#333: Gökce

Wie faßt man einen Abschied in richtige Worte? Gibt es dafür überhaupt Worte, die beschreiben können, wie traurig, hilflos und wütend ich mich fühl(t)e?

Ich habe am Freitag meine letzten Worte an meine Freundin Gökce in die Tat umgesetzt. Als sie noch gesund war sind wir gerne tanzen gegangen, free-style und mit voller Leidenschaft und es war uns ganz gleich, ob die Tanzfläche voll oder leer war. Ich erinnere mich noch, als wir im technischen Museum ganz alleine auf der Tanzfläche waren und zu Disco und 80er Jahre Musik getanzt und gesungen und mit weiten Armen das Leben umarmt haben, weil es ging.

Am Freitag habe ich zu ihr gesagt, dass sie für mich dort, wo sie hingeht für mich abtanzen soll, so wie wir es früher getan haben. Sie hat gelächelt. Am Freitag bin ich am Abend, nachdem ich fahrig und unruhig in der Wohnung herumgelaufen bin, ins Orpheum gegangen und habe zu Disco und 80er getanzt, manchmal mit Tränen in den Augen oder auch wütenden Schritten, aber ich habe getanzt und gesungen. Meine Arme konnte ich nicht ausbreiten, es ging einfach nicht.

Am Freitag habe ich am Heimweg viele Erinnerungen hervorgeholt, viele Gute und auch viele nicht so Gute, als wir auch weniger miteinander redeten. Gott sei Dank haben wir die letzten 3 Jahre sehr viel miteinander gesprochen, seitdem die Diagnose „begrenztes Zeitfenster“ bekannt war. Und Gökces‘ Kampf war unglaublich, immer noch ging ein bißchen mehr und länger, nur um soviel Zeit als möglich mit ihren Kindern zu haben.

Am Freitag habe ich dich zum letzten Mal im Spital besucht, und es macht mich glücklich dich zum „Lachen“ gebracht zu haben die letzten Tage. Das war ein Teil meiner Rolle, nicht weinen und trauern für das was wir verlieren, sondern da zu sein für dich und dich abzulenken, das Leben nicht so ernst zu nehmen. Ich habe dann trotzdem geweint, aber so, dass du es nicht gesehen hast.

Am Freitag habe ich mich verabschiedet von unserer gemeinsamen Zeit, aber nicht von unserer Freundschaft, die lebt weiter in deinen zwei Kindern.

#332: Der Sommer ist wohl vorüber

Nicht nur, dass es regnet und ich seit gestern dieses Bedürfnis verspüre mich unter eine kuschelige Decke mit Tee und Buch zu verschanzen, so ist es auch die Tatsache, dass ich eine Kürbiscremesuppe – die übrigens ausgezeichnet geworden ist – gekocht habe, die mir vor Augen führt, dass ich im Herbst angekommen bin.

Der erste untrügerische Hinweis kam aber nach der Rückfahrt von Jesolo am 02. September als ich in Villach aus dem Auto ausstieg und in meinen Flip Flops fror (bei 12 Grad) und meine Zehen Uboot spielen durften. Aber trotzdem der Umstieg von Warm auf Kalt und Italien auf Schule und Pasta auf Suppe immer ein wirklich harter ist, so liebe ich es die letzten Tage vor dem kommenden alltäglichen Wahnsinn in Italien zu verbringen.

Diesmal sogar etwas verändert, da wir bevor wir an den Strand von Jesolo fuhren noch das Friaul entdeckten. Auf dem Weingut Colutta gibt es ein paar Appartements und noch wesentlich wichtiger für die Kinder einen Pool. Nicht nur, dass der Weinbauer ein Apotheker ist, der sich nur akademisch der Familientradition beugte, so ist er es auch leidenschaftlich und versucht vor allem traditionelle Trauben, wie den Ribolla Gialla oder Schiopettino, anzubauen. Am zweiten Tag lud er uns alle gleich zu einer Verkostung ein, selbst die Kinder durften ihre Nasen und Zungen in die Gläser stecken. Zu sehen und zu schmecken wie Wein geerntet und verarbeitet wird, ist ein Erlebnis und noch viel beeindruckender wird es, wenn auch der Weinbauer mit so viel Liebe und Engagement von seinen Nachhaltigkeitsprojekten spricht.

