#352: Rosen erblühen in Malaga

Olé

Schon länger habe ich vor mich von meinem Vater auch schriftlich zu verabschieden und als ich letztens dieses Lied im Radio gehört habe, nahm ich Cindy und Bert zum Anlass meinen Erinnerungen Platz zu geben.

Überhaupt scheint es, dass mein Unterbewußtsein all‘ diesen alten Texte hervorgrabt, vor allem wenn es so scheint, als ob ich vom deutschen Schlager der 60er und 70er Jahre verfolgt würde. Psychologisch gesehen ist es einfach, mein Gehirn ist selektiv und nutzt die Möglichkeiten – im Auto switche ich immer wieder zu Radio Burgenland (!) und NÖ – die sich ihm bieten.

Memories of Heidelberg sind Memories of you und von dieser schönen Zeit, da träum ich immerzu. Mein Vater war leidenschaftlich, wenn es um Musik ging. Am Sonntag hörte er liebend gerne Marschmusik im Radio und wenn ich heute in der Stadt unterwegs bin und es der Zufall will, dass auch eine Marschkapelle spielt, bleibe ich stehen und höre zu.

Mein Vater hat es mir ermöglicht eine Breite an Musik kennenzulernen, die bei Glen Miller beginnt und nie zu Ende geht. Ich habe jetzt überlegt, wo ich ein Ende setzen wollte, sollte oder könnte, aber es gibt keines. Im Geiste gehe ich all‘ die hunderten Single Platte durch, die ich von ihm habe und auch dort ist alles wild durcheinander.

Er hatte immer erzählt, dass ich schon in der Krippe nur bei Musik aktiv geworden bin und vor allem La Paloma Blanca eines meiner Lieblingslieder war. Ich habe auch lange vorher getanzt bevor ich einen Schritt gegangen bin.

Väter sollten Helden sein und in diesem Fall war mein Vater mein MC Held.

Das er nicht überall ein Held war, ist einfach oft dem Leben geschuldet und vor allem außerhalb unserer (und ich meine die meines Bruders oder meiner) Reichweite und Möglichkeiten. Man liebt deswegen nicht weniger. Und die Traurigkeit manifestiert sich in Kleinigkeiten der Erinnerungen an meinen Papa. Und es sind diese Erinnerungen an denen ich auch festhalten mag. Schöne, lustige und absurde Erinnerungen, die einem ein inneres Lächeln geben.

Eine solche absurde Erinnerung steht jetzt auch in meinem Wohnzimmer. Ich habe es nicht über das Herz gebracht die Westminster Tischuhr wegzugeben. Schon meine Großmutter hatte so eine Uhr bei sich in der Wohnung stehen und mein Vater hat sich dann auch eine gekauft. Natürlich manuell aufzuziehen mit einem herrlichen Glockenwerk, welches jede viertel Stunde uns verkündet, dass eine viertel Stunde vergangen ist. Die Meinungen in meinem Haushalt sind geteilt und vor allem die Prinzessin ist am lautesten, wenn sie mir mitteilt, wie sehr sie diese Uhr haßt. Ich bin noch indifferent und habe meinem Bruder schon angedroht, dass diese Uhr irgendwann einfach bei ihm steht und er sie aufzuziehen hat. Und wenn die Uhr Glück hat, steht sie irgendwann dann beim Nachwuchs, weil es genau diese Erinnerungen sind, die bleiben und Geschichten erzählen.

In ewiger Erinnerung an meinen Master of Ceremonies.

#347: Lauf Baby Lauf

Zumindest habe ich mir das heute gedacht und voller Euphorie (mehr oder weniger, eher weniger) meine Laufschuhe angeschnallt, um die fehlende Bewegung auszugleichen. Und ich war wirklich motiviert, hatte nämlich schlechte Laune, ob der Lernsituation, dem Eingesperrtsein und der zu hohen Kalorienzunahme. Außerdem ging ich von einer vollkommen verzerrten Wirklichkeit aus, dass ich durch meinen Hund und der täglichen Bewegung absolut fit wäre, meine Kondition den roten Gürtel widerspiegelt und ich gestärkt nach ein paar Kilometer retour käme.

