#328: Spam Emails die Zweite

Anscheinend bin ich gerade wieder in einem Datenkontingent gelandet, wo MBs dieser Welt für dumm verkauft werden sollen. Diesmal von Frau Agusta Phil, die mir in ihrer aller größten altruistischen Liebe zum Nächsten rd. 20 Prozent von 8 Mio Euro schenken will.

Daher auch über diesen Weg, wie auch direkt per Email meine Antwort:

Liebe Fr. Phil,

Sie haben die richtige Person für Ihre Schenkung auserwählt. Ich liebe nämlich Philosophie und Phil wird auch in unserem Jargon gerne als Abkürzung für Philosophie verwendet. Ich glaube, dass dies eine Fügung war und Sie einfach wußten, dass wir hier eine Gemeinsamkeit haben. Und sie machen es absolut richtig, schon Platon war der Meinung, dass zu viel Geld einem von seinem gerechten Weg wegführt. Somit bin ich Ihnen auch äußerst dankbar, dass Sie nur 20 % von 8 Millionen Euro (so viel ist es in meiner Währung umgerechnet) mir geben wollen.

1,6 Millionen Euro sind aber auf der anderen Seite vielleicht etwas zu wenig für die großartigen Dinge, die ich plane. Vielleicht könnten wir uns ja auch auf 1/4 oder 25 % einigen. Und ich schwöre Ihnen, dass ich diese Angelegenheiten komplett vertraulich behandeln werde. Wir wollen ja nicht, dass korrupte und unehrliche Menschen so Altruisten, wie Sie, einfach ausnutzen.

Darf ich Sie so unverschämt fragen, was sie für die restlichen 75 % geplant haben? Vielleicht kann ich Sie ja hier unterstützen, ich kann hier sehr kreativ sein. So will der Sohn von Freunden von uns gerne Künstler werden, und so eine Karriere zu fördern, kann doch sehr sinnvoll sein. Und ich würde dafür das Management übernehmen, wie auch das gespendete Geld verwalten, damit ja nichts passieren kann. Wenn ich so darüber nachdenke, gibt es da einiges zu tun, wo ich Ihnen garantieren kann, dass Sie mit Ihrem Geld viel Freude schenken können.
Wenn ich Sie überzeugt habe, dann kommen Sie doch einfach nach Wien, am Flughafen holen Sie mit Sicherheit sehr nette Personen ab. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Sie sogar Schutzpersonen mit Uniform erwarten würden. Weil so viel Geld muss beschützt werden.

Ich freue mich von Ihnen zu hören,

….

Falls jemand auch Ideen für sinnvolle Projekte hat: Hier das Original Mail:

Hallo Freund, ich bin Frau Agusta Phil und ich habe Ihre E-Mail aus
dem Online-Verzeichnis. Ich möchte die Summe (£ 6,8 Millionen GBP)
für Sie für Wohltätigkeitsziele zu spenden. 20% der Mittel ist Ihr,
wenn Sie bereit sind, die Aufgabe zu implementieren. Wenn dieser
Vorschlag mit Ihnen in Ordnung ist und Sie nicht wollen, um mein
Vertrauen zu nutzen, bitte antworten Sie auf: agustaphil12@gmail.com
für weitere Details. Vielen Dank für Ihre Zeit und halten Sie es aus
Sicherheitsgründen vertraulich. Grüße, Frau Agusta Phil

#327: An alle Irinas dieser Welt

Ich habe gestern zum gefühlt Tausendsten Mal eine Email von einer willigen russischen (?) Frau erhalten, diesmal von Irina, dann hat mir auch schon Ivanka, Ivana und so weiter geschrieben.

Der Beginn ihrer Emails ist fast immer gleichbleibend:
„Hallo! Ich habe Deine E-Mail-Adresse durch Online-Dating gekriegt.
Erinnerst Du Dich an mich? Ich schicke Dir ein Fotografien von mir.
Was denkst Du ueber mich? Hat es Dir gefallen, wie ich aussehe? …“

In Zeiten von intelligenten Systemen, Hackern und Co verstehe ich nicht, warum ich als Frau eine mehr als eindeutig zweideutige Email erhalte. Ich nutze keine verklausulierte Emails, wie willig@ oder offenfür@, meine Email besteht aus meinem Namen, ganz spiessig und konservativ. Aber vielleicht ist auch Irina ein bißchen bi und Ivanka und Ivana auch. Ich hoffe nur für sie, dass im prüden Russland niemand über ihre ambivalenten Ambitionen Bescheid weiß.