Somit um eine Erfahrung reicher und auch Friaul hat wunderbare Orte zu entdecken, sei es Cividale des Friuli, wo man einfach einen Schlüssel in die Hand gedrückt bekommt und sich kostenlos Katakomben ansehen kann. Und wer Glück hat, so wie wir, besucht am 4ten Sonntag im Monat den „il baule del diavolo“. Einen Markt voll mit Antiquitäten und alten Gebrauchsgegenständen, aber ohne den fernöstlichen Kitsch, den man heute auf Flohmärkten findet. Dieser Markt zieht sich durch die ganze Stadt und ist ein Erlebnis für sich. Dazwischen setzt man sich am besten in ein kleines Café und genießt das Treiben der Italiener.

Am besten genießt man Italien sowieso immer bei Café, Wein und gutem Essen und das wissen mittlerweile auch Kind 1 und 2 zu schätzen und sind entweder auf der Suche nach dem besten Tiramisu, Gelatto oder Pasta al Ragu.

#331: es ist so weit

Vorgestern hielt ich meiner Prinzessin die fast neuen schwarzen Sneakers unter die Nase und sagte:“So will ich, dass die Schuhe aussehen.“

Davor bin ich mit Schuhputzzeug bewaffnet und der Glanzbürste in der offenen Türe gesessen und habe die Schuhe geputzt. Eigentlich eine traumatische Erinnerung für mich, da mein Vater seine und unsere Schuhe wöchentlich putzte, ganz gleich, wie schmutzig oder sauber sie waren. Weil seine Schuhe waren immer sauber und glänzend, während die Meinigen und die von meinem Bruder im Staubmantel eingehüllt waren und immer so grau-schwarze Flecken aufwiesen. Und jedes Mal nach diesem Putzen, welches wir von der Aussenlinie mitansehen mussten, damit wir auch lernen, wie das Schuhputzen funktioniert, sagte mein Vater: „So will ich, dass die Schuhe aussehen.“ Und jedes Mal verdrehte ich gefühlt tausend Mal die Augen, weil ich mir dachte, dass sie doch eh gleich wieder in Staub gehüllt sind.

Und dann passiert mir das! Ich übernehme diese Angewohnheit meines Vaters, der seine Schuhe selbst jetzt noch regelmässig putzt, die er anscheinend schleichend in mich eingepflanzt hat. Es passierte langsam und ohne jeglichen Hinweisen. Ich merkte einfach, dass nachdem meine Prinzessin die gleiche Schuhgröße, wie ich hat, es mich störte, dass wenn sie meine/unseren Sneaker anzog, sie sowohl ausgebeult als auch schmutzig waren. Ok, ich schlupfe auch gerne in zugemachte Schuhe hinein, aber ich mache das vorsichtig, glaube ich zumindest. Wenigstens das hat sich nicht geändert.

Der Schuhputz-Fetischismus hat sich zumindest nicht zur Gänze übertragen. Ich verwende keine Strecker und fahre auch nicht durch Wien, um Colonil (wer es noch kennt) zum Putzen zu kaufen. Aber wenn ich meinem Papa erzählen würde, dass ich für die Innensohle bei Sommerschuhen eine Pflege habe, wäre er wahnsinnig stolz auf mich, weniger, dass ich sie kaum bis selten nutze. Überhaupt bin ich viel lockerer, wenn ich jetzt so darüber nachdenke. Nur wenn die Prinzessin meine Schuhe ausborgen will, dann hole ich gerne die Weisheiten meines Vaters hervor.

#328: Spam Emails die Zweite

Anscheinend bin ich gerade wieder in einem Datenkontingent gelandet, wo MBs dieser Welt für dumm verkauft werden sollen. Diesmal von Frau Agusta Phil, die mir in ihrer aller größten altruistischen Liebe zum Nächsten rd. 20 Prozent von 8 Mio Euro schenken will.

Daher auch über diesen Weg, wie auch direkt per Email meine Antwort:

Liebe Fr. Phil,

Sie haben die richtige Person für Ihre Schenkung auserwählt. Ich liebe nämlich Philosophie und Phil wird auch in unserem Jargon gerne als Abkürzung für Philosophie verwendet. Ich glaube, dass dies eine Fügung war und Sie einfach wußten, dass wir hier eine Gemeinsamkeit haben. Und sie machen es absolut richtig, schon Platon war der Meinung, dass zu viel Geld einem von seinem gerechten Weg wegführt. Somit bin ich Ihnen auch äußerst dankbar, dass Sie nur 20 % von 8 Millionen Euro (so viel ist es in meiner Währung umgerechnet) mir geben wollen.

