#332: Der Sommer ist wohl vorüber

Nicht nur, dass es regnet und ich seit gestern dieses Bedürfnis verspüre mich unter eine kuschelige Decke mit Tee und Buch zu verschanzen, so ist es auch die Tatsache, dass ich eine Kürbiscremesuppe – die übrigens ausgezeichnet geworden ist – gekocht habe, die mir vor Augen führt, dass ich im Herbst angekommen bin.

Der erste untrügerische Hinweis kam aber nach der Rückfahrt von Jesolo am 02. September als ich in Villach aus dem Auto ausstieg und in meinen Flip Flops fror (bei 12 Grad) und meine Zehen Uboot spielen durften. Aber trotzdem der Umstieg von Warm auf Kalt und Italien auf Schule und Pasta auf Suppe immer ein wirklich harter ist, so liebe ich es die letzten Tage vor dem kommenden alltäglichen Wahnsinn in Italien zu verbringen.

Diesmal sogar etwas verändert, da wir bevor wir an den Strand von Jesolo fuhren noch das Friaul entdeckten. Auf dem Weingut Colutta gibt es ein paar Appartements und noch wesentlich wichtiger für die Kinder einen Pool. Nicht nur, dass der Weinbauer ein Apotheker ist, der sich nur akademisch der Familientradition beugte, so ist er es auch leidenschaftlich und versucht vor allem traditionelle Trauben, wie den Ribolla Gialla oder Schiopettino, anzubauen. Am zweiten Tag lud er uns alle gleich zu einer Verkostung ein, selbst die Kinder durften ihre Nasen und Zungen in die Gläser stecken. Zu sehen und zu schmecken wie Wein geerntet und verarbeitet wird, ist ein Erlebnis und noch viel beeindruckender wird es, wenn auch der Weinbauer mit so viel Liebe und Engagement von seinen Nachhaltigkeitsprojekten spricht.

Somit um eine Erfahrung reicher und auch Friaul hat wunderbare Orte zu entdecken, sei es Cividale des Friuli, wo man einfach einen Schlüssel in die Hand gedrückt bekommt und sich kostenlos Katakomben ansehen kann. Und wer Glück hat, so wie wir, besucht am 4ten Sonntag im Monat den „il baule del diavolo“. Einen Markt voll mit Antiquitäten und alten Gebrauchsgegenständen, aber ohne den fernöstlichen Kitsch, den man heute auf Flohmärkten findet. Dieser Markt zieht sich durch die ganze Stadt und ist ein Erlebnis für sich. Dazwischen setzt man sich am besten in ein kleines Café und genießt das Treiben der Italiener.

Am besten genießt man Italien sowieso immer bei Café, Wein und gutem Essen und das wissen mittlerweile auch Kind 1 und 2 zu schätzen und sind entweder auf der Suche nach dem besten Tiramisu, Gelatto oder Pasta al Ragu.

#321: Toskana 2016 es geht weiter

Eine Herausforderung war für mich die Fahrt quer durch die Chiantiregion. …

Jetzt habe ich erst gesehen, dass ich Mitten im Satz aufgehört habe zu schreiben und den Blogbeitrag veröffentlicht hatte. Daher kommt hier der zweite Teil der Reise. Die Chiantiregion war deswegen eine Herausforderung, da ich schon seit Kindheitstagen eine „Mir-wird-übel-Mitfahrerin“ bin. Die Serpentinen haben zwar den Nachteil, dass mir schlecht wird, aber man kann so langsam fahren und stehenbleiben, damit ich die Aussicht sehr geniessen konnte. Mitten im Nichts stand dann auch ein kleines Restaurant, wo es perfektes Schwein mit Salbei gab und auch die Gnocchi selbstgemacht waren. Von dort ging es dann auch weiter in Richtung Montevarchi und Arezzo.

Übernachtet haben wir in der Antica La Tabaccaia, einer ehemaligen Fabrik für Tabakwaren. Im Haupthaus wurde der Tabak getrocknet. Der Bau ist wirklich faszinierend und auch die Anlage sehr schön. Natürlich waren in Montevarchi im Prada Outlet, und haben nichts gekauft. In jedem Outlet, wo es Prada gibt (Mc Arthur Glen zB.) zahlt man genausoviel oder wenig.

Was uns aber wirklich begeistert hat war Arezzo. Eine mehr als beeindruckende Stadt, dessen Patrizierhäuser und Kirchen Geschichte pur vermitteln. Und wer Benignis „Das Leben ist schön“ gesehen hat, erkennt vielleicht die Piazza Grande aus Arezzo wieder. Dem Jr. hat die Kathedrale begeistert, da neben einem Papststab auch ein Ritterschwert zu sehen war. Der Hauptaltar ist aus feinstem Marmor und lädt zum Entdecken ein.

