast oben angekommen merkten wir, dass es nicht mehr weiterging – einer Sackgasse im Wald mit keiner sicheren Möglichkeit mit Kindern weiterzukommen – zusätzlich fiel uns auf, dass diese Anhöhe auf der wir uns befanden so gar nicht mit dem Peilstein gemein hatte, also hieß es querfeldein durch den Wald hinunter und abwarten, wohin es uns wohl bringen würde. Von einem Baum zum Nächsten rutschen, dabei nicht zu viel Gatsch auf der eigenen Hose verteilen, dass war die wahre Herausforderung beim Abstieg. Dieser Weg durch den Wald war vor allem für die Burschen das „Coolste“ an dieser Wanderung. Warum wundert mich das auch nicht? Die Lichtung war dann nur mehr mässig spannend, trennte aber den Hafnerberg – wo wir eigentlich raufgegangen waren – vom Peilstein, der Felswand, die vor uns lag.

Somit hieß es für uns einen guten Eingang in den Wald vor uns zu finden, damit wir durch den Wald hinauf wandern konnten, um einen Weg zu finden. Wir haben aber natürlich alles super gut geschafft, sind dann an der Kletterwand entlang hinaufgekommen und haben nicht nur Waldwege, Kletterwege und Wiesen überquert, sondern gemeinsam mit Freunden und Kindern etwas erreicht ohne sich darüber zu ärgern, dass wir uns vielleicht „verlaufen“ hätten, es uns schwerer gemacht hatten, als notwendig. Im Gegenteil so unverhofft unsere Wanderung war, so lustig, entspannt und großartig haben wir uns gefühlt, als wir endlich beim Karner waren, um zu essen. Und es war die beste Jausenplatte, das beste Sauerkraut, die besten Spareribs und Blunzen … zumindest für uns an diesem Tag.

#286: Schule und so

Wenn ich ehrlich bin, dachte ich, dass meine ersten Wochen im Schulleben damit ausgefüllt wären, über die Voreinschulung des Juniors zu diskutieren. Da Ich in den letzten Monaten immer wieder damit konfrontiert gewesen war, ob es gut, schlecht, besonders schlecht, katastrophal und oder sinnvoll wäre Little Django voreinzuschulen. Aber wie mit einem sensationellen Vertrauenslehrer diskutiert, ist die Aufgabe eines Lehrers heute nicht nur die Leistungsförderung, sondern auch die soziale Unterstützung von Kindern. Und in den letzten Tagen hat sich gezeigt, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, der Richtige ist.

Und das ist auch eigentlich gar nicht mein Thema mit dem ich mich wirklich auseinandersetzen muss, zumindest bis jetzt noch nicht, da unser Junior ganz glücklich ist. Dafür kämpft die Prinzessin mit Schwierigkeiten, die sich schon letztes Jahr abgezeichnet haben, wir aber nicht Ernst genommen haben. Ein Mädchen hat eine ganze Klasse im Griff, schon alleine deswegen wahrscheinlich weil wenn es nur ein Mädchen betrifft, der Begriff des Mobbings schnell zur Hand ist. Dabei ist die Klasse unserer Großen eine grundsätzlich wirklich Nette. Die Kinder sind engagiert und noch entzückend süß. Und eigentlich war letztes Jahr meine Süße zu Beginn gar nicht betroffen, da beflegelten sich ein paar Kinder untereinander und doch kippte es. Ich kann nicht einmal sagen wann, was und wie oder gar wieso, aber als mich vor 2 Wochen nach dem Unterricht meine verzweifelte Tochter angerufen hat und meinte, dass sie einfach so nicht mehr kann, war es klar, dass ich diese Situation als solches nicht weiter akzeptieren würde. Vor allem da wir in Woche 4 am Schulbeginn waren.

Seitdem bin ich präsent und alleine das macht schon spürbar einen Unterschied aus, gibt es etwas mehr Ruhe. Trotzdem fehlt die Unbeschwertheit, und mit den neuen sozialen Medien sind Verletzungen immer einen Klick weit entfernt.

#284: Ahhhhhhh

Heute früh war ich wirklich nicht auf der Höhe, wie man so schön sagt. Eigentlich war ich so richtig xxx drauf, wäre der passendere Ausdruck. Und dabei hat der Morgen gar nicht so schlecht angefangen, verglichen zum Gestrigen. Kinder und ich standen auf, Kind 1 frühstück in aller Ruhe (das gestrige Drama entstand durch nicht vorhandene Frühstücks-cerealien – wobei es ging nur um die eine Sorte, alle anderen waren eh da), Kind 2 will heute nicht frühstücken (wie meistens), das Ankleiden funktioniert, nachdem wieder alle Lieblingspullis, T-Shirts usw. vorhanden sind (gefühlt ist es manchmal so, als ob es nur 3 T-Shirts und 1 Hose im Kleiderkasten gäbe). Zähneputzen und Hygiene alles ganz easy cheesy, es war schon fast unheimlich. Und ich denke, dass war dann auch schon das Problem. Da Kind 1 und ich gestern zu spät gekommen sind (erstmalig), wollte ich heute zum Buchstabentag natürlich super pünktlich sein, aber Kind 1 hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zum Buchstabentag darf Kind ein Ding mitnehmen mit dem zu arbeitenden Buchstaben beinhaltend, im besten Fall – so die Anweisung – dass es in die Hand des Kindes passt. Kind nimmt eine Riesen-Kuschel SCHLANGE mit, wir sind beim A und es hat ein A in der Mitte. Aber da er auch zum Spielen mit seinen Freunden ein selbstgebautes Lego Haus mitnehmen will, brauchen wir eine SCHACHTEL (Schuhschachtel) und auch da gibt es ein A drinnen, wie er mir später erklärt. Da ich mir das Leben aber selbst gerne schwer mache, will ich ihm die Schachtel nicht erlauben, was das Ende vom schönen Anfang (auch mit A) war. Streitend und schreiend (ich hoffe bald kommt das E) verbringen wir die Zeit, die wir eigentlich schon unterwegs sein sollten. Er hat die Schachtel mit, weil ja mit A, er hat alles selbst getragen – schwerst beleidigt, wir haben uns angeschwiegen, aber er hat mich trotzdem lieb.

Alles in Allem bin ich dann gelaufen, um diesen Druck, den ich mir schlussendlich nur selbst mache, abzubauen. Und jetzt geht es mir besser, eindeutig, auch ohne A.