#305: Mein Held die Arabistik-Studentin

Italiener sind volksverbindend. Heute Abend habe ich die Enoteca Bortolotti (Trento) – und ich weiß noch nicht mal, ob man das so nennen darf, kann oder soll, besucht. Auf ein paar Aperol Sprizz und eben einer Piato Grande – beides übrigens sehr zu empfehlen. Der Beinschinken ist ein Traum und das italienische Personal entzückend freundlich. Dieses Lokal ist wahrscheinlich das Highlight von Kaisermühlen (neben dem Vorstadtwirt).

Und ich muss sagen, dass ich mich schon seit langem nicht mehr so amüsiert habe. Nicht nur, dass wir das ausgesprochene Glück hatten, neben einer bekennenden „Hofer“-Wählerin zu sitzen, die an dem Abend ihr „Baby“ – eine Arabistik/Islamistik-Studentin – kennenlernte, auch die „Haute-Volete“ von Kaisermühlen beehrte uns. Wobei mich die Mrs. Hofer – eine unwahrscheinlich starke und selbstbewußte Frau – am Meisten beeindruckte. Kein Fettnäpfchen war zu groß oder zu klein, welches sie siegessicher anstrebte. Aber am Besten gefiel mir, dass sie es als Schicksal empfand, dass sie justament an diesem Abend die „Muslimentante“ (O-ton zur Arabistikstudentin) kennenlernte, mit der sie übrigens seit 15 Uhr Nachmittags Prosecco trank. Wir empfanden das schon als brückenbauend.

Mr. Bodybuilding aus Kaisermühlen, der kurzweilig zwischen unseren Tischen saß, unserem und dem Arabistik/Hofer Tisch, konnte mit Zitaten aus dem Kaisermühlen Blues brillieren. Unisono waren wir uns alle einig, schlechter als heute soll es uns niemals gehen. Und schlußendlich findet Mrs. H. ihr Baby auch super, weil sie ist so schön Wienerisch und trinken kann man mit ihr auch. Eigentlich hätte ich wohl so manche Statements aufschreiben sollen. Es wäre ihr nicht gerecht geworden. Aus dem Kontext gerissen. Wer es erleben will, sollte regelmässig raus gehen und zwar nicht in die schönen hippen Bobo-Blasen (wie im Vice beschrieben), sondern dorthin, wo es weh tut. Auch wenn man die Komfortzone verlassen muss, tut es gut, es vor allem dann mit einem guten Glas Wein und gutem Essen zu tun.

Und wenn die Gräben vermeintlich tief scheinen, so sind es die Brücken, die wir bauen, um dem anderen zu ermöglichen zaghaft einen Blick rüberzuwerfen.
Zurück zur Enoteca: wirklich zu empfehlen ist das vegane Eis beim Bortolotti. Gaumensex, wie man heute so schön sagt.

Gaumensex wären dann sicher auch die zwei vermeintlich homosexuellen Araber gewesen, die wir vor der Türe getroffen haben und noch unschlüssig waren, ob sie hineingehen sollten. Für die Konstellation im Lokal unwahrscheinlich großartig. Ein jeder Kabarettist hätte seine wahre Freude gehabt, aber leider wie so oft, verbleibt einem dann nur mehr das Kopfkino.

In dem Sinne, empfehle ich wirklich aus tiefsten Herzen meinen Lieblings-Eis-Italiener Bortolloti in Kaisermühlen.

#302: wie die Zeit vergeht

Und schon ist es wieder Frühling und alles verändert sich. Über Ostern waren wir in London und als wir abends zurück ins Hotel kommen, sitzt neben unserer Türe eine alte Dame mit 2 Taschen am Boden. Der Rücken gekrümmt und die Schultern nach vorne hängend, musste ich sie fragen, ob den alles in Ordnung sei und ob ich ihr helfen kann. Mit sehr leiser Stimme wies sie auf die Türe hin und meinte, dass sie es nicht schaffen würde, diese zu öffnen. Die Dame hatte einfach bei der falschen Türe versucht hineinzukommen, also nahm ich ihre Taschen und wir gingen zu dem Zimmer, dass sie eigentlich bewohnen sollte. Trotz ihres langen und dicken Daunenmantel merkte ich, wie zerbrechlich und unsicher sie war. In ihrem Zimmer half ich ihr aus dem Mantel und stellte die Taschen ab. Sie stand in der Mitte des Raumes und sah das große Bett an. Sie war müde, so sehr müde und doch stand sie jetzt mitten im Raum und wußte nicht, was sie zuerst tun sollte. Ihre Unsicherheit traf mich, und nochmals fragte ich sie, ob mit ihr alles in Ordnung wäre. Und auf einmal fing sie an zu weinen und erzählte mir wie traurig sie sich fühlt.