Neben Arezzo war dann das Le Fornaci, der ausschlaggebende Grund, dass wir im Herbst nochmals in die Toskana gefahren sind. Im Le Fornaci bei Laterina gibt es neben Unterkünften eine Vineria, geführt von Claudio und Luisa, die bodenständiges sensationelles Essen anbietet und Weine in mindestens ebenso guter Qualität. Claudio und Luisa waren einfach wunderbare warmherzige Gastgeber, die Spaß daran haben, den Menschen Wein und Essen und die Toskana näherzubringen. Ein wunderbares Fleckchen Italien, welches wir dann gleich 3 Monate später wieder besucht haben. Nämlich gleich für eine Woche vor Ort, damit wir eben die Weine verkosten können, ohne mit dem Auto fahren zu müssen.

Ich freue mich schon auf 2017 und meinen Italien-Faible, wobei ich mich langsam frage, wie und vor allem wann ich Sizilien und Toskana heuer unterbringen werde.

#314: Reisebericht – Sardinien

Manchmal muss man etwas sacken lassen, um es dann nochmals sich in Erinnerung zu rufen. Was waren die beeindruckendsten Erlebnisse, Orte und Geschmäcker? Wo würde ich wieder hinfahren? Und welche Spuren hat Sardinien hinterlassen?

Sardinien ist wunderschön und in den zwei 1/2 Wochen ist es natürlich nicht möglich alles zu sehen und zu besichtigen. Einer der Gründe ist, dass im Gegensatz zu Sizilien, wo die Autobahnen alle möglichen Ecken und Enden miteinander verbinden, auf Sardinien dies nicht der Fall ist und wir den „Fehler“ gemacht haben, uns für die gesamte Urlaubszeit ein Quartier zu nehmen. Fehler, deshalb unter Anführungszeichen, weil es einem die Möglichkeit gibt die nähere Region besser kennenzulernen. In unserem Fall war das der Norden, von Alghero bis hin nach Porto Cervo und dem nördlichen Innenland.

Und es scheint so, dass wirklich jede Bucht anders ist, ob vom weißen Kiesstrand auf Stintino und dem türkisblauen Meer hin zum feinen Sandstrand bei Castelsardo. Aber wir hatten sogar Kiesstrand bei Santa Teresa mit meterhohen Algenburgen, die von den Italienern aus dem Meer gefischt wurden.

Meine persönlichen Top 10:

1. Alghero: Eine wunderschöne Hafenstadt mit türkisblauem Meer. Sensationellem Granita. Eine wunderschöne Mischung aus spanisch-italienischem Flair. Man erkennt eindeutig, woher die Einflüsse dieser Stadt kommen.

2. Die Neptunsgrotte mit über 300 Stufen ist nicht weit entfernt von Alghero, daher macht es definitiv Sinn hinzufahren. Es gibt die Möglichkeit mit dem Boot die Grotte zu erreichen, aber man wird mit so einem wunderbaren Ausblick belohnt, dass es die Mühe und Anstrengung wert war! Außerdem bekommt man einen knackigen Po vom Stiegensteigen! Was ich gelernt habe, WASSER mitnehmen immer und überall und viel.

3. Stintino: Ein weißer Strand mit so einem türkisgrünen Meer, wie ich es nur von Ansichtskarten kannte. Außerdem war das Meer ausreichend warm (ok, war ja auch schon Juli), und ich schwamm und schnorchelte mit der Prinzessin und dem Junior. Dabei entdeckten wir einen Seestern, den wir natürlich nicht mitgenommen haben, viele Fische und obwohl wir jetzt nicht die klassischen Strandgeher sind, war das einer der wenigen Strände, wo wir wirklich lange geblieben sind.

4. Strandsessel und -schirm: Diese kleinen Plastikstrandsessel und Strandaccessoires gibt es mit Sicherheit überall in Italien, aber ich habe sie hier auf Sardinien entdeckt und mich dafür begeistert. Der Sessel ist eine kleine – aber sehr stabile Version – eines Liegesessels in allen möglichen bunten Popfarben. Am Strand wollten sie 15 Euro, aber da dort kein Handeln möglich war, und ich wußte, dass sie in Castelsardo um 9 Euro verkauft wurden, habe ich sie dann dort erstanden. Zum Sonnenschirm, den wir im Carrefour gekauft haben, erstanden wir dann eine Schirmhalterung, die wie eine Schraube in den Sand gedreht wurde (2 Euro 50). Wie die Einheimischen sind wir dann bestens ausgerüstet zu den besten Plätzen gegangen und haben uns ausgebreitet. Pah, wer braucht schon sauteure Liegen, wenn wir uns unser eigenes Reich geschaffen hatten.