Die Musik im Ohr und die Sonne im Gesicht ging es zumindest einmal durch den Hof und Richtung der ersten 100 m, dann spürte ich schon den ersten Krampf oder Muskelzwicken in den Beinen. Die Säure in meinen Beinen macht einmal meine Laufambitionen langsamer, aber ich hatte zumindest genügend Luft zum Atmen und so bin ich verbissen weiter.

Natürlich habe ich versucht einen Blick auf meine Laufuhr von Garmin zu erhaschen und mein Puls war in einem guten Bereich, während die Zeit aus dem Blickwinkel nur falsch sein musste. Also schüttelte ich die Uhr – vielleicht blieb ja ein Zeiger auch in der digitalen Welt hängen – und wartete auf den ersten Kilometer. Erschüttert, ob der schlechten Leistung versuche ich das Tempo zu erhöhen, um es gleich wieder zu drosseln. Zwar sind die Beine warm, aber der Schweiß scheint meine Atemfrequenz zu erhöhen.

Also suche ich mir ein anderes Lied. Gefühlte 5 Lieder weiter bin ich bei den Black Eyed Peas gelandet und pumpe nochmals meine Lungen zu Pump it auf. Und es funktioniert, ich werde zumindest um 10 Sekunden auf den Kilometer schneller. Das motiviert und ich beginne zu den Liedern mitzusingen.

*Memo an mich selbst* Bist du außer Form singe nicht mit beim Laufen.

Ich werde wieder langsamer. An der alten Donau sehe ich viele Läufer und ich scheine so sportlich auszusehen, dass mir manche zuwinken (vielleicht haben sie aber auch nur Mitleid und wollen mich motivieren). Ich geniesse es, wie die Sonne in mein Gesicht scheint und erreiche Kilometer 3 und gleichzeitig Udo Jürgens mit „Immer wieder geht die Sonne auf“. Ich frage mich gerade, ob das Lied mich motivieren soll in Zeiten von COVID oder Laufen. Ich bin mir nicht sicher.

Ich mache eine Kehrtwende und laufe nochmals 2 Kilometer und merke, wie ich im 200 Meter Rythmus immer wieder auf die Uhr schaue. Es geht nicht schneller, was definitiv an mir liegt. Wobei der vierte Kilometer ist definitiv mein Schnellster, wieder 10 Sekunden schneller, was sich sofort in Seitenstechen bemerkbar macht. George Harrison mit My sweet Lord ist hier das passende Lied und ich frage mich einerseits, welcher Teufel mich geritten hat, dieses Lied in meine Playlist zu geben und warum beim Shuffeln genau dieses Lied kommt; welche versteckte Botschaft steckt dahinter.

Nach 5 Kilometern bin ich noch nicht daheim und da ich definitiv nicht weiterlaufen will, ersetze ich Laufen mit anderen Übungen, um quasi diese letzten Kilometer effektiv zu nutzen. Also wenn jemand jemanden hopsend, Knie in die Höh‘ springend, Ferse an den Po drückend und mit weiten Schritten und in die Knie gehend gehen sah, dann war das ich.

Zu Hause habe ich mich dann einmal selbstbemitleidet. Einer Freundin von meiner Heldentat erzählt, die das nämlich als Heldentat gesehen hat. Danke übrigens dafür.

#338: 1 1/2 Monate sozialtot

Vor 1 1/2 Monaten kam ich am Sonntag nach Hause und erlebte meine Tochter – bald 14 – aufgelöst und voller Zorn, wie sie auf ihrem Handy herumtippte und wischte, wenn man das den so bei einem Smartphone sagen kann. Auf meine Frage, was den los wäre, kam nur ein Schnauben und ein hervorgepresstes „Ich lösche alle Social Media Apps, A L L E S !“

Ich gebe es zu, ich habe es nicht ganz ernst genommen und fragte nur, was den jetzt schon wieder passiert wäre. Weil in letzter Zeit gab es immer wieder Stress, weil sie (meine Prinzessin) nicht irgendein Bild geliked, markiert, kommentiert oder gepriesen hätte. „Warum setzt du keine Herzerl unter mein Bild? Hast du mein Bild nicht gesehen? Ich posiere wie die Stars, warum hat die S. trotzdem mehr Follower?“ Vor allem die Umfragen waren immer unterhaltsam „Findest du mich hübsch?“ mit den Antwortmöglichkeiten „JA“ und „JA sehr“, ist somit das Ja das neue Nein?

