#345: Zombie-Apokalypse oder Lagerkoller Teil 3

Ich schreibe ja für mein Leben, nämlich nicht nur gerne, sondern auch für Geld und in Zeiten wie diesen, ist es weniger. Viel weniger, aber Gott sei Dank – wobei ein Danke in diese Richtung in Zeiten wie diesen eher vergebene Liebesmüh sind – gibt es noch ein paar kleine und feine Aufträge. Aber mein Junior schaut auf mich und ist jetzt mein Hauptauftragsgeber.

An unserer Schule gibt es ja eine Art Freiarbeit und ich gebe zu, dass meine 16 jährige pubertierende Tochter sehr gut damit umgehen kann. Bis auf ein paar Schritte aus dem dunklen Zimmer sehe ich sie so kaum bis gar nicht. Heute habe ich sie gebeten doch Tageslicht in ihr Zimmer zu lassen, das das Arbeiten dann leichter fällt, sie hat dann die Jalousie doch tatsächlich 20 cm hinaufgerollt. Kurz habe ich befürchtet, dass sie zum Rauchen beginnt oder zu Staub zerfällt.

Die Erwartung, dass aber Freiarbeit bei einem 10 jährigen funktioniert, auch wenn er sie schon quasi 1 x gemacht hat, mag bei den Lehrern und Lehrerinnen hoch sein, ist jedoch eine Illusion. Wir machen noch immer täglich eine To-Do-Liste.

Ich bin in meiner persönlichen Hölle angekommen.

Und arbeiten dann täglich die Vorgaben ab. Ich erkläre ihm, dass auch, wenn es zu Beginn nach viel aussieht, es dann doch nicht sooooo dramatisch ist. Wir verbringen fast täglich mindestens 30 Minuten damit zu diskutieren, ob er das jetzt machen soll oder nicht. Wobei die kreativen Dinge, wie Videos machen oder Basteleien, die könnte er immer machen. NUR gibt es nicht nur kreative Videos, sondern Konstruktionen, Aufsätze und Skizzen.

Apropos Skizzen! Mich hat ja schon letzte Woche meine Freundin P gewarnt, dass wenn er zeichnen muss, ich einfach wegschauen soll. Der Drang dem Kind den Bleistift aus der Hand zu reissen, ist fast schon selbstzerstörerisch. Der Jr hat am Samstag eine Skizze zu Van Goghs Sonnenblummen machen müssen. Das Gute ist, dass er dieses Bild in London gesehen hat, das Schlechte ist, dass ist lange her. Das Gute ist, ich habe mir Ps Warnung zu Herzen genommen, das Schlechte ist, ich habe es nicht ganz geschafft und habe ihm zwar nicht den Bleistift aus der Hand gerissen, aber das Blatt und ihm ein Neues hingelegt.

Was es gibt auch Gutes zu berichten. Er schreibt sensationelle Emails mit seiner Englisch Professorin. Und zwar wirklich wirklich. Und er macht das gerne und freiwillig und ohne Murren. Vielleicht liegt es daran, dass er schreiben darf, dass er Marvel super findet und welche Filmfiguren seine Helden sind. Aber das ist mir ganz gleich.

#340: Wenn Nerven nerven

Vor 6 Wochen bin ich am rechten Handgelenk operiert worden, weil ich ein Karpaltunnelsyndrom habe. Dabei wird in den meisten Fällen der Nervus medianus (der mittlere Nerv) durch die Handwurzel eingeklemmt und geschädigt. Die Symptomatik ist vielfältig, entweder ein Kribbeln in der Hand oder die Hand bzw. der Arm schläft ein, aber auch Schmerzen oder Kraftlosigkeit der Hand bzw. des Armes.

Die Operation ist gut gelaufen und der Nerv wurde von einem Muskel befreit, da er nicht durch die Handwurzel eingeklemmt war, sondern durch einen gut ausgeprägten (!) Muskel in der Handfläche erdrückt wurde. So ein Muskel liegt normalerweise dort nicht. Er wird leider nicht nach mir benannt, diese Frage habe ich natürlich in den Raum geworfen. Interessant war auch, dass dieser Muskel ausgeprägt war. Ich mein, ich bin jetzt weder Bodybuilder, Muskelpaket oder sonst irgendwie super sportlich, warum ist ein Handmuskel ausgeprägt und die restliche Muskulatur befindet sich im Dauerkoma?