5. Sassari – und seine Kichererbsen-Fladen: Essen gehen in die Panefratteria, wir waren sogar zwei Mal dort! Es ist ähnlich einer Pizza, nur besteht der Grundteig aus Kichererbsen und ist somit weicher in seiner Konsistenz. Zu 7t haben wir uns zwei Vorspeisenteller bestellt, die wir kaum aufessen konnten. Die Besitzerin war sehr entzückend, da meine Prinzessin Oliven liebt, hat sie ihr ein eigenes Schüsselchen hingestellt (ohne extra zu verrechnen).

6. Sassari – und die 13 Aposteln: Santa Trinita di Sacarggia, eine Kirche im Nirgendwo mit schwarz-weißen Basaltstreifen ragt dir Kirche in den Himmel und vermittelt den Eindruck, als ob sie nicht wirklich hierher gehören würde. An den Säulen begrüßen einen übergroße Fledermäuse und Kühe. Und innen findet sich ein Fresko mit 13 Aposteln und einem Bildnis, dass nicht nur den Himmel zeigt, sondern auch die Hölle.

7. Cagliari – und noch eine Kirche: Ich habe eine gewisse Schwäche für Kirchen, ich gebe es zu. Aber auch die Prinzessin, wobei man jetzt schon die pubertäre Unwilligkeit teilweise merkt, und der Junior gehen mit einer Begeisterung auf Entdeckungsreise in Kirchen hinein. Begonnen hat ja eigentlich unsere Kirchenliebhaberei mit Notre Dame in Paris, wo ich der Principessa – damals sehr süß und klein – die Kirche als Ort von Geschichten und Schätzen erklärt habe. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. In Cagliari und seiner Kathedrale war es vor allem die Krypta, die uns fasziniert hat. Dort befinden sich über 170 Reliquien von Märtyrern, quasi das Pannini Sammelalbum der Kirche. Und wir haben eine Inschrift entdeckt, dass eine Tochter von Maria Theresia hier begraben sei.

8. Cagliari – Gelati: Selten so gutes Eis gegessen. Stefino ist wirklich die Adresse, wo man hinsollte!

9. Wein: In Olbia waren wir im „Vino Veritas“ einer kleinen Weinbar, die die besten Winzer der Insel kredenzen. Für mich habe ich dabei folgendes entdeckt: Vermentino, der sardische grüne Veltliner. Beim ersten Mal kosten wußte ich nicht, ob ich ihn mag, oder ob er grausig ist. Vor allem, weil er mich teilweise an Sliwowitz erinnerte. Nieddera ist ein Rosewein und es gibt aus der Traube noch bessere, aber trotzdem hat mich dieser Wein wirklich begeistert. Und Malvasia! Eigentlich kenne ich den Wein nur aus Kroatien, aber die Malvasia Traube ist eine typische südliche Traube, die es auch auf Sardinien gibt.

10. Strände: Es gibt viele Buchten und kleine Strände, wo vielleicht gerade einmal eine Handvoll Leute zu finden sind. Während zum Beispiel in Santa Teresa der Strand mit Badegästen überfüllt war, konnten wir ein paar Kilometer weiter uns in Ruhe ausbreiten und die Wellen geniessen.

Sardinien bietet für jeden etwas und ist auf jeden Fall eine Reise wert gewesen.

#313: Reisebericht – auf dem Weg nach Sardinien

Wenn man mit dem Auto nach Sardinien fährt, dann ergeben sich die unterschiedlichsten Routen und Möglichkeiten, je nachdem, woher man kommt. Im Auto mit 2 Kindern war das Ziel nicht länger als 6 Stunden im Auto zu sitzen, nicht nur weil es anstrengend ist, sondern auch, weil ich es vermeiden wollte, dass hauptsächlich auf iPad und Co gespielt wird. Aber wir waren erfinderisch und haben neben Hauptstädteraten, und wer weiß wirklich auf die schnelle alle Hauptstädte, vor allem, wenn es auch um die baltischen Länder geht und ich habe noch zu Zeiten Hauptstädte gelernt, als es ein Jugoslawien gab, haben wir eine abgewandelte Form von Stadt-Land-Fluss gespielt, wo wir den Fluss durch Superhelden ersetzt haben. Und zu Superhelden zählen natürlich auch Alice (Alice im Wunderland), Pinocchio oder Winnie-the-Puh. Der Jr. hat Harry Potter für sich entdeckt und in den einem Monat mit uns, mit seiner Schwester und auch alleine den ersten Teil gelesen. Sein Ziel war es nämlich den Film anzusehen und das wird nur erlaubt, wenn das Buch gelesen wird.