Und die Flammen sind sowieso das Non-Plus-Ultra bei SnapChat, die Kids fühlen sich gezwungen täglich Bilderchen zu schicken, damit sie die Flammen nicht verlieren, die sie untereinander sammeln, täglich und alle 12 Stunden notwendig (lt. den Kids). Die Prinzessin hatte einmal um die 200 Flammen mit einer Freundin, dh. täglich 200 Tage lang (damals war der Rhythmus noch mit 24 Std. von Snapchat vorgegeben) zumindest einen Snap. Und dann ist man krank (zumindest so, dass man kein Handy bedienen kann), hat keine Lust, Durchfall (ok, das hält niemanden ab, es gibt ja auch WLAN am Klo), … und alles ist weg. Jede einzelne Flamme, 200 unwichtige Nichtigkeiten umsonst verschickt.

Und wir wundern uns, dass die Informationsaufnahme beschränkt ist, woher soll noch jemand wissen, was wirklich wichtig ist, wenn Flammen das um-und-auf sind.

So viele Kleinigkeiten die für die Prinzessin mehr Stress bedeuteten, als Spaß oder Lust mit anderen etwas zu teilen. Und somit dauerte es einen ganzen Sonntag, um jedes einzelne Bild auf Instagram zu löschen, jeden Abonnenten, jedes Abonnement zu entfernen. Apps zu deinstallieren und sein Handy clean zu bekommen. Und jetzt ist sie seit 1 1/2 Monaten sozialtot. Die Prinzessin kannte nicht einmal den Ausdruck sozialtot, bevor mein Bruder – der auch sozialtot ist – es ihr erklärte.

Gestern haben wir darüber gesprochen, wie es ihr so geht, ohne diese Medien und sie meinte, dass es am Anfang schon schwer war und sie das Gefühl hatte, etwas fehle ihr oder sie würde sogar etwas verpassen. Aber mittlerweile ist es kein Problem mehr, im Gegenteil sie meinte, dass Freundinnen oder auch manche Klassenkolleginnen jetzt wieder persönlich auf sie zukommen und viel mehr geredet wird. (Wie erschreckend, dachte ich nur.)

Ich bin wahnsinnig stolz auf sie und es ist mir auch nicht wichtig, ob sie morgen oder heute wieder alles aktivieren würde, wenn es ihr Wunsch wäre. Vielmehr hat es ihr Bewusstsein im Umgang mit sozialen und digitalen Medien geschärft und ihren Blickwinkel verändert.

#336: Großmutter

In meiner Erinnerung war meine Großmutter immer eine Dame. Sie trug nicht nur ihre Handschuhe abgestimmt auf Hut und Tasche, ihre Schuhe und ihre Kleider waren immer in Perfektion auf einander abgestimmt. Als meine Großmutter starb, verlor ich einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben, nicht nur, weil sie meine Großmutter war, sondern so viel mehr.

Aber darum geht es mir jetzt gar nicht. Als ich meinen Vater um die Geburtsurkunde meiner Großmutter bat, da ich mit meinem Bruder Familiengeschichte schnuppern wollte, fiel mir auch die Geburtsurkunde ihrer Tochter Ingrid in die Hand. Ich wußte zwar, dass unser Vater noch eine unbekannte Schwester hatte, aber nie wirklich mehr. Meine Oma hat nie über sie gesprochen und ich erfuhr erst nach ihrem Tod von diesem Mädchen. Es hieß, dass sie sie zur Adoption freigegeben hatte, da meine Großmutter als geflüchtete Sudetendeutsche, selbst noch jung und neu in einer ihr unbekannten Stadt nicht in der Lage war ein Kind groß zu ziehen. Jetzt beim Stöbern durch die alten Dokumente, die alleine durch ihr verblichenes Papier und die schöne geschwungenen Handschriften schon zum Erzählen verleiten, stieß ich auf einen kleinen A5 Zettel und einer Heiratsbestätigung zwischen dem Kindesvater von Ingrid und meiner Großmutter.

