#327: An alle Irinas dieser Welt

Ich habe gestern zum gefühlt Tausendsten Mal eine Email von einer willigen russischen (?) Frau erhalten, diesmal von Irina, dann hat mir auch schon Ivanka, Ivana und so weiter geschrieben.

Der Beginn ihrer Emails ist fast immer gleichbleibend:
„Hallo! Ich habe Deine E-Mail-Adresse durch Online-Dating gekriegt.
Erinnerst Du Dich an mich? Ich schicke Dir ein Fotografien von mir.
Was denkst Du ueber mich? Hat es Dir gefallen, wie ich aussehe? …“

In Zeiten von intelligenten Systemen, Hackern und Co verstehe ich nicht, warum ich als Frau eine mehr als eindeutig zweideutige Email erhalte. Ich nutze keine verklausulierte Emails, wie willig@ oder offenfür@, meine Email besteht aus meinem Namen, ganz spiessig und konservativ. Aber vielleicht ist auch Irina ein bißchen bi und Ivanka und Ivana auch. Ich hoffe nur für sie, dass im prüden Russland niemand über ihre ambivalenten Ambitionen Bescheid weiß.

Also liebe Irina, ich möchte Euch ein paar Tipps geben, wie es vielleicht bei dem Nächsten oder der Nächsten besser funktioniert:

1. Keine willentlichen und peinlichen Grammatik und Rechtschreibfehler: Ich schicke Dir ein Fotografien von mir … Du willst Geld von deinem Zukünftigen oder deiner Zukünftigen, somit ist vielleicht Naivität gut, aber Dummheit? Es reicht doch einfach zu schreiben ich schicke dir ein Foto oder Fotos.

2. Hat es Dir gefallen, wie ich aussehe? Wie würdest du dich fühlen, wenn ich sage Nein? Als Frau fragt man das nicht und wenn wir den ganzen Datingbibeln Glauben wollen, dann verschreckt das einen Mann. Weil was ist dann die nächste Frage? Findest Du, dass ich dick bin? Alleine diese Frage senkt die Antwortwahrscheinlichkeit auf gegen 0 %. Vor allem, das das beigefügte Foto viel zu wenig offenherzig ist, als dass es jetzt irgendjemanden aufgeilen könnte. Blond, Ostblock und zu viel angezogen.

3. Die Frage „erinnerst du dich an mich“ ähnelt sehr der „sehe ich gut aus“. Wer sich auf Datingplattformen herumtreibt und scheinbar nicht weiter kontaktiert wird, sollte sich fragen, ob die andere Person wirklich auf sie steht. Daher würde ein „erinnerst du dich an mich“ mir eher gruselig vorkommen.

Liebe Irinas und Co, es sind vielleicht nur kleine erste Hinweise, aber nehmt sie ernst. Oder vielleicht sollten sich die Hintermänner dieser Betrüger-Spam-Emails einfach einmal mit klassischem Direct Marketing beschäftigen. Aber vielleicht auch besser nicht.

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