1,6 Millionen Euro sind aber auf der anderen Seite vielleicht etwas zu wenig für die großartigen Dinge, die ich plane. Vielleicht könnten wir uns ja auch auf 1/4 oder 25 % einigen. Und ich schwöre Ihnen, dass ich diese Angelegenheiten komplett vertraulich behandeln werde. Wir wollen ja nicht, dass korrupte und unehrliche Menschen so Altruisten, wie Sie, einfach ausnutzen.

Darf ich Sie so unverschämt fragen, was sie für die restlichen 75 % geplant haben? Vielleicht kann ich Sie ja hier unterstützen, ich kann hier sehr kreativ sein. So will der Sohn von Freunden von uns gerne Künstler werden, und so eine Karriere zu fördern, kann doch sehr sinnvoll sein. Und ich würde dafür das Management übernehmen, wie auch das gespendete Geld verwalten, damit ja nichts passieren kann. Wenn ich so darüber nachdenke, gibt es da einiges zu tun, wo ich Ihnen garantieren kann, dass Sie mit Ihrem Geld viel Freude schenken können.
Wenn ich Sie überzeugt habe, dann kommen Sie doch einfach nach Wien, am Flughafen holen Sie mit Sicherheit sehr nette Personen ab. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Sie sogar Schutzpersonen mit Uniform erwarten würden. Weil so viel Geld muss beschützt werden.

Ich freue mich von Ihnen zu hören,

….

Falls jemand auch Ideen für sinnvolle Projekte hat: Hier das Original Mail:

Hallo Freund, ich bin Frau Agusta Phil und ich habe Ihre E-Mail aus
dem Online-Verzeichnis. Ich möchte die Summe (£ 6,8 Millionen GBP)
für Sie für Wohltätigkeitsziele zu spenden. 20% der Mittel ist Ihr,
wenn Sie bereit sind, die Aufgabe zu implementieren. Wenn dieser
Vorschlag mit Ihnen in Ordnung ist und Sie nicht wollen, um mein
Vertrauen zu nutzen, bitte antworten Sie auf: agustaphil12@gmail.com
für weitere Details. Vielen Dank für Ihre Zeit und halten Sie es aus
Sicherheitsgründen vertraulich. Grüße, Frau Agusta Phil

#327: An alle Irinas dieser Welt

Ich habe gestern zum gefühlt Tausendsten Mal eine Email von einer willigen russischen (?) Frau erhalten, diesmal von Irina, dann hat mir auch schon Ivanka, Ivana und so weiter geschrieben.

Der Beginn ihrer Emails ist fast immer gleichbleibend:
„Hallo! Ich habe Deine E-Mail-Adresse durch Online-Dating gekriegt.
Erinnerst Du Dich an mich? Ich schicke Dir ein Fotografien von mir.
Was denkst Du ueber mich? Hat es Dir gefallen, wie ich aussehe? …“

In Zeiten von intelligenten Systemen, Hackern und Co verstehe ich nicht, warum ich als Frau eine mehr als eindeutig zweideutige Email erhalte. Ich nutze keine verklausulierte Emails, wie willig@ oder offenfür@, meine Email besteht aus meinem Namen, ganz spiessig und konservativ. Aber vielleicht ist auch Irina ein bißchen bi und Ivanka und Ivana auch. Ich hoffe nur für sie, dass im prüden Russland niemand über ihre ambivalenten Ambitionen Bescheid weiß.

Also liebe Irina, ich möchte Euch ein paar Tipps geben, wie es vielleicht bei dem Nächsten oder der Nächsten besser funktioniert:

1. Keine willentlichen und peinlichen Grammatik und Rechtschreibfehler: Ich schicke Dir ein Fotografien von mir … Du willst Geld von deinem Zukünftigen oder deiner Zukünftigen, somit ist vielleicht Naivität gut, aber Dummheit? Es reicht doch einfach zu schreiben ich schicke dir ein Foto oder Fotos.

