Archiv des Autors: Biegenzahn

#91: ein Job ist ein Job ist ein Job

Warum schaffen wir es nicht einen Job, als einen Job, als einen Job ansehen zu können. Gerade uns Frauen trifft oft dieses Problem, wenn wir beruflich uns einerseits verändern wollen, aber nicht können, wollen und auch sollen. Und andererseits wir im Job nicht unerfolgreich sind, entsprechende Positionen innehaben, bestimmte Privilegien geniessen, die uns wissen lassen, dass dieser Job eigentlich doch wirklich in Ordnung ist. Und trotzdem stellt er nicht zufrieden, weil er entweder nicht der Job ist, den man bis zu seiner Pensionierung ausüben kann und will. Man einfach weiß, dass wenn Frau die 45 + (und manchmal auch früher oder später) überschreitet, die Arbeitssituation nicht einfacher wird und schon vorsorglich vorbauen will. Und trotzdem kann jetzt nicht die richtige Zeit sein, um sich beruflich zu verändern. Wie fokussiert man auf eine Aufgabe, um sie als Aufgabe und nicht als Leidenschaft zu sehen?

Wichtig ist mit Sicherheit Prioritäten zu setzen, alles auf einmal umzubrechen, hilft niemanden, nicht dem Partner, den Kindern (wenn da) noch dem jetzigen noch zukünftigen Job. Will ich jetzt für meine Kinder da sein, will ich eine neue Lebensplanung anstreben, will ich einen neuen Partner, will ich , will ich… Ganz ehrlich manchmal hilft schon eine neue Frisur, um etwas für sich in sich zu ändern.

#90: Abnehmen als neuer Beziehungskitt?

Ist es ein neuer Trend, der zu beobachten ist, dass Frauen abnehmen, um ihrer Beziehung einen neuen Status zu verleihen? Ich finde es toll, wenn eine Frau abnimmt, konsequent ein Ziel verfolgt und vor allem auf Kohlenhydrate verzichten kann, und das vor allem unter der Prämisse es für einen selbst zu tun. Meine Freundin G sieht sensationell aus, ihr Programm hat sich gelohnt und läßt sie jünger als ihre 50+ aussehen. Am besten gefiel mir vor allem die Aussage, dass sowohl ihr Mann sie jung hält als auch umgekehrt.

Und es gibt aber auch die Beispiele an Frauen, die in einer nicht zufriedenstellenden Beziehung leben, der Alltag ist anstrengend, die Kinder eine unumgängliche Anstrengung und auch die berufliche Situation unzufriedenstellend. Der eigene Mann sieht gerne anderen Frauen hinterher und hat kaum noch Augen für die eigene Frau, also was sonst tun, als ihm wieder gefallen wollen. Wobei es nicht darum geht ihm zu gefallen, sondern sich selbst zu mögen. Das was man tut, wie man ist und dann natürlich wie man sich fühlt und aussieht. Das neugewonnene Selbstbewußtsein ist oftmals von kurzer Dauer und ein erstes Feuer überdeckt die tatsächlichen Probleme.

Aber das merken beide Seiten oft schnell, weil dem Partner geht es oftmals gar nicht darum, ob die eigene Frau jetzt 10 plus oder minus auf den Rippen hat, sondern, dass die Beziehung wieder so funktioniert, wie eben vor den Kindern, vor den Problemen in der Firma, vor dem wenigen miteinander reden, vor, vor vor …

#89: Die wichtigen Themen im Leben

haben wir heute im Rahmen eines Familienessens diskutiert als wir nämlich in Strebersdorf „Beim Hannes“ saßen um uns einig zu werden, wo wir das beste Surschnitzel bisher gegessen haben. Und sowohl mein Papa als auch ich essen zumeist in einem traditionell österreichischen Gasthaus ein Surschnitzel mit Erdäpfelsalat, daher ist unsere Meinung dazu fundiert und durchaus durch Erfahrungswerte belegt. Und wir haben festgestellt, dass das Surschnitzel, welches wir heute gegessen haben zu den bisher besten gehört, da es ausgezeichnet gesurt war, das Fleisch sehr saftig aber nicht fett und auch die Panade knusprig. Die Portion bestand aus 3 mittelkleinen/großen Schnitzel, somit ist man nicht von einem Riesenschnitzel erschlagen. Dagegen wurden natürlich andere gute und wenige gute Restaurants abgeglichen, wobei das Gasthaus Kopp noch gut abschneiden würde und für uns der Figlmüller zu dünn panieren würde, und somit der Sur-Geschmack eher zweitrangig wäre.
Mit Alufolie ausgestattet haben wir uns die Reste einpacken lassen und waren glücklich, jetzt hätte nur mehr ein Tichy Eismarillenknödel den Tag toppen können, jedoch war uns der Weg in den 10. Bezirk dann doch zu weit.

