#330: kleine Schritte und Riesensprünge

Ich habe kein neuro-typisches Kind, dass ist der fachliche Ausdruck dafür, dass der Jr eben anders tickt, als eben typische Kinder. Und das bedeutet, dass wir uns in sehr kleinen Schritten vorwärts bewegen, was soziale Kompetenzen und das Erlernen dieser betrifft. Und eigentlich sind es gar keinen kleinen Schritte, aber als Elternteil mit einem nicht neuro-typischen Kind ist man einfach vorsichtig, hat Angst davor sich zu sehr zu freuen, zu optimistisch zu sein, aber vielleicht bin das auch nur ich. Ich, weil ich meine Erfahrungen habe und wir hart daran arbeiten, dass der Junior seinen Platz im Leben und in der Gesellschaft findet, der ihn vor allem glücklich macht.

Und letzte Woche war auf einmal der ganze Erfolg, die ganze Arbeit mit einem Mal scheinbar weg. Es tut auch nichts zur Sache, was passiert ist, sondern diese Ohnmacht versagt zu haben, sich verloren zu fühlen und ich habe einfach nur geweint. Wer auch immer behauptet, dass Tränen die Seele reinigen, also bei mir war es definitiv nicht so.

Aber keine Sorge dieser Beitrag wird kein Verzweiflungs-Alles-Furchtbar-Beitrag, und das liegt nicht nur daran, dass eigentlich eh alles nur halb so schlimm war, sondern daran, dass vor allem mein nicht neuro-typisches Kind meine Not gespürt hat, dass er über sich hinausgewachsen ist und meine Hand genommen hat, um mir zu zeigen, dass wir das schon schaffen.
Und gestern als ich mit den Therapeutinnen seiner kleinen Autistengruppe gesprochen haben, erzählten sie mir davon, dass der Bub O, der auch motorisch seine Schwierigkeiten hat, beim Aufstehen sich sehr schwer getan hat, aber niemanden etwas sagen wollte. Während die anderen Kinder ihr Picknick genossen, hat mein Kind beobachtet, wie unsicher O war. Er stand auf, hielt ihm die Hand hin und begleitete ihn einen Stück des Weges und ließ seine Hand los, als er merkte, dass er es jetzt alleine schafften. Beide Therapeutinnen waren gerührt, und ich glaube, wir hatten alle drei Tränen in den Augen. Er ist ein Jackpot sagte die Eine, der der ihnen zeigt, warum sie ihre Arbeit so gerne machen.

Er ist auch mein Jackpot und alles andere werden wir lernen, weil nicht nur Er die Sprache unserer Gesellschaft lernen muss, sondern auch ich, dass meine Welt viel zu oft kleine Schritte sieht, als die Riesensprünge, die wir alle leisten.

#329: Warteschleife

Es war einmal ein Unternehmen, da hatten wir unzählige Meetings dazu, dass das Service Level gehoben werden muss, Wartezeiten an Hotlines unter 5 Minuten sein sollen. Es war einmal und ist lange lange her. Ich hänge gerade seit 27:26 Minuten in der Warteschleife und höre, dass ich gleich an der Reihe bin.

Und während mir die Sprachsteuerung erklärt, dass ihnen die Gespräche wichtig sind, überlege ich, ob ich später anrufen soll, aber da auch mir mein Anliegen wichtig ist, bleibe ich in der Leitung, da es um Geld geht. Geld, dass mir abgebucht wird, obwohl ich seit bald 2 Monaten kein Kunde mehr bin. Also warte ich, mittlerweile 32:50 Minuten.

Es war einmal ein Unternehmen, dass dynamisch und schnell war. Eine wunderbare und großartige Zeit, die ich nicht missen möchte, aber diese Zeiten eindeutig sind lange vorbei.

… die A1 Hotline hat nach 39:05 abgehoben.