Ihr Mann ist schon vor längerer Zeit verstorben und sie ist alleine in einer Kleinstadt, wo sie sich nicht wohl fühlt. Sie musste von dort fort, hat den Neid und die Missgunst gespürt und gehört. Und glaubt ausgeschlossen zu sein. Sie erzählte mir von einem Haus und von Land und von dem Wegwollen. Als mein Telefon läutete, straffte sie ihre Schultern und sie bedankte sich formvollendet, als ob sie sich ihrer Schwäche auf einmal bewusst geworden wäre. Ich war entlassen.

Und trotzdem am nächsten Morgen musste ich an die alte Dame denken und wollte nur kurz nachsehen, ob auch wirklich alles in Ordnung war. Vielleicht war es nur ein Gefühlsausbruch und alles schon wieder so, wie es sein sollte. Ich ging nach dem Frühstück zu dem Zimmer und vor der Türe in der Ecke stand sie mit dem viel zu großen und dicken schwarzen Daunenmantel. In der Ecke, wie ein Kind, dass etwas angestellt hatte und vor lautern Scham sich nicht bewegen wollte. Behutsam sagte ich guten Morgen und ich fragte mich, ob sie schon seit letzter Nacht vielleicht vor der Türe stand. Als sie mich sah, löste sie sich von ihrer Ecke und bat mich um Hilfe. Sie brauchte mehr als nur in ihr Zimmer wieder zu kommen, sie musste mit jemanden reden. Also hörte ich zu. Einerseits wirr und andererseits klar formulierte sie, wonach sie suchte. Ich konnte sie überzeugen, dass wir zur Rezeption gehen sollten, um Hilfe zu holen. Händchenhaltend gingen wir hinunter. Ich spürte ihren festen Griff, der Halt suchte.

Die Damen an der Rezeption (PremierInn St. Pancrass) waren wunderbar und einfühlsam und nachdem Eine von Ihnen französisch mit ihr sprach, schöpfte sie Vertrauen. Wie ich später erfuhr, hat sie ihre Medikamente vergessen einzunehmen, wodurch sich ihre Verwirrung verstärkt hat. Zeit schien für die Frau ein dehnbarer Begriff und Moment geworden zu sein.

Alter ist nicht nur Zeit, die vergeht. Sie nagt auch an uns. Aber es sind auch die Menschen rund um uns herum, die einem die Hand geben, um uns zu halten, die uns mit festen Schritten begleiten. Ich versuche heute so ein Mensch zu sein, und es wäre eine Lüge zu sagen, dass ich es immer schaffe und bin, aber ich versuche es, und ich hoffe darauf, dass ich eine Hand finde, wenn ich sie brauche.

#301: Was ich nie hören wollte!

Letztens war ich Zuhörer in einem Gespräch zwischen zwei jungen Mädels und einem Burschen, der versuchte Erkenntnisse zum weiblichen Geschlecht zu erhalten. Und wie sagt meine Papa immer so schön, Kinder und Alkoholisierte sprechen die Wahrheit und so schien des auch die Hoffnung des jungen Manns zu sein, dass selbst durchaus geöffnet, er auch endlich Insights erhalten könnte.

Wobei ich zwischenzeitlich schon etwas Mitleid hatte mit dem Burschen, weil die zwei Hübschen ihn zu Beginn sichtlich ignorierten.

