#52: Bilder im Kopf

Was wenn die eigene Nichte über das Kind ihrer Tante sagt:“Ich würde mir Sorgen machen, ob das Kind nicht gestört ist, aber er gehört ja zur Familie.“ Erschütternd, weil es herabwürdigend ist und zeigt, dass es einfacher ist gegenüber Dritten seine Bedenken zu äußern, als direkt diese anzusprechen.

Warum schaffen es viele Menschen nicht Auffälligkeiten bei Kindern anzusprechen, gerade in der Familie? Zu einem Zeitpunkt, wo noch Gegenmaßnahmen gesetzt werden können. Natürlich wollen wir niemanden verletzen, und wer weiß, vielleicht wächst es sich noch aus. Aber was wenn nicht?

Bilder sind gute Hinweise und können oft Aufschluss über den Gemütszustand von Kindern geben. Wie lachen die Menschen? Wie genau sind sie gemalt? Welche Farben werden verwendet? Wo stehen wichtige Personen?

Durch meine Ausbildung hatte ich die Möglichkeit bei der Begabungsaustestung von Kindern dabei zu sein, sie mussten sich selbst ausmalen und ein Mädchen hat ihren rechten Fuss in grün ausgemalt, weil sie eben manchmal wütend ist und dann mit den Fuss aufstampft und einen Farbtupfer blau gab es auch, da sie sich manchmal auch traurig ist, weil nur glücklich ist kein Mensch. Es war faszinierend und beeindruckend zu sehen, was Farben auslösen können.

Bei einem anderen Kind (damals 7) kenne ich wiederum ein Bild, dass er im Büro der Eltern gemalt hat, grob und alles in rot mit Strichfiguren als Menschen und traurigen Augen und wütenden Mündern. Vor allem das Kind im Bild stand zwischen den Erwachsenen.

Natürlich müssen nicht alle Bilder etwas bedeuten, und manchmal entstehen sie aus einer Stimmung heraus, aber ich denke trotzdem, dass wir als Erwachsene und Eltern viel sensibler mit Warnzeichen umgehen müssen und sollten. Wir laufen in Gefahr Quantität an Möglichkeiten für unsere Kinder mit Qualität an Zeit zu verwechseln.

#46: Mini-me

Es ist schon spannend, wenn man in seinen Kindern Spiegelbilder seiner selbst wiedererkennt. Meistens fallen einem vor allem die eigenen nicht so beliebten Eigenschaften auf. Noch herausfordernder ist es jedoch, wenn es eine Eigenschaft ist, die einem selbst schon mehr als einmal im Leben im Weg gestanden ist.

Also was tun? Kämpfen und vor allem gegeneinander? Da es sich um Züge handelt, die einem selbst Weg stehen, handelt man dann irrational bzw. in seinem altbekannten Muster.

Mein Sohn ist stur und ich erkläre ihm dann, glaub mir, ich kann sturer sein. Innerlich schmunzle ich, und sehe mich in ihm, und sehe dann, wie er abschätzt, was jetzt wie und wie weit geht. Und meine Tochter beginnt eine Sache, springt zur Nächsten, und lässt dann alles rund um sich liegen, und einerseits verstehe ich es und andererseits wünsche ich mir, dass sie es einfacher hat. Also können Kinder von Ihren Eltern lernen? Oder sind Charaktereigenschaften so determiniert, dass es keinen Ausweg aus dem Spiegelbild gibt?

#35: Hochbegabung

Über Hochbegabung spricht man nicht, dass ist wie ein Stigmata, so empfinde ich es zumindest, weil viele Eltern einem den Stempel aufdrücken, dass man sein Kind auf ein höheres Podest stellt und man sowieso glaubt, somit etwas besseres zu sein.

Ich sehe es aber vielmehr so, dass indem man diesem Anderssein einen Namen gibt, es einfacher wird, dieses Anderssein zu akzeptieren und zu verstehen. Und um Verstehen geht es doch, jedes Kind – egal ob mit welchen Wesenszügen und Eigenschaften – benötigt Respekt, Verständnis und ein Da-sein. Und mit dem Wissen um die Bedürfnisse des Kindes kann ich als Elternteil versuchen richtig zu reagieren. Und ob es dann schlussendlich richtig war, sehe ich sowieso erst wenn mein Kind erwachsen ist.