Nicht einmal mein Vater wußte davon und ihm ist dieser kleine Zettel auch nie aufgefallen, so winzig und klein und doch so bedeutsam. Für uns Frauen ist es heutzutage nicht vorstellbar, dass der Mann es erlauben musste, dass eine Frau arbeitete oder gar wirtschaftlich eigenmächtig handeln konnte, zu der damaligen Zeit war es so. Und auch bei Trennungen bzw. Scheidungen lag das Machtverhältnis oft so, dass der Vater der Mutter das Kind entziehen konnte. Ohne meine Großmutter idealisieren zu wollen, weiß ich gerade durch die Erzählungen meines Vaters und auch Onkels, wie sehr sie immer um ihre Kinder gekämpft hatte, alles zu ihrem Wohl (ob manchmal gut oder schlecht) tat und sie somit gar keine Wahl hatte, als ihr Kind zu verlieren.

Leider hat sie selbst nie darüber gesprochen, vielleicht aus Angst darüber verurteilt zu werden. Oder auch aus Angst vor den Schuldgefühlen, dem Verlust der verlorenen Jahre und der Erinnerungen. Wir leisten es uns heute zu klagen, wie schlecht es uns heute geht und in welcher Welt wir heute leben. Ich denke, dass wir leider viel zu oft vergessen, dass es noch keine 100 Jahre her ist, dass Frauen keine bis wenige Recht besassen und sich unsere Welt in einer unsicheren Zeit befand.

#333: Gökce

Wie faßt man einen Abschied in richtige Worte? Gibt es dafür überhaupt Worte, die beschreiben können, wie traurig, hilflos und wütend ich mich fühl(t)e?

Ich habe am Freitag meine letzten Worte an meine Freundin Gökce in die Tat umgesetzt. Als sie noch gesund war sind wir gerne tanzen gegangen, free-style und mit voller Leidenschaft und es war uns ganz gleich, ob die Tanzfläche voll oder leer war. Ich erinnere mich noch, als wir im technischen Museum ganz alleine auf der Tanzfläche waren und zu Disco und 80er Jahre Musik getanzt und gesungen und mit weiten Armen das Leben umarmt haben, weil es ging.

Am Freitag habe ich zu ihr gesagt, dass sie für mich dort, wo sie hingeht für mich abtanzen soll, so wie wir es früher getan haben. Sie hat gelächelt. Am Freitag bin ich am Abend, nachdem ich fahrig und unruhig in der Wohnung herumgelaufen bin, ins Orpheum gegangen und habe zu Disco und 80er getanzt, manchmal mit Tränen in den Augen oder auch wütenden Schritten, aber ich habe getanzt und gesungen. Meine Arme konnte ich nicht ausbreiten, es ging einfach nicht.

Am Freitag habe ich am Heimweg viele Erinnerungen hervorgeholt, viele Gute und auch viele nicht so Gute, als wir auch weniger miteinander redeten. Gott sei Dank haben wir die letzten 3 Jahre sehr viel miteinander gesprochen, seitdem die Diagnose „begrenztes Zeitfenster“ bekannt war. Und Gökces‘ Kampf war unglaublich, immer noch ging ein bißchen mehr und länger, nur um soviel Zeit als möglich mit ihren Kindern zu haben.

Am Freitag habe ich dich zum letzten Mal im Spital besucht, und es macht mich glücklich dich zum „Lachen“ gebracht zu haben die letzten Tage. Das war ein Teil meiner Rolle, nicht weinen und trauern für das was wir verlieren, sondern da zu sein für dich und dich abzulenken, das Leben nicht so ernst zu nehmen. Ich habe dann trotzdem geweint, aber so, dass du es nicht gesehen hast.

Am Freitag habe ich mich verabschiedet von unserer gemeinsamen Zeit, aber nicht von unserer Freundschaft, die lebt weiter in deinen zwei Kindern.