Das war schon eine großartige Motivation für die Prinzessin, um zu lesen.

Auf dem Weg nach Sardinien waren unserer Stationen, wie folgt: Padua – Maranello – Marina di Pisa – Pisa und Livorno. Was aber nicht bedeutet, dass wir überall uns alle möglichen Sehenswürdigkeiten angesehen haben. Das Ferrari-Museum in Maranello ist jetzt – ehrlich – nicht so besonders. Man sieht ein Auto nach dem anderen. Was mich persönlich aber schon beeindruckt oder nachdenklich gestimmt hat, waren die ganzen F1-Fahrer, wie Niki Lauda oder Michael Schuhmacher. Das waren und sind Menschen, die die Legende Ferrari erst lebendig werden lassen durch ihre Leidenschaft, die an die Grenzen des Menschlichen geht.

Weiter ging es dann nach Marina di Pisa, da wir dort übernachtet haben. In einer kleinen Bungalow-Anlage, wo man auch kochen konnte, hatten wir auch einen Pool. Dieser Pool war das öffentliche Bad der kleinen Ortschaft. Als wir zum Schwimmen gehen wollten, fühlte ich mich augenblicklich in die 1980er Jahre zurückversetzt. Überall waren bunte Badehauben zu sehen, denn ohne Badehauben durfte man nicht ins Wasser. Daher schnell ein paar Badehauben gekauft und ab ins Wasser. Das Schwimmbad schloss um 20 Uhr für die Badegäste, aber war für ortsansässige Pensionisten und willige andere für die Aquagymnastik geöffnet, unter Avici und Guetta radelten und strampelten die Nonnas. Wir haben in der Zwischenzeit unsere erste eigene Pasta al Ragu gegessen. Und als dann wirklich alle weg waren, sind wir nochmals ins Wasser gesprungen, und zwar ohne Badehauben und ganz alleine. Ein Schwimmbad für sich alleine zu haben, vor allem so unter den Bergen und Bäumen der Region Pisa, war schon etwas sehr bezauberndes.

Pisa ist natürlich eine Stadt für Touristen, es gibt ja auch den schiefen Turm und den Piazza dei Miracoli. Da wir aber nicht zu einem Wochenende dort waren, war es auch nicht so schlimm. Und doch gibt es Plätze, wo sich kaum jemand tummelt und man verstehen kann, was Galileo an dieser Stadt wohl liebte. Hier entdeckte Galilei die Schwerkraft und bekräftigte seine Theorien. Camposanto ein wirkliches Highlight und auch das Baptisterium. Der botanische Garten war gerade eher Baustelle als Garten. Natürlich war ich auch am schiefen Turm oben, aber eigentlich nur, weil mein Junior hinaufwollte, der dann nicht durfte (er sei zu jung). Und ich stellte fest zu der damaligen Zeit, als der Turm gebaut wurde, wäre ich wohl ein Riese gewesen.

Zum Abschluss ging es nach Livorno, da auch vor dort unsere Fähre Richtung Sardinien abfahren würde. Livorno ist eine typische Hafenstadt, laut und nicht besonders hübsch, wobei wir definitiv zu kurz dort waren, um es wirklich zu beurteilen. Aber will man richtig gutes Street Food, dann wird man in Livorno wirklich fündig. Eines der besten Panino, natürlich individuell beladen, habe ich dort gegessen. In Livorno werden vor allem fermentierte Gemüsesorten ins Panino gelegt (Kraut, herrlich gewürzt). An Nachmittag geht man ins La Barrocciaia, Piazza Felice Cavallotti, und am Abend ins dortige Restaurant, wo das gekocht wird, was am Tag so vom Meer oder Land hereinkommt.

Am nächsten Tag um 6:30 ging es zum Fährhafen und es war eigentlich schon wirklich viel los. Die Überfahrt selbst ist unspektakulär, ausser man will in einem 2 x 2 Meter Pool auf Deck mit zu vielen anderen Touristen schwimmen. Was ich gelernt habe, nimm dir was warmes zum Anziehen mit, Piombino ist als Fährhafen wesentlich organisierter, es gibt immer jemanden der vergessen hat, wo sein Auto steht (wir waren es nicht), es gibt immer jemanden der NICHT in sein Auto einsteigt, obwohl schon fast alle draussen sind (wir waren das auch nicht).

#312: ich war dann mal weg

Fast ein ganzes Monat war ich jetzt nicht zu Hause, spontan und nicht geplant und es war einfach großartig. Eigentlich waren 2 Wochen und 1 bis 2 Tage davor und danach der Plan im Juli, da wir auf Sardinien ein Haus gebucht hatten und mit dem Auto hinunterfuhren.

