#186: Vor-urteile

„Wer seine Vor-urteile revidieren kann, hat keine.“ Gadamer würde dem zustimmen. Wir können Vor-urteile nicht überspringen, aber wir können daran und damit arbeiten. Vor-urteile sind nicht nur negativ besetzt, sondern einige Philosophen sehen darin gerade die Möglichkeit unsere eigenen Horizonte zu erweitern. Sie sind es, die uns enttäuschen, weil wir oftmals viel zu wenig wissen.

Wobei unsere Gesellschaft heute mehr den je weiß und sich mit der Geschichte auseinandersetzt. Denken wir an Sport, vor hunderten Jahren haben sich Gesellschaften nicht mit Sport beschäftigt, es gab weder das Körperbewusstsein, das Wissen darüber, noch die Möglichkeiten (bis auf die Griechen, die da etwas „fortschrittlicher“ waren). Und heute? Selbst die Wirtschaft übernimmt Termini und Prozesse aus dem Sport oder die Politik, die vom Fairplay sprechen.

Somit sollte man sich durchaus mal auf Vor-urteile einlassen, und sei es nur um sich selbst zu bestätigen, zu lernen und eben diesen einen nächsten Schritt weiterzugehen.

#185: Kriterium für Meinung und Wahrheit

Scheint schon immer ein diskussionswürdiger Punkt gewesen zu sein, die Antike unterscheidet in Philosphie und Sophistik, wobei sich die Sophistik der Meinung bedient, um Wahrheit zu definieren. Zumindest war schon Platon der Meinung, dass nur die Philosophie zur Wahrheit führen kann und die Sophisten sowieso nur böse und falsch liegen. Somit kann auch hinterfragt werden, wie die Beziehung zwischen Politik und Philosophie zu verstehen ist (Härle versucht hier das Feld zu öffnen). Ist es eine zufällige Begegnung? Welchen Rahmen kann das Eine dem anderen bieten? Oder ist es für die Alltäglichkeit mehr hinderlich?

Was kann das Denken für die Politik tun, vor allem in Zeiten wo Informationen in einer Geschwindigkeit transportiert werden, die nur einen Klick von uns entfernt sind. Aber vielleicht es so auch einfacher für uns Menschen, da Meinungen eine verkürzte Form von Denken darstellen könnten.

#184: lang, lang ist es her

Ich weiß, dass ich jetzt lange nichts mehr geschrieben habe. Dabei habe ich so vieles im Kopf dazu, aber ein Todesfall, 2 Gipsfüße (gleiches Kind, gleicher Fuß), studieren, arbeiten und einfach das Laben haben dazu geführt, dass ich mir nicht die Zeit genommen habe.

Weil natürlich hat man immer irgendwo Zeit, aber ich wollte nicht. Weder beabsichtigt noch bewusst, sondern habe es einfach nicht getan. Das passiert nun mal und darf auch passieren. Weil sonst würden wir uns ständig fertig machen, was wir jetzt schon wieder nicht alles gemacht haben. Und ganz ehrlich wie oft haben wir Schuldgefühle, weil die Kinder zu kurz, der Job zu lang, aber das eine Projekt vergessen, die Wohnung zu wenig, die Freunde oh mein Gott und man selbst … – darüber wollen wir erst gar nicht anfangen.

Beim Aufschieben gibt es laut Psychologie die Erregungsaufschieber oder Vermeidungs- bzw. Verdrängungsaufschieber. Ich gehöre definitiv zu den Ersteren. Man gebe mir eine Deadline und ich beginne erst kurz zuvor meine Arbeiten zu tun. Und obwohl ich nach über 30 Jahren (Schulzeit, Studienzeit, Arbeitszeit, Kinderzeit …) weiß, dass es doch sinnvoller wäre, gleich meine Arbeit zu erledigen, so tue ich es nicht. Wie zuletzt, als ich in der Nacht vor der Abgabe einer Lektüreaufgabe meinen Aufsatz geschrieben habe. Aber Hauptsache ich sage zu meiner Tochter in einem sich wiederholenden Mantra: „Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen.“ Und wie schon mein Vater an mir gescheitert ist, erfahre ich jetzt, wie das ist, wenn man sich selbst sieht in einer kleineren und jüngeren Version seiner selbst.