Er: „Eigentlich wollte ich ja zwischen Euch Zwei sitzen!“ (schmollend)
Sie ignorieren ihn und reden über die Hoffnungslosigkeit des Verliebtseins und erster großer Liebe.
Er: „Weil ich gehofft hatte, dass ich Euch Zwei ein bisl begrapschen kann.“
Sie ignorieren ihn immer noch.
Er: „Ihr kennt Euch doch aus …“
Er: „Darf ich Euch was fragen, weil ich habe da ein Mädel kennengelernt.“
Sie ignorieren ihn und sind im emotionalen Zustand der Erinnerungen (dh. es wird geheult).
Er: „Heast“ (schon etwas aufgebracht, weil sie ihn ignorieren) „ich kann dir genau sagen, warum der Typ so ein Arsch ist.“ „Ich kann dir das sagen, weil ich weiß, wie die Männer denken.“ „Du soll ich dir das sagen?“
Endlich scheint Dynamik in die Situation zu kommen und beide drehen sich zu ihm.
Sie: „Was weißt du schon, nix weißt du.“
Er: „Männer sind so, ihr ward nicht mehr zusammen, also hat er Sex. Punkt. Egal, wer sich da anbietet, wenn sie geil ist.“
*Die Sprache ist hier durchaus gewählter ausgedrückt, als sie tatsächlicher war.*
Sie schauen ihn einfach fassungslos an.
Er: „Ich hab da ein Mädel kennengelernt. Was muss ich machen (WAS JETZT KOMMT, DA WUSSTE ICH NICHT SOLL ICH LACHEN ODER IHM EINE KURZ DRÜBERZIEHEN.), damit das Mädel mich gut findet und A L L E S macht, was ich sexuell will?“
Sie schauen ihn noch immer fassungslos an.
Sie: „Geh ja nicht mit ihr einen Kaffee trinken, immer wollt ihr nur einen Kaffee trinken. Das kotzt so an. Immer immer wirklich nur einen Kaffee trinken. Wenn du sie gut findest, dann mach‘ was spontanes, schönes, von mir aus gehts Bungee Jumping.“ (Ja war nicht die Antwort direkt auf die Frage …)
Er: „Und ich dachte, ich lade sie nach Hause zu mir ein und dann rauchen wir was …“
Sie schauen ihn nicht einmal mehr an und ignorieren ihn wieder.

In diesem Moment fühlte ich mich wirklich alt. Nämlich alt, alt. So alt, wie ich persönlich immer meine Eltern gesehen habe und zwar schon mit 12 Jahren. Und ich überlegte, wohin ich meine Prinzessin schicken könnte, welches Bergkloster wohl am geeignetsten wäre. Leider habe ich für die zweite Überlegung noch keine Lösung gefunden.

Meinen spontanen Alterungsprozess habe ich würdig mit einem Otto Schenk Besuch gefeiert.

#299: Feminismus

Ich war heute Abend beim NZZ.at Clubabend zum Thema Feminismus und seiner neuerworbenen Beachtung nach Köln. Das Thema ist ein Schwieriges. Nicht nur, weil die mediale Berichterstattung sehr zu hinterfragen ist, angefangen von einer spürbaren Unsicherheit von und in Qualitätsmedien bis hin zu den widerlichen Titelseiten (weiße Frau und schwarze Hand), sondern auch durch Vereinnahmung von Frauenrechten durch alle möglichen ideologischen Seiten.

Und wenn aus dem Publikum quasi festgestellt wird, dass der Feminismus schon viel erreicht hat, da wir einen Pograpsch-paragraphen haben – übrigens die Deutschen nicht -, dann ist wohl die Decke lange nicht erreicht. Auch die Herrschaften vor mir, älterer Herr mit Frau Gemahlin, schüttelten immerwährende den Kopf, vor allem bei Fr. Ablinger, wenn sie über Frauenrechte und Opferschutz, Frauenhäuser usw. sprach. Und man muss nicht, wie Fr. Walterskirchen sagte, die gleiche ideologische Brille teilen, sondern es geht um Respekt und Werte. Und gerade deswegen ist es wichtig zu schätzen, was so viele Frauen und auch Männer für Frauen- und Menschenrechte tun.

Feminismus als Herrschaftskritik (Ablinger), treffender kann man es meiner Meinung nicht ausdrücken.

#296: Was bleibt …

aus dem alten Jahr? 2015 wird sich in den Geschichtsbüchern eines Tages wiederfinden, mit Terroranschlägen in Europa mit Charlie Hebdo nur ein Beginn, Angst davor und danach, Flüchtlingswellen und einer „schleichenden“ Völkerwanderung und wiederum Angst davor und danach. Als krönenden Abschluss des Jahres gibt es Übergriffe auf Frauen, die von allen Seiten für sich genutzt werden wollen, als Rechtfertigung für Hass, für das Missverständnis und vor allem wieder für die Angst. Wer sich unsicher fühlt, wird auch unsicher sein und danach leben.