Weniger interessant waren die letzten 6 Wochen, die mir gezeigt haben, wie sehr ich als Rechtshänderin – aber Linksesserin – auf die Verwendung der rechten Hand angewiesen bin. Wie schwach die linke Hand ist und es mehr als unangenehm ist, sich helfen lassen zu müssen. Und man wird kreativ und sehr lösungsorientiert, was Hygiene, Essen und auch Arbeiten betrifft.

So ist das Schreiben ja meine Hauptleidenschaft und ich hatte in den letzten 4 Wochen auch 2 Arbeiten zu erledigen. Der Arzt hat mir verboten auch nur eine Tastatur zu bedienen, also was sollte ich tun? Ich habe mich mit Spracheingaben herumgespielt und muss sagen, dass die Google Sprachsteuerung, welche ich mit auf Google Chrome installiert habe, die wirklich Beste ist, vor allem ist sie kostenlos! Sie konnte mühelos mit meinem doch Österreichisch umgehen und hat selbst Fremdworte richtig geschrieben. Siri hat mich hingegen – da ich noch ein MacBook habe – in den Wahnsinn getrieben. Siri und ich mögen uns seitdem auch nicht mehr wirklich, ich habe sie alle möglichen Schimpfworte geheißen, welche sie sowieso nicht verstand: „Es tut mir leid, kannst du wiederholen, …“. ABER Sprachsteuerungen sind trotzdem nichts für mich, meine Gedanken und Worte scheinen vielmehr über meine Hände zu fließen, als über meinen Mund. Ich benötigte um ein Vielfaches länger, die Gedanken in gesprochene Worte zu überführen, als sie in einer Leichtigkeit einzutippen. Eine Erkenntnis, die mich doch erstaunt hatte, da ich mir immer vorgenommen hatte, einmal Texte oder Kapitel gehend anzusagen.

Jetzt bin ich froh, dass ich wieder meine Tastatur benutzen kann, die Buchstaben und Wörter fühle, wie sie langsam am Bildschirm erscheinen. Ein wunderbares Gefühl und auch wenn der Heilprozess noch nicht abgeschlossen ist, und einige Behandlungen anstehen, so bin ich glücklich wieder schreiben zu können.

#328: Spam Emails die Zweite

Anscheinend bin ich gerade wieder in einem Datenkontingent gelandet, wo MBs dieser Welt für dumm verkauft werden sollen. Diesmal von Frau Agusta Phil, die mir in ihrer aller größten altruistischen Liebe zum Nächsten rd. 20 Prozent von 8 Mio Euro schenken will.

Daher auch über diesen Weg, wie auch direkt per Email meine Antwort:

Liebe Fr. Phil,

Sie haben die richtige Person für Ihre Schenkung auserwählt. Ich liebe nämlich Philosophie und Phil wird auch in unserem Jargon gerne als Abkürzung für Philosophie verwendet. Ich glaube, dass dies eine Fügung war und Sie einfach wußten, dass wir hier eine Gemeinsamkeit haben. Und sie machen es absolut richtig, schon Platon war der Meinung, dass zu viel Geld einem von seinem gerechten Weg wegführt. Somit bin ich Ihnen auch äußerst dankbar, dass Sie nur 20 % von 8 Millionen Euro (so viel ist es in meiner Währung umgerechnet) mir geben wollen.

1,6 Millionen Euro sind aber auf der anderen Seite vielleicht etwas zu wenig für die großartigen Dinge, die ich plane. Vielleicht könnten wir uns ja auch auf 1/4 oder 25 % einigen. Und ich schwöre Ihnen, dass ich diese Angelegenheiten komplett vertraulich behandeln werde. Wir wollen ja nicht, dass korrupte und unehrliche Menschen so Altruisten, wie Sie, einfach ausnutzen.