#176: Was ist Philosophie

Was heißt es wirklich zu verstehen? Was bedeuten Begriffe und wie können wir uns die Welt vorstellen in der wir uns bewegen. In dem kommenden Semester tauche ich genau in diese Fragestellung ein, die sich Deleuze gestellt hat. Deleuze hat sich selbst als naivsten Philosophen bezeichnet und dieser Gedanke gefällt mir ungemein. Das passt auch zu dem Aushang am Institut für Philosophie, wo ein Philosophieren mit Kindern angekündigt wird.

Wir (und ich meine da nicht mich, sondern all‘ die klugen tot wie lebenden Köpfe da draussen) sind selbst bis heute noch zu keiner einzigen gemeinsamen Lösung bei philosophischen Problemfragen angelangt, somit zeichnet sich auch in dem jetzigen Semester ab, dass ich mich dem Thema in einer Kreisbewegung annähern kann, nur ob die mich wirklich näher bringt, dass kann ich nicht beantworten. Aber ich versuche es eben mit einer gewissen Naivität eines Kindes zu betrachten und darauf freue ich mich.

Psychologie mal anders: Lernen lernen

Wenn ich über das Lernen lerne, dann lerne ich viel über theoretische Zugänge. Kann Methoden nachvollziehen, Forschungsergebnisse anerkennen, und mit großer Wahrscheinlichkeit auch feststellen, dass manche dieser abstrakten theoretischen Bezeichnungen auch in der Realität funktionieren. Beim Lernen sprechen die Psychologen von Bestrafungsreizen um eine unerwünschte Reaktion zu vermeiden. Es gibt hier die positive Bestrafung (1. Art) und negative Bestrafung (2. Art).
Und wir alle waren schon Opfer und ausführendes Organ! Du darfst nicht fernsehen, weil … Du hast Hausarrest. Dein Handy wird eingezogen. Du bekommst nichts Süßes heute … Das alles ist die negative Bestrafung, weil etwas Angenehmes genommen wird. Das ist ja sogar noch logisch!
Aber lernen wir tatsächlich daraus?

Psychologie mal anders: Betrachtungsweisen

Kann man sich heute in der Betrachtung von Fachgebieten mit nur einer Perspektive auseinandersetzen, um ausständige Fragen, Hypothesen zu erklären und zu beantworten?! Sieht man sich die Basislager der Psychologie an, so würde ich dies verneinen. Der Funktionalismus sieht das Bewusstsein als zentralen Ausgangspunkt. Die behavioristische Perspektive, die die Psychologie, wie wir sie heute vor allem kennen, zementierte, will wissen, wie Umwelteinflüsse das Verhalten kontrolliert. Die Psychodynamik mit ihren inneren Kräften und deren Wirkung auf das Verhalten brachte Österreich und Freud einen „un“zweifelhaften Ruf ein.
Eine konfliktreichere Auseinandersetzung gibt es mit der evolutionären Perspektive nach Darwin, die altbekannte Anlage-Umwelt-Thematik findet sich auch in der biologischen Theorie, die alles Verhalten und deren Funktionsweisen auf Gehe, Gehirn und Nervensysteme reduziert. Als Gegenpol kann hier durchaus die humanistische Sichtweise dargestellt werden, wo es um die Freiheit der Wahl geht und uns Menschen als aktive Geschöpfe sieht.
Durch das aktive Auseinandersetzen mit den unterschiedlichsten Bereichen, müssen wir heute nicht mehr in „gut-schlecht“ oder „schwarz-weiß“ Kategorien unterteilen und auch wenn wir Ansätze ablehnen, sollten wir versuchen über den Tellerrand zu blicken und wahrzunehmen, dass es immer neue Ideen und Möglichkeiten gibt, die bisher noch „unbedacht“ blieben. Vielleicht ein bisschen, wie die kulturvergleichende Perspektive, die vor allem den Fokus auf unsere westliche Sichtweise kritisiert und interkulturelle Unterschiede untersucht.