#34: Groß werden

Die Veränderung eines Kindes im groß werden, erkennt man nicht nur an Körpergröße und -gewicht, sondern vielmehr an der Änderung des Blickwinkels und in der Wahrnehmung, welches das Kind von sich hat. Meine Tochter ist jetzt 9 Jahre und noch ein Kind und trotzdem erkenne ich, wie sie die Welt und sich selbst beginnt anders wahrzunehmen und das obwohl die körperliche Veränderung wahrscheinlich noch lange nicht einsetzt.

Und wenn ich die Erzählungen von Freundinnen höre, die in das Zimmer ihres Sohnes kommen (der am Beginn der Pubertät stehen) und ihn erleben, wie er unter der Decke „handwerkt“, dann habe ich ein flaues Gefühl im Magen, den aus unseren Kindern werden junge Erwachsene, die ich doch erst gestern noch in den Armen gehalten habe und wo die schlimmsten Probleme darin lagen, ob die Batman Unterhose gewaschen ist, oder ob die Bügelperlen-Bilder gebügelt worden sind.

Und durch diese Veränderung, die auf einmal da war, ohne Vorwarnung – ist echt nicht fair – wird mir klar, dass ich nichts aufhalten kann, nicht einmal hinauszögern.

#15: Ich will auch

Heute war ich mit meiner Tochter beim Kinderarzt natürlich rundherum Kranke Kinder, vor allem im Kleinkindalter, die entweder sich sich gar nicht bewegten oder brav am Tisch spielten und dann auch noch entzückende Laute von sich gaben. Dann kam auch noch ein knapp 2jähriger Bursche hinein, der sich einen Sessel schnappte um sich zu dem Mädchen zu setzen, dass Steine stapelte. Nicht nur, dass er ihr zusah und mitgluckste, nein der gab ihr auch noch Steine und half … In dem Moment tauschte ich vor meinem geistigen Auge dieses Kind mit meinem Sohn aus und sah schon die Steine fliegen, in seiner unverwechselbaren Art sich zu platzieren um zu sehen, ob und wer sich im entgegenstellt. Ich würde Schweißperlen auf der Stirn haben und versuchen zu verhindern, dass er in seiner charmanten Art alles an sich reißt und wenn er es nicht haben kann auch notwendigerweise zerstört. …
Beim Aufrufen unseres Namens, denke ich nur:“Scheisse, ich will auch …“

#14: Was ist Weihnachten?

Heute haben wir für nur eine gute halbe Stunde uns zusammengesetzt und mit den Kleinsten die erste Kerze am Adventkranz angezunden. Wir lasen eine Geschichte darüber was Weihnachten ist, da ein Kind dem Christkind einen Brief eben mit dieser Frage schickte. Schön war, dass die kleinen Burschen die Geschichte mitkommentiert hatten, was eben so zu Weihnachten gehört, der Brief, die Kekse, die Kerzen, der Duft und das Singen als auch der Schnee. Mit drei sind die Geschenke noch nebensächlich, es geht um die Aufregung, das Freuen über jeden Tag, dass was wir viel zu oft vergessen.