Darf ich Sie so unverschämt fragen, was sie für die restlichen 75 % geplant haben? Vielleicht kann ich Sie ja hier unterstützen, ich kann hier sehr kreativ sein. So will der Sohn von Freunden von uns gerne Künstler werden, und so eine Karriere zu fördern, kann doch sehr sinnvoll sein. Und ich würde dafür das Management übernehmen, wie auch das gespendete Geld verwalten, damit ja nichts passieren kann. Wenn ich so darüber nachdenke, gibt es da einiges zu tun, wo ich Ihnen garantieren kann, dass Sie mit Ihrem Geld viel Freude schenken können.
Wenn ich Sie überzeugt habe, dann kommen Sie doch einfach nach Wien, am Flughafen holen Sie mit Sicherheit sehr nette Personen ab. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Sie sogar Schutzpersonen mit Uniform erwarten würden. Weil so viel Geld muss beschützt werden.

Ich freue mich von Ihnen zu hören,

….

Falls jemand auch Ideen für sinnvolle Projekte hat: Hier das Original Mail:

Hallo Freund, ich bin Frau Agusta Phil und ich habe Ihre E-Mail aus
dem Online-Verzeichnis. Ich möchte die Summe (£ 6,8 Millionen GBP)
für Sie für Wohltätigkeitsziele zu spenden. 20% der Mittel ist Ihr,
wenn Sie bereit sind, die Aufgabe zu implementieren. Wenn dieser
Vorschlag mit Ihnen in Ordnung ist und Sie nicht wollen, um mein
Vertrauen zu nutzen, bitte antworten Sie auf: agustaphil12@gmail.com
für weitere Details. Vielen Dank für Ihre Zeit und halten Sie es aus
Sicherheitsgründen vertraulich. Grüße, Frau Agusta Phil

#309: Wie viele Stunden braucht ein Tag?

Zur Zeit könnte mein Tag mehr Stunden vertragen, als tatsächlich vorhanden sind, vor allem da ein gewisses Schlafpensum notwendig ist, um zu funktionieren. Das eigentliche Problem liegt aber daran, dass ich versuche allem und vor allem meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Aufstehen – Mama sein: Kind 1 will frühstücken, Kind 2 gar nicht. Kind 1 braucht einen seiner 2 Löffel, sonst geht die Welt unter. Kind 2 will nicht angesprochen werden, was mit Kind 1 unmöglich ist. Somit zusätzliche Aufgabe, neben den richtigen Frühstücksutensilien, Vermittler im kalten Krieg zwischen dem Osten und Westen sein. Eine unmögliche Aufgabe und ich verstehe jetzt erst die tatsächliche Bedeutung eines Blockstaates. Alle Unterschriften, Wasserflaschen und Spielzeuge zusammengesammelt! Kind 2 verlässt noch grantiger in meist unpassendem Schuhwerk zum Wetter die Wohnung (obwohl sie mich als Wetterauskunft gefühlte 100 mal gefragt hat, wie das Wetter nun tatsächlich wird). Kind 1 wird vom Tasmanischen Teufel zur Schildkröte und verschleppt jegliche Aktivität. Was zur Folge hat, dass wir fast täglich zu Spät ausser Haus kommen. Irgendwo dazwischen gepresst, überlege ich mir, wie mein Tag heute aussieht, welche Termine anstehen, was ich jetzt benötige. Packe Laptop in den Rucksack, sammle verstreute Papiere ein.

In der Schule gibt es dann manchmal noch ein paar Wortwechsel und Fragen, wobei jetzt wesentlich weniger, wo unser Problemfall nicht mehr in die Schule kommt. Rolle Mama, Schulbegleiter und Elternvertreter kann ich dann zumindest einmal auf die Seite schieben.

Termine, Diskussionen, Treffen, Projekte … neue Geschäftsmodelle, social Business und und und … und meine wissenschaftlichen Arbeiten, derer ich noch 3 bis Ende Juni zu erarbeiten habe, füllen dann den restlichen Tag, gespickt mit Trainings – wobei das Mittwochs Training von 2 Stunden super ist, da sitze ich in der Sonne am Laptop und schreibe – Telefonanrufen, Mama sein oder Mama sein am Telefon. Und Versorger darf ich natürlich nicht vergessen. 4 mal die Woche bekomme ich den Anruf von Kind 2, wo sie mich fragt, was es zum Essen gäbe. Meistens etwas, aber oft nicht das, was Kind 2 nun möchte, neben Nudeln, Reis und Chinesen! Am Abend isst mich dann Kind 1 arm und es wird abgesucht, was sich noch so im Kühlschrank findet (vor allem, wo ich immer die Kekse und Gummisachen verbiete!).