Spontan entschieden wir uns doch schon am Dienstag zu fahren, da sowohl Projekte und Jobs schneller abgeschlossen waren bzw. sich nach hinten verschoben haben. Und meine Aufträge kann ich eigentlich sowieso von überall machen, ich brauche nur einen Laptop, Internet und mein Handy, also worauf sollten wir warten? Mehr als einen Koffer und einen Trolly, der ist immer für die ersten Stationen, brauchen wir nicht. Mehr Platz brauchten die Strandmatten, die wir noch von unserem letzten Kroatienurlaub hatten. Die Badetasche mit Tauchbrillen, Schnorcheln, Schauferln und Co war natürlich auch noch dabei. Die beiden Kinder hatten jeweils einen Rucksack mit Spielen, Büchern und elektronischen Zeugs.

Aufgehalten wurden wir nur von einem schweren Unfall in Italien, wo auf der A4 Richtung Venedig ein LKW ausbrannte und uns somit dazu zwang auf die Bundesstrasse mit tausenden anderen auszuweichen. Aber es stresste uns nicht, weil wir ja keinen Stress hatten, wir hatten ja noch nicht einmal eine Unterkunft für die erste Nacht gebucht, da wir noch nicht wußten, wie weit wir fahren wollten. Und alle die mich kennen, wissen ja sowieso, dass ich immer Essen und Trinken für eine ganze Kompanie mitnehmen, da man ja unterwegs verhungern könnte. So aßen wir im Stau unser Gragger Brot mit Beinschinken, Senf und Kren. Fast schon ein bißchen dekadent, wie ich das Brot frisch aufschnitt, aber ich habe einfach unseren Kühlschrank geleert und alles Verwertbare mitgenommen. Da es absehbar war, dass der Stau wirklich alles bis Venedig lahmlegte, habe ich dann ein Hotel bei Padua gebucht und wir haben dort unsere erste Nacht verbracht.

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Maranello und ins Ferrari Museum. Was soll ich dazu sagen, Autos und Autos und Autos und wahrscheinlich eine Philosophie, die sich für mich einfach nicht erschließt. Aber den Kindern (groß und klein) hat es gefallen. Wir sind dann weiter Richtung Pisa und haben bei Marina die Pisa in einer kleinen Bungalow-Anlage ein Haus gebucht. Und so ging es weiter, Tag für Tag bis wir auf Sardinien waren.

Dort zwei Wochen zwischen Haus, Strand und Städten die Insel erkundet. Eine wunderschöne Insel, aber mir persönlich schon fast zu schön. Ich würde es als „posh“ beschreiben. Das Interessante war, dass sowohl der Jr. als auch die Prinzessin der gleichen Meinung waren, indem ihnen Sizilien viel besser gefallen hat. Wir waren letztes Jahr im Februar auf Sizilien, also definitiv nichts mit Strand, Meer und schwimmen, aber trotzdem waren sie sich dessen sicher, Sizilien gefällt ihnen besser. Ich werde in den nächsten Tagen meine persönlichen Highlights von unserer Italien-Reise zusammenfassen, wie zum Beispiel, wo es das beste Street Food in Livorno gibt oder was Olbia zu bieten hat, wo man essen gehen soll, wenn man in Pomerance vorbei kommt.

Pomerance liegt übrigens in der Toskana und war dann nach Sardinien unser Ziel, wobei genauer gesagt in San Dalmazio, wo wir in einem umgebauten Kloster übernachtet haben. Beim Wirten vor Ort trinkt man nicht nur seinen Frühstückskaffee, man kauft auch seine notwendigsten Lebensmittel ein und ißt dort zu Abend. Und weil wir nach 3 Tagen dann doch noch nicht nach Hause wollten, fuhren wir einmal querfeldein durch die Chianti-Region und schlugen in Arezzo auf. Eine Stadt, die mich und auch den Jr wirklich begeistert hat. Und so wurden aus 2 Wochen und ein bisl was, dann 3 Wochen und ein bißchen mehr. Die Eindrücke waren so vielfältig, beeindruckend und entschleunigend. Ich bin so entspannt, wie selten aus einem Urlaub zurückgekommen. Der einzige Stress, den ich zu Hause wirklich hatte, war der, dass ich keinen guten Kaffee mehr trinken konnte.

Ein Problem, welches mittlerweile gelöst ist, jedoch dazu führte, dass die Küche jetzt um die Kaffeemaschine umgebaut werden muss. Aber das ist ein anderes Thema.