#87: Muttertag oder so

Meine Mama hat absolut recht, wenn sie sagt, dass jeden Tag Muttertag sein sollte. Genauso auch wie der Vatertag, den einen Tag herauszupicken, wo man einer bestimmten Person gedenkt, sie hochleben lässt, ein paar Blumerln vorbeibringt, bringt nur dem schlechten Gewissen und der Industrie etwas.

Mein 3jähriger Sohn hat am Mittwoch Abend schon seinen Blumentopf ganz beschämt mir auf den Tisch gestellt, weil dieser für mich ist, heute morgen musste ich mir das gelernte Lied dann selbst vorsingen, als er mir die selbstgebastelte Karte in die Hand drückte. Und meine Tochter mit 9 fragt mich seit Mittwoch, ob ich eh Kerzen und Blumen mag, sowie die Farben rot und lila …. Dazwischen hab ich Gezicke, Wutanfälle und auch Schmuseeinheiten zu meistern. Also alles beim Alten und etwas Schnick-Schnack dazu, lieber ist mir da ein ehrliches – ich habe dich lieb, mag dich jetzt nicht, halte mich fest, geh weg,

#86: Gleich und gleicher …

Meine Tante hatte es ziemlich auf den Punkt gebracht, in südländischen Familien (Balkan) zählen Männer und männliche Nachkommen noch immer mehr als die Weiblichen. Hintergrund war der die Diskussion rund um das Erbe eines Bekannten. Frauen haben zu verzichten, wie es auch meine Mutter getan hat. Eine Veränderung der Einstellung in Sachen Gleichberechtigung findet nach wie vor nicht statt bzw. nur sehr schleppend.

Es war schon „amüsant“, als ich merkte, wie sich das Bild zu meiner Person veränderte, nachdem ich gefragt wurde, was ich jetzt mache, wenn ich nicht mehr in einer Firma angestellt bin. Die Möglichkeit der Selbständigkeit und der Weiterbildung war auf einmal wesentlich höher bewertet, davor schien ich wohl irgendeine Arbeitsbiene gewesen zu sein, die weniger leistet. So wurde mein Bruder noch während seines Studiums immer wieder gefragt, wie sein Studium läuft, was er jetzt so macht, während das bei mir nie ein Thema war.

Ich liebe die Gastfreundschaft und Lebensfreude meiner mütterlichen Wurzeln, mit dem Alter merke ich aber, dass ich mit dieser Seite meiner Wurzeln nichts anfangen kann und versuche auch positiv auf meine jungen weiblichen Verwandten einzuwirken, die Bildung geniessen können. Mit meinen Ansichten werde ich zukünftig nicht zu den beliebtesten Verwandten zählen. Aber ich habe keine Lust mich kleiner fühlen zu lassen, als ich es bin.