2. Hat es Dir gefallen, wie ich aussehe? Wie würdest du dich fühlen, wenn ich sage Nein? Als Frau fragt man das nicht und wenn wir den ganzen Datingbibeln Glauben wollen, dann verschreckt das einen Mann. Weil was ist dann die nächste Frage? Findest Du, dass ich dick bin? Alleine diese Frage senkt die Antwortwahrscheinlichkeit auf gegen 0 %. Vor allem, das das beigefügte Foto viel zu wenig offenherzig ist, als dass es jetzt irgendjemanden aufgeilen könnte. Blond, Ostblock und zu viel angezogen.

3. Die Frage „erinnerst du dich an mich“ ähnelt sehr der „sehe ich gut aus“. Wer sich auf Datingplattformen herumtreibt und scheinbar nicht weiter kontaktiert wird, sollte sich fragen, ob die andere Person wirklich auf sie steht. Daher würde ein „erinnerst du dich an mich“ mir eher gruselig vorkommen.

Liebe Irinas und Co, es sind vielleicht nur kleine erste Hinweise, aber nehmt sie ernst. Oder vielleicht sollten sich die Hintermänner dieser Betrüger-Spam-Emails einfach einmal mit klassischem Direct Marketing beschäftigen. Aber vielleicht auch besser nicht.

#325: Magersucht

Dieses Wochenende erzählte mir meine 13 jährige Tochter, dass eine Schulfreundin aus der Volksschule letztes Jahr im Spital lag. Mit 12 Jahren mußte sie für ein Monat in ein Krankenhaus, da sie an Magersucht leidet. Ich kenne dieses Mädchen und es war eigentlich immer recht dünn, groß und schlaksig und bei weitem davon entfernt gewesen „dick“ zu werden. Beim letztjährigen Sommerfest der Volksschule, wo sich die Ehemaligen getroffen haben, war schon zu erkennen, dass vor allem die Mädchen einen Schritt in Richtung junge Frau zu unternehmen versuchten. Die ersten Schminkversuche, Haarstylings oder extravaganten Fashion-Statements riefen den anderen Kindern zu, seht mich an, ich bin kein Volksschulkind mehr, sondern so jugendlich cool.

Aber ich gebe zu, dass ich trotzdem nicht im Entferntesten daran gedacht hätte, dass so junge Mädchen schon einen Magenwahn entwickeln würden. Für mich war das eher ein Thema ab 15/16 und eben noch älter. Heute leidet jedes dritte Mädchen schon unter Magersucht, ein erschreckendes Phänomen, da ich ganz viele Freundinnen meine Tochter kenne und wenn ich hier beginne durchzuzählen …

Und ich darf mein Mädchen nicht vergessen. Mein Glück ist, dass sie zum Beispiel die Klums-Shows dieser Welt nicht ansieht, noch nie, und nicht, dass ich den Klums dieser Welt die Schuld gebe, jedoch sind die Spiele um Schlankheit um jeden Preis, wie die Tribute von Panem, die mit der besten Show wird gewinnen. Trotzdem ist sie, wie auch die anderen, mit ständigen neuen besseren Ernährungskonzepten konfrontiert. Detox da, Veganismus hier, Zucker pfui, Low Carb hui, um nur einige der Themen zu nennen.

Gerade durch dieses Extrembeispiel haben wir bewußt versucht über das Schlanksein zu reden, und warum frisches, gesundes Essen wichtig ist, aber auch wie wunderbar Schokolade, Eis oder Chips sind. Das Gute ist, dass meine Prinzessin Essen genießt und sie es nicht verstehen kann, wie man nicht mehr essen will. So hat ihr ihre Freundin zurückgeschrieben, dass sie zwar wieder zu Hause ist, aber das mit dem Essen ist nicht so einfach, weil sie es nicht gewöhnt ist.

Wir als Erwachsene sind viel zu oft ein negatives Vorbild, indem wir die x-te Diät machen, nicht zuhören und vielleicht es auch nicht ernst nehmen, wenn vom perfekten Körper gesprochen wird. Was ist schon perfekt? Und da hilft es auch nicht zu sagen, dass es einmal die Rubensfrauen waren. Heute ist eben heute und da geht es um den Abstand zwischen den Oberschenkeln, dem flachen Bauch, den festen Brüsten und so weiter und so fort.