#302: wie die Zeit vergeht

Und schon ist es wieder Frühling und alles verändert sich. Über Ostern waren wir in London und als wir abends zurück ins Hotel kommen, sitzt neben unserer Türe eine alte Dame mit 2 Taschen am Boden. Der Rücken gekrümmt und die Schultern nach vorne hängend, musste ich sie fragen, ob den alles in Ordnung sei und ob ich ihr helfen kann. Mit sehr leiser Stimme wies sie auf die Türe hin und meinte, dass sie es nicht schaffen würde, diese zu öffnen. Die Dame hatte einfach bei der falschen Türe versucht hineinzukommen, also nahm ich ihre Taschen und wir gingen zu dem Zimmer, dass sie eigentlich bewohnen sollte. Trotz ihres langen und dicken Daunenmantel merkte ich, wie zerbrechlich und unsicher sie war. In ihrem Zimmer half ich ihr aus dem Mantel und stellte die Taschen ab. Sie stand in der Mitte des Raumes und sah das große Bett an. Sie war müde, so sehr müde und doch stand sie jetzt mitten im Raum und wußte nicht, was sie zuerst tun sollte. Ihre Unsicherheit traf mich, und nochmals fragte ich sie, ob mit ihr alles in Ordnung wäre. Und auf einmal fing sie an zu weinen und erzählte mir wie traurig sie sich fühlt.

Ihr Mann ist schon vor längerer Zeit verstorben und sie ist alleine in einer Kleinstadt, wo sie sich nicht wohl fühlt. Sie musste von dort fort, hat den Neid und die Missgunst gespürt und gehört. Und glaubt ausgeschlossen zu sein. Sie erzählte mir von einem Haus und von Land und von dem Wegwollen. Als mein Telefon läutete, straffte sie ihre Schultern und sie bedankte sich formvollendet, als ob sie sich ihrer Schwäche auf einmal bewusst geworden wäre. Ich war entlassen.

Und trotzdem am nächsten Morgen musste ich an die alte Dame denken und wollte nur kurz nachsehen, ob auch wirklich alles in Ordnung war. Vielleicht war es nur ein Gefühlsausbruch und alles schon wieder so, wie es sein sollte. Ich ging nach dem Frühstück zu dem Zimmer und vor der Türe in der Ecke stand sie mit dem viel zu großen und dicken schwarzen Daunenmantel. In der Ecke, wie ein Kind, dass etwas angestellt hatte und vor lautern Scham sich nicht bewegen wollte. Behutsam sagte ich guten Morgen und ich fragte mich, ob sie schon seit letzter Nacht vielleicht vor der Türe stand. Als sie mich sah, löste sie sich von ihrer Ecke und bat mich um Hilfe. Sie brauchte mehr als nur in ihr Zimmer wieder zu kommen, sie musste mit jemanden reden. Also hörte ich zu. Einerseits wirr und andererseits klar formulierte sie, wonach sie suchte. Ich konnte sie überzeugen, dass wir zur Rezeption gehen sollten, um Hilfe zu holen. Händchenhaltend gingen wir hinunter. Ich spürte ihren festen Griff, der Halt suchte.

Die Damen an der Rezeption (PremierInn St. Pancrass) waren wunderbar und einfühlsam und nachdem Eine von Ihnen französisch mit ihr sprach, schöpfte sie Vertrauen. Wie ich später erfuhr, hat sie ihre Medikamente vergessen einzunehmen, wodurch sich ihre Verwirrung verstärkt hat. Zeit schien für die Frau ein dehnbarer Begriff und Moment geworden zu sein.

Alter ist nicht nur Zeit, die vergeht. Sie nagt auch an uns. Aber es sind auch die Menschen rund um uns herum, die einem die Hand geben, um uns zu halten, die uns mit festen Schritten begleiten. Ich versuche heute so ein Mensch zu sein, und es wäre eine Lüge zu sagen, dass ich es immer schaffe und bin, aber ich versuche es, und ich hoffe darauf, dass ich eine Hand finde, wenn ich sie brauche.

#276: Reisebericht: Kroatien

Jetzt war ich heuer erstmals so richtig in Kroatien urlauben. Eigentlich fast unglaublich, vor allem, wenn man meinem familiären Background kennt oder weiß, dass ich beruflich am Balkan tätig war. Aber heuer war es dann so weit und unsere erste Station war die Insel Rab, da eine liebe Freundin dort ihr Zweitdomizil hat. Was mich sehr überrascht hat, war die relativ schnelle und unkomplizierte Anreise. Da ich relativ viel auf den Balkan fahre (früher beruflich, heute privat) versuche ich immer anti-zyklisch zu fahren und somit konnten wir Rab in guten 6 Stunden 20 erreichen. Auch Pula in Istrien über Koper sind wir anti-zyklisch angefahren (Fr – Do) und waren in ein bisschen über 6 Stunden dort.

