#352: Rosen erblühen in Malaga

Olé

Schon länger habe ich vor mich von meinem Vater auch schriftlich zu verabschieden und als ich letztens dieses Lied im Radio gehört habe, nahm ich Cindy und Bert zum Anlass meinen Erinnerungen Platz zu geben.

Überhaupt scheint es, dass mein Unterbewußtsein all‘ diesen alten Texte hervorgrabt, vor allem wenn es so scheint, als ob ich vom deutschen Schlager der 60er und 70er Jahre verfolgt würde. Psychologisch gesehen ist es einfach, mein Gehirn ist selektiv und nutzt die Möglichkeiten – im Auto switche ich immer wieder zu Radio Burgenland (!) und NÖ – die sich ihm bieten.

Memories of Heidelberg sind Memories of you und von dieser schönen Zeit, da träum ich immerzu. Mein Vater war leidenschaftlich, wenn es um Musik ging. Am Sonntag hörte er liebend gerne Marschmusik im Radio und wenn ich heute in der Stadt unterwegs bin und es der Zufall will, dass auch eine Marschkapelle spielt, bleibe ich stehen und höre zu.

Mein Vater hat es mir ermöglicht eine Breite an Musik kennenzulernen, die bei Glen Miller beginnt und nie zu Ende geht. Ich habe jetzt überlegt, wo ich ein Ende setzen wollte, sollte oder könnte, aber es gibt keines. Im Geiste gehe ich all‘ die hunderten Single Platte durch, die ich von ihm habe und auch dort ist alles wild durcheinander.

Er hatte immer erzählt, dass ich schon in der Krippe nur bei Musik aktiv geworden bin und vor allem La Paloma Blanca eines meiner Lieblingslieder war. Ich habe auch lange vorher getanzt bevor ich einen Schritt gegangen bin.

Väter sollten Helden sein und in diesem Fall war mein Vater mein MC Held.

Das er nicht überall ein Held war, ist einfach oft dem Leben geschuldet und vor allem außerhalb unserer (und ich meine die meines Bruders oder meiner) Reichweite und Möglichkeiten. Man liebt deswegen nicht weniger. Und die Traurigkeit manifestiert sich in Kleinigkeiten der Erinnerungen an meinen Papa. Und es sind diese Erinnerungen an denen ich auch festhalten mag. Schöne, lustige und absurde Erinnerungen, die einem ein inneres Lächeln geben.

Eine solche absurde Erinnerung steht jetzt auch in meinem Wohnzimmer. Ich habe es nicht über das Herz gebracht die Westminster Tischuhr wegzugeben. Schon meine Großmutter hatte so eine Uhr bei sich in der Wohnung stehen und mein Vater hat sich dann auch eine gekauft. Natürlich manuell aufzuziehen mit einem herrlichen Glockenwerk, welches jede viertel Stunde uns verkündet, dass eine viertel Stunde vergangen ist. Die Meinungen in meinem Haushalt sind geteilt und vor allem die Prinzessin ist am lautesten, wenn sie mir mitteilt, wie sehr sie diese Uhr haßt. Ich bin noch indifferent und habe meinem Bruder schon angedroht, dass diese Uhr irgendwann einfach bei ihm steht und er sie aufzuziehen hat. Und wenn die Uhr Glück hat, steht sie irgendwann dann beim Nachwuchs, weil es genau diese Erinnerungen sind, die bleiben und Geschichten erzählen.

In ewiger Erinnerung an meinen Master of Ceremonies.