Ich stelle mich manchmal nackt neben meine Tochter und zeige ihr, wo ich mich auch nicht so besonders mag, aber dass die Natur nun einmal in Absprache mit meinen Essgewohnheiten sich dazu entschlossen hat (klug von mir die Verantwortung auszulagern *grins*) eben ein Bäuchlein zu bilden, Dellen in den Oberschenkeln zu haben oder Winkeärmel vorweisen zu können. Und ich hoffe, dass meine Prinzessin das Essen mehr liebt, als den Schlankwahnsinn.

#322: Der echte Wiener kommt aus über der Donau

Heute beim Vogelbauer, einem Heurigen mit Bier in Donaustadt, habe ich heute Abend echte Wiener getroffen. Freitagabend treffen sich regelmässig ein paar Herren auf ein paar Bier und anschließend Weiße 8terln beim ansässigen Heurigen in der Donaustadt. Man kann gar nicht weghören, wenn die Herren miteinander reden, weil es einerseits sehr laut und andererseits mehr als unterhaltsam ist.

Jegliches Unterhaltungsfernsehen, Kabarett kann weder die Sprache noch die Themen nachempfinden, die ich mithören konnte. Ganz gleich, ob es darum ging, dass der Prohaska findet, dass der F. ein Trottel ist, weil er sich mit Trotteln trifft, oder man gleich mal vornweg zum „Motschkern“ (Bitchen in neuer Sprache 2017.2.0 oder bekannt auch als Suddern oder Stänkern …) anfangen mußte, weil der Wirt den Gast ignorierte, als er ein Krügerl Bier bestellte. Die Herren bestehend aus 3 Männern, teilte sich auf in Einen, der immer kalmieren wollte und entweder A oder B nachredete, A der immer alles besser wußte und B, der A immer sagte, dass er falsch liegt und eh nix weiß.

Höhepunkte waren wohl immer, wenn B in voller Lautstärke „klein“ beigab, weil es eh keinen Sinn macht mit dem Trottel von A zu Diskutieren und A sowieso immer gegen alles war, was B sagte. Ich glaube, dass ist auch einer der Gründe, warum A ein Smartphone mit Google nutzte, um B zu widerlegen. (Was eigentlich wenig funktionierte.)

Großartig für uns wurde es, als wir in die Diskussion hineinbezogen wurden, wie es um die Monarchie ging. Wer sich jetzt wann und wo umbrachte bzw. umgebracht wurde. Ich hatte es ja gut als Donaustädterin, wobei eine Differenzierung in Kagranerin, Stadlauerin usw. durchaus sinnvoll gewesen wäre, aber beim T. wurde es schwieriger, weil er aus Favoriten kam und eiskalt als zurgraster Ziegelböhm heuabqualifiziert wurde. Aber man hoffe, dass er wenigstens eine böhmische Großmutter habe.

Auch die Diskussionen über die Kochqualitäten oder Rezepte zeigten den Wiener Ursprung, nämlich, ob jetzt ein Erdäpfelgulasch mit doppelt geräucherter Dürre (die ja eh nur mehr der Prolet ißt) oder mit Bärenhäutl gemacht werden darf. Oder wie es mit dem Köch aussieht. All‘ diese Mahlzeiten ißt ja nur der einfache Mann, weil wir Jungen, falls es jemand nicht weiß, ißt hauptsächlich Fisch und solche Sachen. (So viel zum Thema Vorurteile)
Auch das Internet ist eigentlich (ja der Sprung war auch für mich herausfordernd) nur für die Jungen, weil wie soll der Pensionist noch mit Firmen kommunizieren, außer sie anzurufen, wenn man kein Internetz hat.

Ich war mir aber 100 Prozent sicher, dass ich es mit wirklichen und echten Wienern zu tun hatte, als sie vom Ferdl sprachen. Weil den Ferdl kenne ich nur vom Wiener und seinen Erzählungen. Und in den Erzählungen der 3 Herren war der Ferdl zwar schon weit über 70, aber hatte immer noch seine „Hasn“ am Laufen.

#319: Gefühle mal anders

In den letzten Monaten habe ich viel gelernt über die Welt meines Sohnes, aber auch über meine Welt und dem, was für uns so selbstverständlich ist.