Irgendwann, neben Diskussionen rund um Lernen, Freunde besuchen, spielen und fernsehen, befinden sich dann Kind 1 und Kind 2 im Bett und dann sind die Highlights meine paar WhatsApp Nachrichten mit Leidgenossinnen, der Fernseher, der nebenbei läuft, während ich am Laptop sitze und arbeite. Aber auch wenn ich jetzt hier „jammere“, ich gehe ja diesen Weg durchaus bewußt, weil ich etwas für mich bewegen will. Die Herausforderung liegt ja darin, dass ich weiterhin mit vollem Einsatz Mama sein will und auch wenn ich oft das Gefühl habe, mich wie ein Jongleur mit sehr vielen Bällen zu bewegen, so will ich, dass es funktioniert. Ich will nun einmal so arbeiten, wie ich es eben zur Zeit tue, mit einer Vielzahl und Verschiedenheit an Projekten, die ich mir vor Jahren nicht hätte so vorstellen können. Und auch, wenn ich viele leere und unbezahlte Kilometer zurücklege, so ist es mein Weg. Mein Weg als Mama, Beraterin, Autorin, Freundin, Schwester …

#307: aufgeregt

Ich bin etwas aufgeregt, da ich mit dieser Woche mein Masterprojekt wirklich seriös und ernsthaft begonnen habe. Wo ich bisher eher meine Runden um die Arbeit gedreht habe, um ein Gefühl zu bekommen, ob das für mich so paßt, ob es sinnvoll sein kann und was ich mir davon erwarte, bin ich bis spät nachts an meinem Research Paper gesessen und habe daran gearbeitet. Und ein zweiter Blog ging online, in englischer Sprache, der sich mit der wissenschaftlichen Erarbeitung meines Themas auseinandersetzt.

Worüber ich schreiben will? Über Ethische Codes im Blogging. Darf das Internet wirklich alles? Können wir einen ethischen Code festschreiben, ob soll das wirklich jedem selbst überlassen sein? Ich möchte mich hier mit David Enoch Ansatz beschäftigen, der ethische Fragen und Spielregeln (sehr verkürzt) von Experten evaluiert und festgelegt sehen möchte.

Wem es interessiert: manuelabiegenzahn.blogspot.co.at

Ja, ich bin aufgeregt, sehr sogar.

#295: Perfektionismus

Ich hatte Mitte Dezember mit einem Artikel begonnen, diesen jedoch nie zu Ende geschrieben, was wiederum so gar nicht zu dem Thema „Perfektionismus“ passt. Ich glaube, dass ich kein Perfektionist bin. Ich habe zu wenig Geduld dafür, weder für mich, für die Sache noch für den Perfektionismus selbst. Schlussendlich stehen wir uns auch immer nur selbst im Wege, oder die anderen oder die wenige Zeit, die unzureichenden Möglichkeiten und so weiter und so fort.

Frauen, die sich stressen, weil die anderen Frauen ein Gesamtpaket aus vorbildlichen Kindern, fürsorglichen Partnern und in sich vermeintlich ruhender Mitte ausstrahlen. Wer will schon vorbildliche Kinder? Ok, ich schon, ich gebe es zu. Und die ruhende Mitte wäre auch mal wieder schön zu finden, aber ich arbeite zumindest daran, dass ich alle Fingernägel gleichmässig lackiere (merke gerade, dass ich was zu tun habe!). All‘ diese Bilder spielen sich in unseren Köpfen ab und erzeugen einen Stress, der nicht für UNS gut ist, und was für uns nicht gut ist, zieht dann weiter seine Kreise.

Aber dies trifft auch auf Männer und Frauen im Job zu, die erkennen, dass Perfektionismus nicht möglich ist. Da kann ich noch so oft hinter meinem Mitarbeiter stehen und es ihm vorführen. Weil es ist ja jemand anderer, der diese Tätigkeit dann ausführt, mit anderen Möglichkeiten, anderen Ressourcen und schon hat sich das Ergebnis verändert. Und es geht noch nicht mal um besser oder schlechter. Es geht um anders.