Rab ist eine wunderschöne Insel, wenn man von der Fähre auf die Insel fährt, hat man den Eindruck in der Filmkulisse eines Western gelandet zu sein, da die Landschaft sehr karg wirkt. Wobei dieser Eindruck trügt, fährt man ins Innere sind vor allem die Buchten mit wunderschönen Pinienwäldern begrünt. Was uns besonders gut gefallen hat, war die Möglichkeit mit einem Wassertaxi von der Stadt Rab aus zum Frnjak (wenn ich es richtig im Kopf noch habe) zu fahren. Eine kleine Bucht mit viel Schatten und wenig Menschen (zumindest Mitte Juli) und einem traumhaften Meer. Die Badeschlapfen, die ich meinen zwei Kindern gekauft habe, wurden nur von der Prinzessin getragen. Seinem Motto treubleibend „was mich nicht zerstört, macht mich härter“ hat der Bub von jeglicher Fussbekleidung abgesehen (auch später in Istrien). Ich bin zwar mit meinen Flip Flops am Steinstrand herumgelaufen, aber ins Meer ging es dann auch ohne, weil weder die Steine so spitz waren noch die Seeigeln – vor denen man uns gewarnt hat – auffindbar waren. Ich habe selten so ein schönes türkisblaues und sauberes Meer gesehen.

Wobei in Medulin 3 Wochen später in Istrien war nichts mehr von einem türkisblauen Meer erkennbar, was wohl an dem Sandstrand liegt, der elendiglich lange auch ins Meer führt. Das Schwimmen und Schnorcheln ist dort nur bedingt lustig. Außerdem sind wir dort wie die Sardinen Liege an Liege gelegen und das für stolze 18 Euro.
Und wenn wir schon bei den Stränden sind in Pula waren wir auf Verudela und Premantura (einem Naturschutzgebiet). Verudela war ähnlich Medulin ziemlich überlaufen und selbst die Steinplatten mit Handtüchern und Matten übersät. Dafür schon ein schöneres Wasser, wahrscheinlich hätte man noch tiefer hinein gehen sollen, zumindest war das unser Eindruck beim Spaziergang.

Premantura ist ein wunderschönes Naturschutzgebiet, welches so groß ist, dass sich die Menschenmassen einfach verlaufen und man wirklich Fleckchen finden kann, die man in aller Ruhe belegen kann (falls nicht Nudisten kommen, die nackt rülpsend und furzend neben einem Snacken wollen). Ich war mit meiner Prinzessin Tandem-Kajak fahren, eine anstrengende aber lohnende Erfahrung. Wir haben die Fußspuren der Dinos entdeckt (mehr mein Jr. als ich). Und viel zu wenig dieses Gebiet erkundet.

Was man für den Strand braucht? Matten, die so aussehen wie die Sitzauflagen der Altherren- und Damen Liegestühle und am besten kauft man sie im hiesigen Supermarkt. Weil an den Standerln auf den Ständen zahlt man das doppelte mehr! Wir hatten unsere Ikea Soft-Kühltasche mit, da wir im Apartment immer die Kühlakkus frieren konnten und somit waren wir immer mit kalten Wasser und auch mal Prosecco ausgestattet. Es war so heiß, dass wir uns hauptsächlich von Wassermelonen, Gurken, Brot oder Burek ernährt haben.

Essen … und Trinken. In Rab gibt es in der Altstadt gute Restaurants und in Barbat geht man gerne zum Franjo. Aber wirklich glücklich bezüglich Essen bin ich in Pula geworden. Besten Cevapcici: Kod Kadre, sie schmecken wie bei meiner Baba mit dem richtigen Brot und viel Zwiebeln. Bester Fisch: Salt&Pepper in Medulin, welche auf dem Kohlegriller frisch gegrillt werden. Eine Fischplatte für Zwei, daran würden alle Damen meiner Mädelsrunde essen können und nicht hungrig heimgehen. Bestes Fleisch: Konoba (Art Heuriger) Medeja. Eine junge Frau, die dieses Lokal betreibt mit hochwertigsten Zutaten und prämierten Olivenöl.

Alles in Allem ein gelungener Einstieg für uns Kroatien-Neulinge.

#258: Reisebericht: St. Martins Therme

Ich war dieses Wochenende in der St. Martins Therme im Burgenland. Dazu muss ich sagen, dass ich erst zwei Mal (mit diesem Wochenende) in einer Therme auf Urlaub war. Das liegt wohl auch daran, dass ich eigentlich jetzt nicht so der Saunageher bin und auch nicht der Massagentyp, mir gibt das recht wenig. Das einzige was ich wohl durchgehend ausprobieren könnte, wären Beautytreatments.