Hat man ein Kind, dass die Welt anders wahrnimmt, dann versucht man oft dem Kind die „normale“ Welt überzustülpen. So funktioniert sie nun einmal da draussen. So fällt man weniger auf und ist ein Teil der Gesellschaft. Ich weiß noch, wie oft ich gebetsmühlenartig versucht habe, ihm zu erklären, dass gewisse Dinge nun einmal so laufen müssen, wie sie laufen. Rede mit jemanden, wenn du etwas willst oder brauchst. Sei freundlich. Nein Handschuhe im Sommer zieht man nicht an. Es kommt die Winterzeit und es wird kalt, du mußt ein Unterleiberl anziehen.

Überhaupt rede ich sehr viel und erkläre ihm alles, oftmals bis ins kleinste Detail. Wo die Unterschiede liegen zwischen Begriffen, die für ihn qualitativ noch keinen Unterschied erkennen lassen. Als er noch klein war, sagt mir eine Ärztin einmal ich rede zu viel, da er meine Sprache nicht spricht. Ich denke, dass sie recht hatte, was die Sprache betraf, aber nicht mit dem Reden. Als wir in der Soko-Gruppe (Sozialkompetenzgruppe) die Aufgabe bekamen ein Spiel zu spielen, wo es um Gefühle ging, die darzustellen und zu beschreiben sind, war eines offensichtlich. Mein Jr. kann Gefühle großartig und detailliert beschreiben und auch in welchen Situationen sie vorkommen, aber vor allem die negativen Gefühle, wie Ärger, Wut, Zorn sehen für ihn persönlich nicht nur gleich aus, sondern fühlen sich auch gleich an und können nicht differenziert werden. Positive Gefühle werden kaum wahrgenommen, wobei es nicht so ist, dass es diese nicht gibt, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass er diesen Gefühlen misstraut und sie nicht greifen und fassen kann.

Als wir uns im Kino „Alles steht Kopf“ angesehen haben, hat ihm der Film irrsinnig gut gefallen, es war fast so, als ob ihm ein Licht aufgegangen wäre, es war auch das erste Mal, dass er sich selbst als hauptsächlich „rot“ und ab und zu grünen Lichtblitzen beschrieben hat. Wut, Ärger und Zorn werden nach aussen hin sichtbar und erlebbar werden, ganz gleich, ob ich jemanden anschreie, etwas kaputtmache oder ihn körperlich „angreife“. Das Spüren der Emotion wird erlebbar. Glück, Freude und Liebe sind zart, verletzlich und nicht immer greifbar. Deswegen ist es umso schöner, wenn mein Sohn sich auf meinen Schoß setzt und zaghaft seine Hand in Richtung Hals bewegt, um dort liegen zu bleiben. Manchmal wird die Hand auch gedreht, damit jede Seite meine Haut berühren kann.

Heute verstehe ich die Welt anders.

#318: Gelassenheit

Am 13. 02. 2017 habe ich einen ausgezeichneten Radiobeitrag auf Ö1 gehört, der sich mit dem Thema Gelassenheit beschäftigt hat und versucht nicht nur eine Abgrenzung zur Gleichgültigkeit zu skizzieren, sondern auch aufzeigt, wie sehr wir im Heute damit beschäftigt sind, gelassen zu sein. Diese Sehnsucht nach einer anderen Haltung zu sich selbst und zur Welt ist omnipräsent.

In der Philosophie findet sich die Gelassenheit in sich selbst und doch können wir anscheinend viel zu selten darauf zugreifen. Wir sind getrieben, getrieben optimal zu funktionieren und zwar schon lange nicht mehr nur durch unser berufliches Umfeld, sondern vor allem durch äußere Werte, die Menschen wie Ersatzreligionen und Ersatzwerte vor sich hertragen.

Dabei geht es viel mehr um ein Loslassen und ein Emanzipieren von festgefahrenen Bildern und Vorstellungen. Nietzsche sieht in der Gelassenheit die Fähigkeit, dass der Mensch sich selbst Werte setzen kann. Aber wo finden wir unsere Bezugssysteme? Ich habe oftmals das Gefühl, dass kleine Dinge auf einmal wahnsinnig groß werden.

Noch gesünder essen, noch gesünder leben, noch dünner werden. Wir fokussieren uns auf die Kindererziehung und tun noch mehr, besser, gesünder und planen unser Leben rund um die Verwirklichung des optimalen kleinen Menschen. Fürchten uns vor den anderen und folgen Verschwörungstheorien oder nennen sie alternative Realitäten.