#85: Pflegefall

Meine Großmutter hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall. Im Alter von über 80 Jahren meinte sie damals das Feld am Ende des Sommers noch eigenhändig abbrennen zu müssen. Bis dahin ist sie noch täglich vor 6 Uhr morgen aufgestanden und hat versucht den Hof so gut wie möglich alleine zu bestellen. Dieses Wochenende, weil orthodoxe Ostern zu feiern waren, habe ich sie wieder besucht. Und es ist bedrückend zu sehen, wie eine ehemals agile Frau, die mit knapp 80 noch bis 4 Uhr morgens tanzte, jetzt Mühe hat sich aufzusetzen bzw. es ihr ohne Hilfe nicht möglich ist. Es gibt gute Tage und schlechte. An guten Tagen erkennt sie die Menschen rund um sie herum, so einer war am Samstag. Sie hat sich gefreut die Familie zu sehen, hat meine Hand gehalten und hat versucht ihren Urenkel – wie früher auch – zu necken. Früher und das ist gerade mal 3 Jahre her, ist sie mit ihrem einjährigen Urenkel am Boden herumgekrochen, es ist mit Blick auf diese im Bett liegende Frau, wie ein Blick in ein altes Bild. Gute Tage sind für alle gut, weil man ist froh, die Zeit mit ihr zu verbringen, die Pflegerin hat weniger zu tun, die Familie ist weniger belastet und die gesammelte Erinnerung ist eine positive, so hofft man auch für die betroffene Person. Und dann gibt es schlechte Tage, dass waren die nächsten 2 Tage, wo meine Großmutter sehr müde und verwirrt war. Sie machen uns alle betroffen, am wenigsten meine Großmutter, weil sie es nicht mitbekommt. Ein Körper der zwar schwach ist, ein Geist, der nicht mehr so funktioniert, wie er es einmal getan hat und trotzdem ist es ihr nicht möglich zu sterben. An guten Tagen, wo die Erinnerung funktioniert, ist es ihr Wunsch, so hat sie es meiner Mutter erzählt, aber der Körper lässt es noch nicht zu. Auch diese wenigen Tage, die ich sie sehe, machen glücklich und traurig und es zeigt, dass das Leben im Alter alles andere als einfach sein kann. Aber Lösungen haben wir in unserer Gesellschaft immer noch nicht dafür gefunden. Meine Großmutter hat das Glück daheim gepflegt zu werden, denn wenn ich an ihren Krankenhausaufenthalt denke, dann meinen wir im 21. Jahrhundert angekommen zu sein, und können uns glücklich schätzen über die miserablen Zustände in unseren Krankenhäusern, den am Balkan bringt man als Angehörige nicht nur das Essen und das Schlafgewand, man hat sich auch um die medikamentöse Behandlung zu kümmern und muss Angst haben, dass über Nacht nicht wieder Essen oder Medikamente gestohlen worden sind. Genau deshalb wurde alles daran gesetzt, dass eine 24 Stunden Pflege gefunden wird. Und die Familie – auch am Balkan – kann die Pflege nicht übernehmen. Also muss externe Hilfe gesucht und vor allem eins finanziert werden.

#84: kein Freizeitstreß

Gestern konnte ich meinen eigenen Kindheitstraum erleben oder besser gesagt miterleben. Meine Tochter hatte ihr erste Longe-Stunde! Reiten war schon seitdem sie 3 ist ein Thema aber dazwischen hatte sie die Möglichkeit die unterschiedlichsten Sport-, Bewegungs- und Interessensgebiete zu erkunden und auszuprobieren. Vor allem, weil Reiten körperliche Stabilität und Entwicklung benötigt.

Ich konnte als Kind und Jugendlich auch alles ausprobieren, was mich interessiert hat. Bei mir waren es vornehmlich Instrumente und musische Kurse, wobei ich nach einem Jahr oder noch viel öfters früher nicht mehr wollte. Alleine das Singen im Chor, alleine, in der Gruppe oder das Theaterspielen waren eine Konstante von Volksschule bis zur Matura. Nur Reiten das war finanziell bei meinen Eltern nicht drinnen, es ist damals wie heute ein kostenintensives Hobby. Vielleicht weil ich alles ausprobieren konnte und sehr frei in meinen Entscheidungen war, versuche ich diese Möglichkeiten meinen Kindern so weiterzugeben. Der große Unterschied ist, dass meine Tochter wesentlich zäher ist und länger bei den meisten Sachen durchhält als ich. Was aber auch dazu führt, dass ihre Woche gut befüllt ist, mit Ballett (seit 6 Jahren), mit Fussball (seit 3 Jahren) und abwechselnd hat sie schon gemacht bzw. macht es noch Judo, Singen, Vital Training, Voltigieren und eben jetzt Reiten. Auf die Frage einer Freundin an meine Tochter, wann sie denn dann mich sieht, wenn sie fast täglich etwas machen will, kam: „Wieso ich schlaf eh zu Hause und Wochenende gibt es auch noch …“.

Ich denke, machne Anlagen hat sie dann doch wohl von mir :)!