Ich liebe es sowieso zu improvisieren. Besonders beeindruckt hat mich M als er die Krippenbeleuchtung am 24.12 (nachdem alle Geschäfte geschlossen waren) mit zwei miteinander verbundenen AA-Baterien (mittels Tixo) zum Leuchten brachte, weil keine Blockbatterie vorhanden war. Nein es sah natürlich nicht so schön aus, und viel wackeln hätte man auch nicht dürfen, aber es hat funktioniert und seine Funktion erfüllt. Ist das nicht auch ausreichend?

Also ich gehe jetzt auf jeden Fall diese zwei ramponierten Nägel lackieren.

#282: bitte schön, bitte gleich

Heute habe ich mich in eine Bäckerei gestellt und verkauft. Das letzte Mal habe ich das so richtig richtig mit 20 gemacht, als ich im good old Herzmansky auf der Mariahilferstrasse (dort wo jetzt der Peek&Cloppenburg drinnen ist) CDs und Tonträger (so ein schönes Wort) verkaufte. Dort war ich ja schon während meiner Schulzeit um mir Geld dazu zu verdienen. An den Tagen, an denen ich dort war, zählte ich immer zu den umsatzstärksten Verkäufern, einfach weil ich es gerne gemacht habe. Und ich habe auch heute gemerkt, dass es eine großartige Erfahrung ist, den Kontakt mit dem Kunden direkt zu spüren und zu erleben.

In manchen Unternehmen nennen sie das „Experience the customer“ und das sollte ein verpflichtendes Werkzeug für alle Mitarbeiter und Manager & Co sein, seinem Kunden da draussen zu begegnen. Aber eigentlich ist es vielmehr, es deckt die Stärken und Schwächen auf, die ein Unternehmen, Betrieb und Mitarbeiter haben. Und es hilft einem selbst über den eigenen Tellerrand zu blicken und Berührungsängste abzubauen.

Warum ich es gemacht habe? Weil Kommunikation nicht mit dem Kunden beginnt, sondern mit dem Mitarbeiter. Weil ich verstehen will, wo die Hürden des Alltages sind, die wir als Berater und Coach gar nicht sehen können. Weil ich es gerne mache.

Es war ein großartiger Tag, ich bin ein paar tausend Schritte in einem kleinem Geschäftslokal gelaufen, habe Backluft schnuppern dürfen und ein engagiertes Team kennengelernt.

Und ich sag es euch: die Vorurteile der zu bedienenden Hofratswitwe kann ich auch nicht bestätigen!

#280: Raison

Spinoza (ein Philosoph mit Sonderstellung) sagte über die Emotionen: „… der Vernunft widerstreitend, als eitel, widersinnig und abscheulich verschreien …“ und wenn ich manche Artikel und Kommentare zu der jetzigen Flüchtlingsdiskussion lese, dann verstehe ich seine Einstellung. Da Emotionen die Handlungsweisen beeinflussen, sehe ich für ein zukünftiges Europa und ein friedliches Miteinander ziemlich schwarz.

Selbst in der Presse scheinen sich unversöhnliche Meinungen wie die von Herrn Ortner und von Frau Hamann gegenüberzustehen, ganz zu schweigen von den Postings darunter. Es wird gehetzt, gefurchten und dramatisiert.

Ja es sind viele Flüchtlinge nach Österreich gekommen, ja wir können die Auswirkungen noch nicht voraussehen. Ich weiß nicht, ob und wieviele IS Kämpfer sich unter den Flüchtlingen befinden. Und ich habe auch mit keiner Psychiaterin gesprochen oder mit jemanden der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt … Ich kann auch keine Patentlösung anbieten, wie mit der Flüchtlingssituation umgegangen werden soll. Sicher nicht mit noch mehr Angstmache, Gewalt und Verachtung.

Hilfreich bei meinen Überlegungen ist sicher nicht meine berufliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ethik und Moral, weil über die wollen viele nur dann sprechen, wenn es keinen direkten Anlassfall dazu gibt. Oder wie wollen wir uns unserer Verantwortung stellen?

Ich versuche mich meiner Verantwortung zu stellen mit den Mitteln und Möglichkeiten, die mir möglich sind und offen stehen. Und gefühlt ist das immer noch zu wenig. Vor allem, wenn ich Menschen sehe, die mit leeren Augen vor einem sitzen aber ich dann auch Kinder, die ballspielend durch eine Bahnhofshalle toben, beobachten kann. Helfer, die nicht müde werden, obwohl der ganze Körper davon schreit. Ich will etwas tun, was jedoch nicht heißt, dass das jeder tun soll oder muss oder will oder kann. Ich kann etwas tun, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Ich muss etwas tun, weil ich es als meine Pflicht sehe. Ich soll etwas tun, weil ich ein Vorbild für meine Kinder sein möchte.