#322: Der echte Wiener kommt aus über der Donau

Heute beim Vogelbauer, einem Heurigen mit Bier in Donaustadt, habe ich heute Abend echte Wiener getroffen. Freitagabend treffen sich regelmässig ein paar Herren auf ein paar Bier und anschließend Weiße 8terln beim ansässigen Heurigen in der Donaustadt. Man kann gar nicht weghören, wenn die Herren miteinander reden, weil es einerseits sehr laut und andererseits mehr als unterhaltsam ist.

Jegliches Unterhaltungsfernsehen, Kabarett kann weder die Sprache noch die Themen nachempfinden, die ich mithören konnte. Ganz gleich, ob es darum ging, dass der Prohaska findet, dass der F. ein Trottel ist, weil er sich mit Trotteln trifft, oder man gleich mal vornweg zum „Motschkern“ (Bitchen in neuer Sprache 2017.2.0 oder bekannt auch als Suddern oder Stänkern …) anfangen mußte, weil der Wirt den Gast ignorierte, als er ein Krügerl Bier bestellte. Die Herren bestehend aus 3 Männern, teilte sich auf in Einen, der immer kalmieren wollte und entweder A oder B nachredete, A der immer alles besser wußte und B, der A immer sagte, dass er falsch liegt und eh nix weiß.

Höhepunkte waren wohl immer, wenn B in voller Lautstärke „klein“ beigab, weil es eh keinen Sinn macht mit dem Trottel von A zu Diskutieren und A sowieso immer gegen alles war, was B sagte. Ich glaube, dass ist auch einer der Gründe, warum A ein Smartphone mit Google nutzte, um B zu widerlegen. (Was eigentlich wenig funktionierte.)

Großartig für uns wurde es, als wir in die Diskussion hineinbezogen wurden, wie es um die Monarchie ging. Wer sich jetzt wann und wo umbrachte bzw. umgebracht wurde. Ich hatte es ja gut als Donaustädterin, wobei eine Differenzierung in Kagranerin, Stadlauerin usw. durchaus sinnvoll gewesen wäre, aber beim T. wurde es schwieriger, weil er aus Favoriten kam und eiskalt als zurgraster Ziegelböhm heuabqualifiziert wurde. Aber man hoffe, dass er wenigstens eine böhmische Großmutter habe.

Auch die Diskussionen über die Kochqualitäten oder Rezepte zeigten den Wiener Ursprung, nämlich, ob jetzt ein Erdäpfelgulasch mit doppelt geräucherter Dürre (die ja eh nur mehr der Prolet ißt) oder mit Bärenhäutl gemacht werden darf. Oder wie es mit dem Köch aussieht. All‘ diese Mahlzeiten ißt ja nur der einfache Mann, weil wir Jungen, falls es jemand nicht weiß, ißt hauptsächlich Fisch und solche Sachen. (So viel zum Thema Vorurteile)
Auch das Internet ist eigentlich (ja der Sprung war auch für mich herausfordernd) nur für die Jungen, weil wie soll der Pensionist noch mit Firmen kommunizieren, außer sie anzurufen, wenn man kein Internetz hat.

Ich war mir aber 100 Prozent sicher, dass ich es mit wirklichen und echten Wienern zu tun hatte, als sie vom Ferdl sprachen. Weil den Ferdl kenne ich nur vom Wiener und seinen Erzählungen. Und in den Erzählungen der 3 Herren war der Ferdl zwar schon weit über 70, aber hatte immer noch seine „Hasn“ am Laufen.

#308: meine #Fuckcancer Heldin

#Fuckcancer

Am liebsten würde ich es ja rausschreien und wenn möglich jeden Buchstaben einzeln rituell verbrennen können, aber leider spielt das Leben nun mal nicht so. Das Leben sucht sich nicht den Krebs aus und meine Freundin auch nicht. Auch wenn wir schon vor 2 Jahren darüber gesprochen haben, dass ihre Chancen auf 1 bis 3 Lebensjahre begrenzt sein könnten, – #fuckdiestatistik – so haben wir es ignoriert, es nicht geglaubt. Es ist ihr unbändiger Wille zum Leben, der sie so stark und unglaublich robust macht, auch wenn die Lunge mit Metastasen durchlöchert ist, der Tumor ihr Leber besetzt … #fuckcancer