#83: Sensibilisierung

Gestern Abend hat mich meine Tochter gefragt, warum eigentlich die Stimme eines Kindes weniger zählt, als die eines Erwachsenen und natürlich hätte ich sagen können, dass das so nicht stimmt, weil jedes Kind eigentlich genauso viel und Wahres zu sagen hat als wir Erwachsenen und doch ist es nur eigentlich, weil sowohl sie als auch ihr Freund F mitbekommen haben, dass beim gemeinsamen Spielen eben einer seinen viel jüngeren Bruder hart und ungerechtfertigt geschlagen hat. Und auf die Frage, warum er das macht, kam die Antwort: „weil meine Eltern das auch machen …“ Beide Kinder waren erschüttert und es ist auch Tage später noch Thema, vor allem welchen Handlungsspielraum hat man als Erwachsener und was können die Kinder selbst machen?

Gut ist, dass beide Kinder nicht geschwiegen haben und es den Eltern erzählt haben. Gut ist, dass beide Kinder und auch die anderen nicht darüber hinweggesehen haben, sondern gleich dem Burschen gesagt haben, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung ist. Gut ist, dass wir sensibilisiert sind.

Schlecht ist, dass solche Dinge noch passieren und wir unsere Kinder davor nicht schützen können. Es offen anzusprechen und darüber zu sprechen ist aber ein erster wichtiger Schritt.

#82: Un-kultur

Hat heute Kultur noch einen wirtschaftlichen Stellenwert? Förderungen und Subventionen werden in Zeiten der Finanz- und anrollend-scheinenden Wirtschaftskrise zurückgedreht, was zur Folge hat, dass Kunst und Kultur auf die Unterstützung aus der Wirtschaft und von Mäzen angewiesen sind. Jedoch auch die Gelder der Unternehmen werden weniger und Budgetkürzungen sind heute ein gerngesehenes und willkommenes Argument um Sponsorings abzulehnen.

Auch Gesetzeslage rund um Anti-Korruption und das politische Schauspiel der Ausschüsse tun ihr übriges dazu, dass Partnerbeziehungen zwischen Kunst und Wirtschaft immer öfter aufgelöst werden oder nur scheinbar verlängert.
Was heißt das für die Entwicklung und den Fortschritt kultureller und künstlerischer Projekte, Werke und derer Berufsgruppe? Wer kann für Kunst und Kultur eintreten, wenn es Politik nicht mehr kann? In Amerika bestimmen dann einzelne Mäzen, was wann, wo und wie gespielt wird. Analog zu „Wer zahlt, schafft an.“, nur kann das die Vielfalt sein, die wir uns wünschen?!

In Wien gibt es Projekte, die kaum bis keine Unterstützung der Stadt Wien erhalten, jedoch ungleich wertvoll vor allem für Bezirke, Grätzeln und die betroffenen Personen sind. Es sind die engagierten Künstler und Freischaffende, die ihr Geld hier investieren (siehe Vorgartenmarkt) und froh sind, wenn wenigstens eine „rote“ NULL rauskommt. Aber auch bei Projekten bzw. Initiatoren, die bereits höchst erfolgreich österreichisches Kulturgut weit über unsere Grenzen produziert und exportiert haben, gibt es Unterstützung – und nicht immer (aber natürlich oft) sind es die monetären Leistungen, die helfen – und auch hier ist es das Geld von Freunden, Familie und dem Geld unter dem Kopfpolster das zur Realisierung herangezogen wird.

#81: Fussball

Nichts emotionalisiert so wie das Schauen von einem Fussballspiel. Wobei ich sagen muss, dass ich schon viel ruhiger bin, wenn ich an die EM 2008 denke, als Österreich spielte, da verwandelte sich meine Sprache in eine Mischung aus Rohrspatz (und das ist noch entsprechend süß) bis hin zum „türkischen“ Maulesel gewürzt mit Wiener Ausdrücken.

Ich mein, ich versteh mich in solchen Momenten dann selbst nicht, ich bin Schiedsrichter, Trainer und loyaler Zuseher und all‘ mein Wissen über richtiges Verhalten, moralische Instanzen sind auf einmal wie weggeblasen. Aber wie ich schon anmerkte, heute bin ich ruhiger. Ich verordne mir aber auch eine gewisse Distanz zu diesen Spielen und es gab auch schon lange nicht mehr ein Spiel, dass ich mir bewusst angesehen habe. Auch heute das Spiel Barca vs Bayern ist so ein Spiel. Eigentlich bin ich ja eher für Barca, aber der Rest der Familie hält zu den anderen, also ist es mir dann gleich, oder eben fast.

Worauf ich warte, ist das Spiel, dass mich wieder begeistert und dann garantiere ich für nichts.