Was ich aber nicht kann ist eine Lösung für diese Situation zu finden. Die Verantwortung eine Lösung zu finden, liegt nicht bei mir und den Postern, Kommentatoren, Hetzern, Träumern, Lügenjournalisten, Wahrheitswissenden und rechten wie linken Fundamentalisten, sondern bei denen die von der Mehrheit legitimiert worden sind. Und die Aufgabe bestünde nach Heins auch darin, dass: „… und drittens sind die Vernünftigen legitimiert, die anderen zur Raison zu bringen.“

#272: Extreme

Ich habe immer wieder das Problem, dass man mich fragt, welche Position ich einnehme, und dann nicht entsprechend den Erwartungen antworten kann und möchte. Das geht mir nicht nur in der Philosophie so, und da gibt es tendenziell unendliche Richtungen angefangen vom Realismus, Antirealismus, Kognitivismus, Non-Kognitivismus usw. wie auch in der Politikwissenschaft. Folge ich dem Neoliberalismus, Kommunismus, Marximus, Feminismus, Keynesianismus usw. usf? Und ich denke, dass ich schon grundsätzlich verstehe, was hinter jedem dieser Labels sich an Inhalten versteckt, jedoch trotzdem verstehen noch lange nicht heißt, dass ich dahinter stehen kann, will oder möchte.

Feminismus sehe ich schon als notwendige und wichtige Errungenschaft des letzten Jahrhunderts – bedenke man(n), dass häusliche Gewalt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts keine Straftat war! Aber darum geht es mir nicht. Es geht um diese Belehrungen der Populisten von links, rechts, Osten und Westen beziehungsweise Norden und Süden. Jeder spricht nur mehr von der Lügenpresse, gleich ob Pro oder Gegen-irgendetwas. Im Bausch und Bogen werden einfach alle einmal in einen Topf geworfen, weil die die Bösen sind, und zwar ganz gleich wer die „Bösen“ tatsächlich sind. Grexit ja oder nein, Oxi oder nicht-oxi, daraus werden Grundsatzdebatten gebastelt, die jegliches Fundament des Vertrauens erschüttern. Aus Freunden, werden komische Menschen, die divergierende Meinungen einnehmen. Und mit Schulterklopfen erkennen wir, wer wirklich auf unserer Seite steht und wehe, wehe dir, wenn nicht.

Ich weiß in vielen Themenbereichen nicht, wo ich heute stehe. Ich weiß einfach zu wenig. Und ich glaube auch niemanden anderen von denen, die sagen, ich kenne die Wahrheit über … Ich weiß aber, dass ich gegen Verhetzung bin. Ich weiß, dass ich für „Gleichheit“ bin. Ich weiß, dass ich gegen Intoleranz bin. Ich weiß, dass ich für das Wissen bin. Sir Karl Popper meinte schon „Ich erlaube mir gegen die Intoleranz intolerant zu sein.“

#270: Moral an unmoralischen Plätzen

Fr. Dr. Kallhoff will sich demnächst mit Moral an unmoralischen Plätzen beschäftigen, wobei ein Fokus ihrer Lehrveranstaltung vor allem Kriegsschauplätze und Kriege per se betrifft. Wobei wir diese Thematik auch auf manchen Wirtschaftsplätzen findet. Denken wir an Korruption und dessen Aufdeckung, oder ungebührlichen und unmoralischen Verhalten von Gesellschaftern oder Verletzungen von Mitarbeitern durch Mitarbeiter.

Unmoralische Plätze sind längst nicht nur in uns bekannten „bösen“ Umgebungen zu finden. Sie können sich im Alltag verstecken und werden oftmals erst durch das moralisch richtige Verhalten aufgedeckt. Wozu sonst sollten wir heute Wikileaks, Whistleblower Plattformen oder ähnliches erklären können.

Moral und Ethik sind längst als Diskussionsfeld in der Wirtschaft angekommen. Ob und wie sie umgesetzt werden, obliegt den handelnden Personen und das wird schwierig genug.