Gestern hat sie mir im Krankenhaus erzählt, dass das Grab noch auf sie warten muss, und wenn sie sich querlegt. Wir sind eisessend am Bett gesessen und haben das schwere Unwetter über den Kahlenberg wandern sehen. Und heute wird sie operiert, oder so ist zumindest der Plan, weil sie will Optionen, will noch nicht ein bißchen nachgeben. Es ist dieser Wille, der mich so tief beeindruckt, noch dableiben zu wollen. Schwach wird sie nur, wenn sie sich die Bilder ihrer zwei Kinder ansieht. Und glücklich, weil sie jede Minute bei ihnen sein kann und dafür kämpft sie. Also in dem Sinne #fuckcancer …

#305: Mein Held die Arabistik-Studentin

Italiener sind volksverbindend. Heute Abend habe ich die Enoteca Bortolotti (Trento) – und ich weiß noch nicht mal, ob man das so nennen darf, kann oder soll, besucht. Auf ein paar Aperol Sprizz und eben einer Piato Grande – beides übrigens sehr zu empfehlen. Der Beinschinken ist ein Traum und das italienische Personal entzückend freundlich. Dieses Lokal ist wahrscheinlich das Highlight von Kaisermühlen (neben dem Vorstadtwirt).

Und ich muss sagen, dass ich mich schon seit langem nicht mehr so amüsiert habe. Nicht nur, dass wir das ausgesprochene Glück hatten, neben einer bekennenden „Hofer“-Wählerin zu sitzen, die an dem Abend ihr „Baby“ – eine Arabistik/Islamistik-Studentin – kennenlernte, auch die „Haute-Volete“ von Kaisermühlen beehrte uns. Wobei mich die Mrs. Hofer – eine unwahrscheinlich starke und selbstbewußte Frau – am Meisten beeindruckte. Kein Fettnäpfchen war zu groß oder zu klein, welches sie siegessicher anstrebte. Aber am Besten gefiel mir, dass sie es als Schicksal empfand, dass sie justament an diesem Abend die „Muslimentante“ (O-ton zur Arabistikstudentin) kennenlernte, mit der sie übrigens seit 15 Uhr Nachmittags Prosecco trank. Wir empfanden das schon als brückenbauend.

Mr. Bodybuilding aus Kaisermühlen, der kurzweilig zwischen unseren Tischen saß, unserem und dem Arabistik/Hofer Tisch, konnte mit Zitaten aus dem Kaisermühlen Blues brillieren. Unisono waren wir uns alle einig, schlechter als heute soll es uns niemals gehen. Und schlußendlich findet Mrs. H. ihr Baby auch super, weil sie ist so schön Wienerisch und trinken kann man mit ihr auch. Eigentlich hätte ich wohl so manche Statements aufschreiben sollen. Es wäre ihr nicht gerecht geworden. Aus dem Kontext gerissen. Wer es erleben will, sollte regelmässig raus gehen und zwar nicht in die schönen hippen Bobo-Blasen (wie im Vice beschrieben), sondern dorthin, wo es weh tut. Auch wenn man die Komfortzone verlassen muss, tut es gut, es vor allem dann mit einem guten Glas Wein und gutem Essen zu tun.

Und wenn die Gräben vermeintlich tief scheinen, so sind es die Brücken, die wir bauen, um dem anderen zu ermöglichen zaghaft einen Blick rüberzuwerfen.
Zurück zur Enoteca: wirklich zu empfehlen ist das vegane Eis beim Bortolotti. Gaumensex, wie man heute so schön sagt.

Gaumensex wären dann sicher auch die zwei vermeintlich homosexuellen Araber gewesen, die wir vor der Türe getroffen haben und noch unschlüssig waren, ob sie hineingehen sollten. Für die Konstellation im Lokal unwahrscheinlich großartig. Ein jeder Kabarettist hätte seine wahre Freude gehabt, aber leider wie so oft, verbleibt einem dann nur mehr das Kopfkino.