Also liebe Irina, ich möchte Euch ein paar Tipps geben, wie es vielleicht bei dem Nächsten oder der Nächsten besser funktioniert:

1. Keine willentlichen und peinlichen Grammatik und Rechtschreibfehler: Ich schicke Dir ein Fotografien von mir … Du willst Geld von deinem Zukünftigen oder deiner Zukünftigen, somit ist vielleicht Naivität gut, aber Dummheit? Es reicht doch einfach zu schreiben ich schicke dir ein Foto oder Fotos.

2. Hat es Dir gefallen, wie ich aussehe? Wie würdest du dich fühlen, wenn ich sage Nein? Als Frau fragt man das nicht und wenn wir den ganzen Datingbibeln Glauben wollen, dann verschreckt das einen Mann. Weil was ist dann die nächste Frage? Findest Du, dass ich dick bin? Alleine diese Frage senkt die Antwortwahrscheinlichkeit auf gegen 0 %. Vor allem, das das beigefügte Foto viel zu wenig offenherzig ist, als dass es jetzt irgendjemanden aufgeilen könnte. Blond, Ostblock und zu viel angezogen.

3. Die Frage „erinnerst du dich an mich“ ähnelt sehr der „sehe ich gut aus“. Wer sich auf Datingplattformen herumtreibt und scheinbar nicht weiter kontaktiert wird, sollte sich fragen, ob die andere Person wirklich auf sie steht. Daher würde ein „erinnerst du dich an mich“ mir eher gruselig vorkommen.

Liebe Irinas und Co, es sind vielleicht nur kleine erste Hinweise, aber nehmt sie ernst. Oder vielleicht sollten sich die Hintermänner dieser Betrüger-Spam-Emails einfach einmal mit klassischem Direct Marketing beschäftigen. Aber vielleicht auch besser nicht.

#326: Der Feind in meinem Kopf

Heute war ich mit meinem Junior am Mexikoplatz um nach einen Finger Spinner Ausschau zu halten. Der Mexikoplatz war schon seit jeher der Umschlagplatz für die Sachen, die es sonst nirgendwo gibt oder die es sonst nirgendwo um den Preis gibt. Und Finger Spinner sind jetzt Frühjahr 2017 das Spielzeug, das irgendwie jeder haben will. Da sogar die Therapeutinnen unserer Aspergergruppe von diesem Spielzeug schwärmen, habe ich sogar ein gutes Gefühl mich auf die Jagd nach dem ausverkauften Spielzeug zu machen.

Somit waren wir heute am Mexikoplatz beim Lauf und Kauf und haben dort Spinner (ja mehrere, damit sich die Prinzessin nicht benachteiligt fühlt, weil selbst mit 13 Jahren ist man für Trends nie zu alt) erstanden. Aber eigentlich geht es bei meiner Story gar nicht um die Spinner oder den Mexikoplatz, sondern darum, dass mein Junior mich beim Verlassen des Geschäfts gefragt hat, ob das Türken wären, die dieses Geschäft betreiben. Auf meine Frage, wie er darauf kommt und ob das einen Unterschied machen würde, meinte er nur, nein, er fand den jungen Mann total nett und er nur wissen wollte, ob das ein Türke gewesen sein könnte. Ich sagt ja, dass es schon möglich ist. Aber sicher weiß ich es natürlich nicht, da ich ihn nicht gefragt hätte.
Mein Sohn meinte dann nur, dass für M. und F. (zwei Burschen in seiner Klasse) die Türken ihre Feinde wären.

Ich denke, dass er sich Feinde einfach anders vorgestellt hat, was mich einerseits sprachlos machte. Wie erklärt man einem 7jährigen die Worte Toleranz, Respekt und dass wir hier in Wien keine Angst vor Feinden haben müssen. Vielleicht davor, dass der Feind in den Köpfen vieler zu real wird und die Angst mit den Schlagworten unserer Eltern, Großeltern, Nachbarn oder der Kronenzeitung hausieren geht.