Ich mag diesem Denken nicht folgen. Ich kann Heidegger durchaus zustimmen, dass Denken in rechnendes und besinnliches Denken unterteilt werden kann. Während rechnendes Denken von einer Chance zur Nächsten hetzt und nie still steht und sich selbst als auch den Denkenden „ver“waltet, so ist das besinnliche Denken von Reife gekennzeichnet und wesentlich anstrengender. Wir benötigen beide Arten des Denken, damit wir alltagstauglich sind.

Aber ich bemerke, dass ich mich heute ungleich mehr darüber ärgere, dass immer mehr Menschen sich nur mehr im Denken hetzen, als ich es früher getan habe. Werde ich alt? Vielleicht intoleranter?!

Gelassener zu leben ist in einer Gesellschaft, die sich ständig zu optimieren versucht, nicht einfach.

Natürlich will ich gesund leben, aber auch be-sinnlich.
Ich will eine gute Mutter sein und scheitere sowieso schon an meinem eigenen inneren Perfektionismus, daher sich selbst zu besinnen ist wesentlich wichtiger, als dem Mittel der anderen zu folgen.
In der beruflichen Welt will ich mein Bestes geben, ohne Angst und Druck, fast aussichtslos, wenn ich um mich herum schaue.
Und dann ist da noch die Familie und der innere Freundeskreis und ich traue mich zu sagen, dass ich hier gelassen sein kann. Durchaus anstrengend und nie einfach, um dann in seinem Nachdenken für/um/mit sie/ihnen eine Leichtigkeit zu haben, die von Gelassenheit nur so durchströmt ist.

#314: Reisebericht – Sardinien

Manchmal muss man etwas sacken lassen, um es dann nochmals sich in Erinnerung zu rufen. Was waren die beeindruckendsten Erlebnisse, Orte und Geschmäcker? Wo würde ich wieder hinfahren? Und welche Spuren hat Sardinien hinterlassen?

Sardinien ist wunderschön und in den zwei 1/2 Wochen ist es natürlich nicht möglich alles zu sehen und zu besichtigen. Einer der Gründe ist, dass im Gegensatz zu Sizilien, wo die Autobahnen alle möglichen Ecken und Enden miteinander verbinden, auf Sardinien dies nicht der Fall ist und wir den „Fehler“ gemacht haben, uns für die gesamte Urlaubszeit ein Quartier zu nehmen. Fehler, deshalb unter Anführungszeichen, weil es einem die Möglichkeit gibt die nähere Region besser kennenzulernen. In unserem Fall war das der Norden, von Alghero bis hin nach Porto Cervo und dem nördlichen Innenland.

Und es scheint so, dass wirklich jede Bucht anders ist, ob vom weißen Kiesstrand auf Stintino und dem türkisblauen Meer hin zum feinen Sandstrand bei Castelsardo. Aber wir hatten sogar Kiesstrand bei Santa Teresa mit meterhohen Algenburgen, die von den Italienern aus dem Meer gefischt wurden.

Meine persönlichen Top 10:

1. Alghero: Eine wunderschöne Hafenstadt mit türkisblauem Meer. Sensationellem Granita. Eine wunderschöne Mischung aus spanisch-italienischem Flair. Man erkennt eindeutig, woher die Einflüsse dieser Stadt kommen.

2. Die Neptunsgrotte mit über 300 Stufen ist nicht weit entfernt von Alghero, daher macht es definitiv Sinn hinzufahren. Es gibt die Möglichkeit mit dem Boot die Grotte zu erreichen, aber man wird mit so einem wunderbaren Ausblick belohnt, dass es die Mühe und Anstrengung wert war! Außerdem bekommt man einen knackigen Po vom Stiegensteigen! Was ich gelernt habe, WASSER mitnehmen immer und überall und viel.

3. Stintino: Ein weißer Strand mit so einem türkisgrünen Meer, wie ich es nur von Ansichtskarten kannte. Außerdem war das Meer ausreichend warm (ok, war ja auch schon Juli), und ich schwamm und schnorchelte mit der Prinzessin und dem Junior. Dabei entdeckten wir einen Seestern, den wir natürlich nicht mitgenommen haben, viele Fische und obwohl wir jetzt nicht die klassischen Strandgeher sind, war das einer der wenigen Strände, wo wir wirklich lange geblieben sind.

