#345: Zombie-Apokalypse oder Lagerkoller Teil 3

Ich schreibe ja für mein Leben, nämlich nicht nur gerne, sondern auch für Geld und in Zeiten wie diesen, ist es weniger. Viel weniger, aber Gott sei Dank – wobei ein Danke in diese Richtung in Zeiten wie diesen eher vergebene Liebesmüh sind – gibt es noch ein paar kleine und feine Aufträge. Aber mein Junior schaut auf mich und ist jetzt mein Hauptauftragsgeber.

An unserer Schule gibt es ja eine Art Freiarbeit und ich gebe zu, dass meine 16 jährige pubertierende Tochter sehr gut damit umgehen kann. Bis auf ein paar Schritte aus dem dunklen Zimmer sehe ich sie so kaum bis gar nicht. Heute habe ich sie gebeten doch Tageslicht in ihr Zimmer zu lassen, das das Arbeiten dann leichter fällt, sie hat dann die Jalousie doch tatsächlich 20 cm hinaufgerollt. Kurz habe ich befürchtet, dass sie zum Rauchen beginnt oder zu Staub zerfällt.

Die Erwartung, dass aber Freiarbeit bei einem 10 jährigen funktioniert, auch wenn er sie schon quasi 1 x gemacht hat, mag bei den Lehrern und Lehrerinnen hoch sein, ist jedoch eine Illusion. Wir machen noch immer täglich eine To-Do-Liste.

Ich bin in meiner persönlichen Hölle angekommen.

Und arbeiten dann täglich die Vorgaben ab. Ich erkläre ihm, dass auch, wenn es zu Beginn nach viel aussieht, es dann doch nicht sooooo dramatisch ist. Wir verbringen fast täglich mindestens 30 Minuten damit zu diskutieren, ob er das jetzt machen soll oder nicht. Wobei die kreativen Dinge, wie Videos machen oder Basteleien, die könnte er immer machen. NUR gibt es nicht nur kreative Videos, sondern Konstruktionen, Aufsätze und Skizzen.

Apropos Skizzen! Mich hat ja schon letzte Woche meine Freundin P gewarnt, dass wenn er zeichnen muss, ich einfach wegschauen soll. Der Drang dem Kind den Bleistift aus der Hand zu reissen, ist fast schon selbstzerstörerisch. Der Jr hat am Samstag eine Skizze zu Van Goghs Sonnenblummen machen müssen. Das Gute ist, dass er dieses Bild in London gesehen hat, das Schlechte ist, dass ist lange her. Das Gute ist, ich habe mir Ps Warnung zu Herzen genommen, das Schlechte ist, ich habe es nicht ganz geschafft und habe ihm zwar nicht den Bleistift aus der Hand gerissen, aber das Blatt und ihm ein Neues hingelegt.

Was es gibt auch Gutes zu berichten. Er schreibt sensationelle Emails mit seiner Englisch Professorin. Und zwar wirklich wirklich. Und er macht das gerne und freiwillig und ohne Murren. Vielleicht liegt es daran, dass er schreiben darf, dass er Marvel super findet und welche Filmfiguren seine Helden sind. Aber das ist mir ganz gleich.

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