In dem Sinne, empfehle ich wirklich aus tiefsten Herzen meinen Lieblings-Eis-Italiener Bortolloti in Kaisermühlen.

Zyklus: Helden von heute

Letztens habe ich David Enoch über Moral Deference zugehört. Deference bedeutet so viel, wie Pietät, Achtsamkeit und in dem Zusammenhang geht es um eine Instanz von Moral, die zu beachten ist.

David Enoch hat einen Text dazu geschrieben, der sehr zu empfehlen ist, wobei es ihm wichtig scheint, dass dieser nicht von zu vielen gelesen wird, weil sonst wird ihm ein Expertentum angelastet, welches er gar nicht übernehmen kann, will oder möchte. Wer will schon gerne Experte in moralischen und ethischen Fragen sein, vor allem, wenn man Israeli ist. Da kann ich Herrn Enoch durchaus verstehen.

Und doch, liest man seinen Text, der weitaus besser ist als sein Buch „Taking Morality seriously“, kann man nicht umhin, ihm zuzustimmen, dass wir heute Experten benötigen, die uns Werte und Normen mit moralischer Substanz vermitteln und erklären. Jemanden, dem man folgen kann und will.

Aber Enoch reicht es, wenn wir paar Hanseln seinen Text gelesen haben und ihn zu einem Fragen-Antworten-Spiel herausfordern. Jedoch mehr kann und will er nicht bieten. Aber vielleicht ist es auch nur ein kokettieren, um gebeten zu werden (natürlich nicht von uns, aber von den anderen Wissenden).

Und trotzdem wird man in einem ständigen Kreuzfeuer der Kritik und vor allem des Neids stehen. Weil woher maßt man sich heute an über etwas Bescheid zu wissen. Schnell ist man zur Hand und kritisiert. Enoch prangerte dies bei seinem Talk auf eine subtile Art und Weise an, alleine deswegen ist er ein Held. Auch wenn er eigentlich keiner sein mag.

#250: Sizilien und ich – Etoile d’Or mein sizilianischer Held

Heute ist mein letzter Abend auf Sizilien und in Catania und bisher waren Catania und ich ja nicht so auf einer gemeinsamen Wellenlänge. Heute Abend im Café Etoile d’Or in der Nähe des Botanischen Gartens und der Villa Bellini haben mein Sohn und ich unseren fast täglichen Cafehausbesuch absolviert. Bei Café, Aperol Spritz und einen Eistee serviert mit Chips haben wir mit mehreren Partien Uno den Abend eingeläutet, da richtige Restaurants erst ab 20 Uhr öffnen.

Obwohl es nicht wirklich kalt draussen war, war es auffällig, dass in das Café immer wieder ältere Personen kamen, die einfach nur im Raum standen oder sich mal kurz hinsetzten. Es fiel mir auf, da keiner etwas konsumierte und die restlichen Tische aber besetzt waren. Und es durchaus passieren konnte, dass sich zu einem Mann, der alleine saß und Café trank noch ein Weiterer dazu setzte. Ich war mehrfach versucht, Café zu bestellen, damit sie eben nicht hinausgeworfen werden, was aber gar nicht passierte.

Als ich dann zur Kasse ging, in den Cafés gibt es jemanden bei der Türe, der kassiert, konnte ich noch nicht zahlen, da der Mitarbeiter (Besitzer?) gerade einem alten – gebrechlichen Mann – eine warme Mahlzeit am Teller hinhielt und im einen Platz zuwies. Der Mann war etwas überfordert und ich in dem Moment auch. Ich kann nicht beschreiben, was ich empfunden habe, wie man hier mit Menschen, die sozial mehr als nur benachteiligt sind, und in Catania wirkt es so, als ob es wirklich viele wären, so wertschätzend umgeht. An der Kassa habe ich dann nicht nur meine Getränke bezahlt, sondern auch ein paar Essen.

Vielleicht ist dieses Café einzigartig, vielleicht hatten die Menschen heute Abend auch einfach nur Glück und der Mitarbeiter (Besitzer) einen guten Tag! Ich weiß es nicht, mich hat es einfach nur zu tiefst berührt.