Wenn ich schreibe, dann kann es spontan sein, weil mich gerade ein Thema beschäfigt und zwar jetzt in dem Moment, und ich meinen Gedanken Ausdruck verleihen möchte. Aber wenn ich schreiben, dann kann es auch gezielt und mit Vorsatz einem Thema gewidmet sein, dass ich schreiben muss, soll, kann oder möchte.
Das letzte freie Schreiben hatte den Inhalt der vorgegeben Scripte in der Sing-a-long Rocky Horror Pictrue Show. Das letzte notwendige Schreiben war der Arbeitsblatt meines Sohnes, welches heute über Moodle hochzuladen war. Ob ich deswegen ein schlechtes Gewissen habe? Nein, warum sollte ich, ich kann es schnell und einfach lösen. Mein Sohn will es nicht schnell und schon gar nicht einfach lösen, und dass obwohl das Theme kein Herausforderndes für ihn ist. Er hat es mir ja auch freigegeben, ja paßt alles. Also warum sollten wir uns beide mit etwas quälen, wo es Sinnhafteres gibt. Was Sinnhafter ist? Dass er ein Buch liest, sich mit Freunden trifft und Freude hat. Aber darum geht es wohl auch nicht immer, wenn wir über Schreiben als Arbeit reden.
Es geht um das Schreiben, und manchmal schreibe ich nur um des Schreibenwillens. Das finde ich besonders spannend, so habe ich einen persönlichen Blog für den ich leider das letzte Jahr weniger Zeit hatte, davor diverse Arbeiten von Menschen mit schreiberischen Mangelkenntnissen und davor meine Tagebücher. Tagebücher sind grausam, vor allem die Anfangstage einer jeden Seite. Jede dieser einzelnen Seiten hatten einen anderen Burschennamen mit herzumrandeten Kugelschreiberlinien – manche mehrfach und manche nur einzelne Linien – manche mit Pfeilen und manche mit keinen Pfeilen. Ich weiß noch heute, wer diese Burschen waren. Vor allem, weil ich sie dann auch immer mit entsprechenden Merkmalen wie Rockabillie Frisur, Rollkragen blau/Burgtheater oder saß hinten im Bus versehen habe. Ich frage mich manchmal, ob das heutige 14jährige auch so machen? Oder ob SnapChat, TikTok und Co alles in Bilder und Kurzbegrifflichkeiten umwandelt. Ich kann noch heute, wenn ich daran denke, über wen ich geschrieben habe, diese Gefühle nachvollziehen, die Schmetterlinge, weil „ER“ mich angesehen hat. Sind diese Gefühle über das Inszenieren des Contents mit den wohlüberlegten Worten – im besten Fall – POV: stell dir vor Er steht vor dir – ähnlich? Werden Sie sich in 30 Jahren noch daran erinnern können, oder sind sie so flüchtig, wie die Flammen, die sich die User teilen?