#8: Typologien

Mea Culpa – ich bin heute ganz böse von einer Freundin auf das Mütterbild angesprochen worden, weil sie sagt, dass sie sich durchaus auch in der bio-ichbinganzmama-Typologie wiederfindet, zumindest ab und an, und eigentlich ist sie ja auch cool, oder nicht?!? Muttersein und aber auch noch Frau, coole Freundin, … ist nicht immer einfach im realen Leben unterzubringen. Ich denke, dass wir aber zu oft vergessen an uns zu denken, an die Person, die wir sind und nicht, daran was Gesellschaftsschichten (Bobos, Bios, Dinks, Emus, … ) von uns erwarten zu sein. Und ich kenne die Mütter, die alles um sich herum vergessen und nur mehr Ihre Kinder im Zentrum des Geschehens wahrnehmen, und diesen Müttern diametral gegenüber stehen dann Mütter, die ihre Kinder als Notwendigkeit sehen, wenig Zuneigung schenken, sie drillen, weil das Kind doch bitte ihrem Niveau (?) entsprechen sollte. So kenne ich einen damals 4 jährigen, der zwar alle lateinischen Begriffe von Fischen kannte, aber eine Umarmung nur vom Zusehen aus der Ferne. Es sind die Extremen, die immer polarisieren, und natürlich mag ich meine coole bio-caring-Mama immer noch sehr.

#7: Kinderturnen

9 Jahre Muttersein hat es gebraucht, bis ich auch bei einem Kinderturnen vorstellig werden durfte. Und ganz ehrlich, ich weiß jetzt auch warum es mich so gesträubt hat. Und ja ich scheine diese Mutter zu sein, die an einem sozialen Austausch recht wenig interessiert ist. Wobei ganz so ist es nicht, meine Tochter geht seit Jahren in Ballett – und ich Kaffeetrinken oder einkaufen. Unsere Treffen mit zuerst Kleinkindern begann mit einem herrlichen Frühstück mit Prosecco und endete im Kinderalter mit Olivenbrot, Antipasti, Kuchen und Prosecco.

Aber auf das hier hat mich keiner vorbereitet, Mütter und Väter, die ausschließlich über Bio-Kindernahrung, dem Talent ihrer Kinder sich unterhalten und wie Familienunfreundlich unsere Gesellschaft ist, weil beim Kinderturnen, die Eltern mit Nachwuchsbegleitung nicht im Turnsaal sich befinden dürfen. Natürlich wird mein ernster Ton gegebüber meinem Sohn sträflichst mit strengen Blick bestraft, nachdem ich ihm sage, dass es ein Kinderturnen für Kinder ist, und ich einen Teufel tue, um hineinzugehen.

Jetzt dauert es noch 15 Minuten, mein Sohn ist seitdem beim Klettern, Schaukeln und Toben und indem ich hier tippe und tippe ignoriere ich fragende Blicke, um meine Meinung zu diesen und ähnlichen Themen abzugeben. Aber Gott sei es gedankt, haben diese Eltern Zuspruch, nicht zuletzt durch die eigenen Kinder, die alle gefühlten 5 Minuten kommen, um zu trinken, Pipi zu gehen und was weiß ich noch …

#4:Kinder und deren heile Welt

Eltern beeinflussen ihre Kinder, das ist auch ganz natürlich und verständlich. Wo mein Verständnis endet ist, wenn Kinder in Themen hineingezogen werden, die nicht ihre sind. Dann kann gar nichts anderes passieren, als dass sich die Kinder auf die Seite der eigenen Eltern schlagen müssen, vollkommen unreflektiert und in einer oft unangemessenen Weise. Was unangemessen ist? Wenn ein Mädchen zu seiner Mutter läuft und vollkommen verstört erklärt, dass der T sie umbringen möchte, weil sie einen Vater hat, der böse ist. Einen Vater, der eigentlich von Ts Vater umgebracht werden könnte, … Wie erklärt man dann diesem Mädchen, dass es sich keine Sorgen machen soll, dass dieser Konflikt einer der Erwachsenen ist, dass es auch der T nicht richtig versteht, weil eben der Erwachsene es nicht schafft seine Unzulänglichkeiten und wirren Gedanken bei sich zu behalten. Es ist ein Versuch die Welt des Kindes zu retten und nicht zu früh erwachsen werden zu lassen. Es ist schwierig, weil Kinder sensibilisiert sind und Augen und Ohren dann umso wachsamer werden. Aber es ist die Umwelt und das Umfeld der Kinder, die dann genau das Richtige tun können. Zuhören, Ablenken, Erklären und einfach da sein, und nur dann ist die Welt ein bisschen heiler, als sie vor ein paar Minuten noch war.