Wir erleben eine Indoktrination der Angst innerhalb unserer Gesellschaft, und schaffen kaum noch „ABER“ zu sagen. Angst ist ein Teil unserer Taten, unseres Handelns und unseres Wesens. Wie wird aber Angst definiert?

Schon im 11. Jahrhundert hat ein arabischer Philosoph Als Ibn Hatm folgendes geschrieben: „Ich habe mich immer bemüht, in den Taten das herauszufinden, was alle Menschen übereinstimmend wichtig finden und wonach alle streben. Ich habe immer nur das gefunden: das Ziel, die Angst abzuschütteln (…). Ich habe erkannt, daß die Menschheit danach in erster Linie strebt und daß nicht ein einziger Mensch irgendetwas tut oder auch nur ein Wort spricht ohne zu hoffen, damit die Angst in seinem Kopf loszuwerden.“ (zit. n. SPIELBERGER 1980, 63)

Die Angst ist eine mächtige Emotion, und wir lassen zu, dass andere mit dieser Emotion spielen. Ich will nicht von Angst beherrscht werden. Ich will die Angst, die zur Zeit verbreitet wird, gar nicht erst in meinen Kopf hineinlassen.

#295: Perfektionismus

Ich hatte Mitte Dezember mit einem Artikel begonnen, diesen jedoch nie zu Ende geschrieben, was wiederum so gar nicht zu dem Thema „Perfektionismus“ passt. Ich glaube, dass ich kein Perfektionist bin. Ich habe zu wenig Geduld dafür, weder für mich, für die Sache noch für den Perfektionismus selbst. Schlussendlich stehen wir uns auch immer nur selbst im Wege, oder die anderen oder die wenige Zeit, die unzureichenden Möglichkeiten und so weiter und so fort.

Frauen, die sich stressen, weil die anderen Frauen ein Gesamtpaket aus vorbildlichen Kindern, fürsorglichen Partnern und in sich vermeintlich ruhender Mitte ausstrahlen. Wer will schon vorbildliche Kinder? Ok, ich schon, ich gebe es zu. Und die ruhende Mitte wäre auch mal wieder schön zu finden, aber ich arbeite zumindest daran, dass ich alle Fingernägel gleichmässig lackiere (merke gerade, dass ich was zu tun habe!). All‘ diese Bilder spielen sich in unseren Köpfen ab und erzeugen einen Stress, der nicht für UNS gut ist, und was für uns nicht gut ist, zieht dann weiter seine Kreise.

Aber dies trifft auch auf Männer und Frauen im Job zu, die erkennen, dass Perfektionismus nicht möglich ist. Da kann ich noch so oft hinter meinem Mitarbeiter stehen und es ihm vorführen. Weil es ist ja jemand anderer, der diese Tätigkeit dann ausführt, mit anderen Möglichkeiten, anderen Ressourcen und schon hat sich das Ergebnis verändert. Und es geht noch nicht mal um besser oder schlechter. Es geht um anders.

Ich liebe es sowieso zu improvisieren. Besonders beeindruckt hat mich M als er die Krippenbeleuchtung am 24.12 (nachdem alle Geschäfte geschlossen waren) mit zwei miteinander verbundenen AA-Baterien (mittels Tixo) zum Leuchten brachte, weil keine Blockbatterie vorhanden war. Nein es sah natürlich nicht so schön aus, und viel wackeln hätte man auch nicht dürfen, aber es hat funktioniert und seine Funktion erfüllt. Ist das nicht auch ausreichend?

Also ich gehe jetzt auf jeden Fall diese zwei ramponierten Nägel lackieren.

#293: Weltpräsident

Gestern hat mir mein Sohn erstmals genauer geschildert, was er unter seinem Berufswunsch „Weltpräsident“ versteht. An Selbstbewusstsein und einer Portion Größenwahn mangelt es ihm definitiv nicht. Und doch sieht und hört man genauer hin, fällt es einem auf, dass um die Verwirklichung banalen Selbstverständlichkeiten geht.