ABER es war großartig! Nicht nur, dass meine Kinder im fernen Wien (in einer Stunde ist man in Frauenkirchen) weilten und im hoteleigenen SeeSpa keine Kinder erlaubt sind, so verbrachte ich diese Tage mit einzigartigen Frauen, die so unterschiedlich sie sind, einander Raum lassen, zuhören, miteinander lachen können, aber auch für einander da sind, wenn es ans Eingemachte geht. Ich war das erste Mal dabei, aber so fühlte es sich nicht an. Wir haben mehr als einmal festgestellt, wie dankbar wir sind und sein können für das was wir haben, wer wir sind und welche Möglichkeiten wir heute haben!

Daher haben uns so Kleinigkeiten wie die Esel, die uns ab den frühen Morgenstunden mit ihrem hysterischen IAhs geweckt haben, nicht aus der Ruhe gebracht.

Beeindruckt hat uns alle vor allem das hervorragende Service in der St. Martins Therme. Gleich in welchem Bereich wir uns aufgehalten haben oder welche Fragen bzw. Wünsche wir äußerten, es wurde möglich gemacht. Und zwar weder mit übertriebener Freundlichkeit, sondern vielmehr mit einer Herzlichkeit und Selbstverständlichkeit, die man heute vielerorts vermisst. Daher kann ich einen Aufenthalt in der St. Martins Therme mehr als nur empfehlen und am besten mit Menschen, die einem gut tun, mit einem lachen, weinen … Yoga machen, Prosecco trinken, mitsingen mit dem Gitarrenspieler, kollektives Schlafen im Wellnessbereich, sich Suppen teilen …

#253: Wozu Baustellen wirklich dienen!

Selbst in Wien lerne ich noch etwas über Sizilien. Als ich letztens mit einem Fast-Italiener (angeheiratet) gesprochen habe und von meinen aufregenden Baustellenerlebnissen berichtete, fragte mich S., ob ich wissen würde, warum es so viele Baustellen auf Sizilien gibt?

Meine Antwort war eindeutig naiv und auf das bezogen, wozu man Baustellen benötigt, und zwar um etwas zu bauen. Aber weit gefehlt, laut S. (der durch die italienische Familie den Süden sehr gut kennt) gehören viele Baustellen der Mafia, die kein Interesse daran haben diese Baustellen zu schliessen, da angeblich diese sehr hilfreich sein können, wenn man eben etwas zu entsorgen hat und das kann schon einmal vorkommen.

Man lernt doch nie aus …

#251: Wieder retour?

Jetzt bin ich ein paar Tage wieder in Wien und ich bin zwar schon wieder fleissig in meinem Alltag integriert und doch bin ich noch nicht zur Gänze angekommen. Es gibt so einiges, wo ich merke, dass ich noch nicht ganz da bin. Manchmal ist mir meine Wohnung einfach zu groß, da steht so viel herum und ich laufe so viele Schritte um doch nur eine Kleinigkeit zu erledigen. Oder ich mag gar nicht in den Supermarkt einkaufen gehen, weil ich das Obst und Gemüse dort sehe und keine Lust darauf habe und leider unsere nächste Gärtnerei Ganger erst im Frühling wieder öffnet. Und ich mag den Winter auch nicht mehr.
Auch das mit dem Fernsehen ist so eine Sache, ich habe ihn bis auf heute nicht mal eingeschaltet.

Ich gehe davon aus, dass es teilweise vorübergehende Anwandlungen sind, vor allem das mit dem Fernsehen. Oder der zur großen Wohnung, weil an vieles gewöhnt man sich einfach wieder schnell. Was ich jedoch gerne beibehalten möchte, ich will frisches Obst und Gemüse, aber auch andere Lebensmittel verstärkt beim Nahversorger kaufen. Es ist ein gutes Gefühl, nicht nur wegen der Nachhaltigkeit, sondern auch, weil es mir und uns anders schmeckt. Sogar mein Obst- und Gemüseverweigernder Bub hat einmal Karotten probiert und war zumindest an den Erdbeeren interessiert.

Da es aber genug zu tun gibt, noch weitere wissenschaftliche Arbeiten schreiben, mein Semesterprogramm vorbereiten und ein Projekt evaluieren, wird mir nicht langweilig werden und alles wird wieder seinen gewohnt chaotischen Gang gehen. Und was aber das Großartigste ist, wieder die Menschen um mich zu haben, die mich lieben und schätzen, wie ich bin.