4. Strandsessel und -schirm: Diese kleinen Plastikstrandsessel und Strandaccessoires gibt es mit Sicherheit überall in Italien, aber ich habe sie hier auf Sardinien entdeckt und mich dafür begeistert. Der Sessel ist eine kleine – aber sehr stabile Version – eines Liegesessels in allen möglichen bunten Popfarben. Am Strand wollten sie 15 Euro, aber da dort kein Handeln möglich war, und ich wußte, dass sie in Castelsardo um 9 Euro verkauft wurden, habe ich sie dann dort erstanden. Zum Sonnenschirm, den wir im Carrefour gekauft haben, erstanden wir dann eine Schirmhalterung, die wie eine Schraube in den Sand gedreht wurde (2 Euro 50). Wie die Einheimischen sind wir dann bestens ausgerüstet zu den besten Plätzen gegangen und haben uns ausgebreitet. Pah, wer braucht schon sauteure Liegen, wenn wir uns unser eigenes Reich geschaffen hatten.

5. Sassari – und seine Kichererbsen-Fladen: Essen gehen in die Panefratteria, wir waren sogar zwei Mal dort! Es ist ähnlich einer Pizza, nur besteht der Grundteig aus Kichererbsen und ist somit weicher in seiner Konsistenz. Zu 7t haben wir uns zwei Vorspeisenteller bestellt, die wir kaum aufessen konnten. Die Besitzerin war sehr entzückend, da meine Prinzessin Oliven liebt, hat sie ihr ein eigenes Schüsselchen hingestellt (ohne extra zu verrechnen).

6. Sassari – und die 13 Aposteln: Santa Trinita di Sacarggia, eine Kirche im Nirgendwo mit schwarz-weißen Basaltstreifen ragt dir Kirche in den Himmel und vermittelt den Eindruck, als ob sie nicht wirklich hierher gehören würde. An den Säulen begrüßen einen übergroße Fledermäuse und Kühe. Und innen findet sich ein Fresko mit 13 Aposteln und einem Bildnis, dass nicht nur den Himmel zeigt, sondern auch die Hölle.

7. Cagliari – und noch eine Kirche: Ich habe eine gewisse Schwäche für Kirchen, ich gebe es zu. Aber auch die Prinzessin, wobei man jetzt schon die pubertäre Unwilligkeit teilweise merkt, und der Junior gehen mit einer Begeisterung auf Entdeckungsreise in Kirchen hinein. Begonnen hat ja eigentlich unsere Kirchenliebhaberei mit Notre Dame in Paris, wo ich der Principessa – damals sehr süß und klein – die Kirche als Ort von Geschichten und Schätzen erklärt habe. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. In Cagliari und seiner Kathedrale war es vor allem die Krypta, die uns fasziniert hat. Dort befinden sich über 170 Reliquien von Märtyrern, quasi das Pannini Sammelalbum der Kirche. Und wir haben eine Inschrift entdeckt, dass eine Tochter von Maria Theresia hier begraben sei.

8. Cagliari – Gelati: Selten so gutes Eis gegessen. Stefino ist wirklich die Adresse, wo man hinsollte!

9. Wein: In Olbia waren wir im „Vino Veritas“ einer kleinen Weinbar, die die besten Winzer der Insel kredenzen. Für mich habe ich dabei folgendes entdeckt: Vermentino, der sardische grüne Veltliner. Beim ersten Mal kosten wußte ich nicht, ob ich ihn mag, oder ob er grausig ist. Vor allem, weil er mich teilweise an Sliwowitz erinnerte. Nieddera ist ein Rosewein und es gibt aus der Traube noch bessere, aber trotzdem hat mich dieser Wein wirklich begeistert. Und Malvasia! Eigentlich kenne ich den Wein nur aus Kroatien, aber die Malvasia Traube ist eine typische südliche Traube, die es auch auf Sardinien gibt.

10. Strände: Es gibt viele Buchten und kleine Strände, wo vielleicht gerade einmal eine Handvoll Leute zu finden sind. Während zum Beispiel in Santa Teresa der Strand mit Badegästen überfüllt war, konnten wir ein paar Kilometer weiter uns in Ruhe ausbreiten und die Wellen geniessen.

Sardinien bietet für jeden etwas und ist auf jeden Fall eine Reise wert gewesen.