So würde er seinem besten Freund M. – der soll und will Architekt werden – alle Häuser bauen lassen, die seinem Freund einfallen. Überhaupt will er für die Kinder Kindergärten und Schulen bauen, wo sie spielen können und Spaß haben, dabei dürfen natürlich elektronische Spiele nicht fehlen, wie Hüpfburgen und riesige Spielplätze. Jeder, vor allem Kinder, sollen immer, dass essen dürfen, was sie wollen. Er würde vorschlagen Kaiserschmarren, Griesskoch, Milchreis, Nudeln und Pommes.

Er will auch mehr erfinden lassen, Motorräder aus Gummi, damit es weniger Verletzungen gibt. Und zwei Dinge waren noch wichtig, einerseits würde niemand mehr flüchten müssen, weil es allen gut geht. Und allen Räubern verbietet er zu stehlen.

Als er mir seine Visionen während der Autofahrt erzählt hatte, war mein erster Gedanke „so viel falsch, habe ich doch nicht gemacht“ und der Zweite „wo biegen wir falsch ab im Leben, dass nicht einmal ein Bruchteil umgesetzt wird?“. So anders werden wir als Kinder nicht gedacht haben und auch die Elterngeneration wird ihre Wünsche und Vorstellungen gehabt haben.

Betrachtet man aber die Klimadiskussionen, Nachrichten rund um Terror und Krieg und Zukunftsprognosen, dann präsentiert sich uns ein weitaus anderes Bild. Wo verlieren wir unsere Fantasien? Ist es angebracht, dass 6jährige in der ersten Klasse ihre Schultasche auf den Tisch zur Abtrennung geben müssen, damit bei einer Ansage der Nachbar nicht abschreiben kann? Was vermitteln wir hier? Ganz abgesehen davon, dass ich Tests in der ersten Klasse sowieso hinterfragen würde. Aber es ist schon so normal, weil sonst funktionieren wir ja nicht in der Gesellschaft, wo Druck und Erfolg ein Standardprogramm darstellen.

Im Gymnasium läuft es ja nicht besser. Im Gegenteil, meine Tochter kann heute mit fast 12 Jahren fast besser mit Powerpoint Präsentationen umgehen, als ich. Fachlich sind die Kinder heute wirklich gut und besser, als wir damals, aber bitte nur nicht zu viel selbst und vielleicht noch kritisch denken. Und auch auf der Universität Wien wurde uns letztens bei einem Seminar angeraten, bitte keine kritischen Fragen – allgemeiner Natur – an den Vortragenden zu richten, der über Moral und robuste Ethik referieren würde.

Wir verlieren unsere Fantasien über all diese Geraden, die uns einen Weg vorgeben sollen und wollen. Manchmal fühle ich mich wie Don Quijote nur sehe ich die Windmühlen nicht. Aber wie sagte Thomas Mann so richtig: „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.“

#291: Ohne Worte beim Namen nennen

Der Gastkommentar von Lévy in der gestrigen Presse hat mich sehr nachdenklich gestimmt, da auffordert etwas zu benennen, was so ungewollt, nicht vorhanden und längst verdrängt in Europa war – der Krieg. Er hat Europa erreicht. „Krieg also. Ein neuartiger Krieg. Ein Krieg mit und ohne Grenzen, mit und ohne Staat …“ (Lévy,2015)

Er fordert dazu auf, dass Ding beim Namen zu nennen, es zu benennen. Damit es begreifbar wird in all‘ seinen widerwärtigen Dimensionen.

Aber was heißt das für mich? Wenn der Krieg keine Grenzen hat und keinen Staat betrifft, wie soll und kann Österreich neutral sein? Was bedeutet das für die Zivilgesellschaft Europas? Keiner benennt die Konsequenzen. Einschränkung der Freiheit, Einschränkung der Demokratie, Einschränkung wovon?
Es ist ein neuartiger Krieg. Krieg, das Wort verschweigt so vieles, wovor wir einfach die Augen verschliessen wollen. Deswegen trifft uns Paris mehr, als es Beirut, Kenya, Libanon oder am Sinai tat. Der Krieg ist zu uns gekommen. Je suis … contre la peur … Immer noch, mehr denn je.

David Enoch schreibt in seinem Buch „Taking Morality Seriously“: „…we need normative truths. But how is this any reason at all to believe that there are such things? Perhaps you will establish that it would be nice if there were normative truths, or that we deeply want them to exist.“ (Enoch, p.56) Ich verstehe Lévys Argumente, aber wenn wir dem Krieg hier erlauben Krieg zu sein, dann haben wir in Europa verloren.

#289: It’s a Thank you for all mei Friends

Ein herzliches Danke! Der Tag war einfach grandios, und nein ich will nicht darüber sprechen und ja ich bin älter geworden und nein, es wird nicht im Detail besprochen und ja, es war durchaus in Ordnung. Nicht nur weil 6 jährige meinten, dass ich eh nicht so alt bin, bis auf ein Mädchen – es gibt immer jemanden, der aus der Reihe tanzen muss – dass meinte, dass ich ein bisi alt bin. Hallo?!!!! Was heißt hier ein bisschen?

Ich habe von meiner Mama einen original Kartoffelstrudel bekommen (das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen). Meine Mama hat nach dem neuen Ofen von Miele den Backofen in den letzten 15 Jahren nicht mehr benutzt. Und meine Mama hat den besten Strudel ever gemacht. Als ich das in der Früh gehört habe, standen mir wirklich Tränen in den Augen. Da merkt man einfach wie sehr einem Eltern (Mamas) wirklich lieben.

Und es haben meine Nachbarinnen mich besungen, obwohl der der Herr Invalid-Hummel jederzeit uns beflegeln könnte (ob der Lautstärke). Zusätzlich haben so viele an mich gedacht, mir geschrieben oder mit mir gesprochen. Es ist das beste, was einem einfach passieren kann, zu merken wievielen Menschen man etwas bedeutet. Was gibt es wichtigeres im Leben? Ich glaube NICHTS.

#288: Wenn einer feiert,

dann feiern im besten Fall alle anderen mit! Nachdem mein großer kleiner Mann jetzt 6 Jahre alt wurde, haben wir wieder eine Prater-Fussball-Picknick-Party veranstaltet. Wie schon letztes Jahr platzierten wir uns gegenüber bei der Piraterfee auf der Wiese mit unseren „Fress-Wagerln“ und Picknick-decken. Dazugelernt vom letzten Jahr haben wir uns 2 Tische organisiert und 2 Fussballtore gekauft.

Ab 11 Uhr ging es los und bis 16 Uhr trotz recht feuchtem Wetter, es hat nämlich immer wieder so ein bisserl genieselt, haben wir durchgefeiert mit Fußball, Essen, Trinken und natürlich Geschenken. Am Vorabend habe ich ein Hüftsteak mit Schwarzbier und viel Zwiebeln, Kürbis und Gewürzen in den Ofen geschoben und bei 75 Grad bis am nächsten Tag 10 Uhr durchschmoren lassen. In der Früh ab 8 Uhr galt es noch ein paar Kilo Hühnerschnitzerln zu panieren, Bio Rauchschinken und Salami zu schneiden und den Kindersekt, wie Prosecco einzupacken, der schon gekühlt auf der Terrasse stand. Es war alles weg, sogar ein Großteil der Schokoladen-Nutella-Oreo Torte, die die Kinder und ich am Vortag gebacken haben.

Und damit sich das Essen auszahlte, für Kinder und Erwachsene, haben wir wirklich fleissig Fussball gespielt. Sogar wir ganz Großen haben uns reingelegt und manchmal uns mit den Stöpseln angelegt, die sowieso mehr Kondition und Können auf das Spielfeld gelegt hatten. Was als Frau interessant zu beobachten ist, ist die männliche „Ich-hau-mich-rein-und-nehm-das-ur-ernst“ Eigenschaft aus einem Erwachsenen-Kind-Spiel ein Erwachsenen-Erwachsenen-Kind-(Mit)Spiel zu machen. Aber unsere flexible Spielweise durchkreuzte sowieso jegliche „Gewinnermentalität“, da wir mal in der einen oder dann in der anderen Mannschaft gespielt hatten.

Diese Art des Geburtstagsfeierns ermöglicht weit mehr als nur schnell mal feiern. Der Tag ist nicht vorgeplant mit festgesetzten Terminen und Aktivitäten. Es geht um Zeit, die man/er mit denen verbringt, die er um sich haben will. Es ist eine wunderbare Möglichkeit für uns Eltern und Familie mit Freunden Zeit zu verbringen und zwar viel bewusster, weil es einmal nicht um einen Selbst geht.