#325: Magersucht

Dieses Wochenende erzählte mir meine 13 jährige Tochter, dass eine Schulfreundin aus der Volksschule letztes Jahr im Spital lag. Mit 12 Jahren mußte sie für ein Monat in ein Krankenhaus, da sie an Magersucht leidet. Ich kenne dieses Mädchen und es war eigentlich immer recht dünn, groß und schlaksig und bei weitem davon entfernt gewesen „dick“ zu werden. Beim letztjährigen Sommerfest der Volksschule, wo sich die Ehemaligen getroffen haben, war schon zu erkennen, dass vor allem die Mädchen einen Schritt in Richtung junge Frau zu unternehmen versuchten. Die ersten Schminkversuche, Haarstylings oder extravaganten Fashion-Statements riefen den anderen Kindern zu, seht mich an, ich bin kein Volksschulkind mehr, sondern so jugendlich cool.

Aber ich gebe zu, dass ich trotzdem nicht im Entferntesten daran gedacht hätte, dass so junge Mädchen schon einen Magenwahn entwickeln würden. Für mich war das eher ein Thema ab 15/16 und eben noch älter. Heute leidet jedes dritte Mädchen schon unter Magersucht, ein erschreckendes Phänomen, da ich ganz viele Freundinnen meine Tochter kenne und wenn ich hier beginne durchzuzählen …

Und ich darf mein Mädchen nicht vergessen. Mein Glück ist, dass sie zum Beispiel die Klums-Shows dieser Welt nicht ansieht, noch nie, und nicht, dass ich den Klums dieser Welt die Schuld gebe, jedoch sind die Spiele um Schlankheit um jeden Preis, wie die Tribute von Panem, die mit der besten Show wird gewinnen. Trotzdem ist sie, wie auch die anderen, mit ständigen neuen besseren Ernährungskonzepten konfrontiert. Detox da, Veganismus hier, Zucker pfui, Low Carb hui, um nur einige der Themen zu nennen.

Gerade durch dieses Extrembeispiel haben wir bewußt versucht über das Schlanksein zu reden, und warum frisches, gesundes Essen wichtig ist, aber auch wie wunderbar Schokolade, Eis oder Chips sind. Das Gute ist, dass meine Prinzessin Essen genießt und sie es nicht verstehen kann, wie man nicht mehr essen will. So hat ihr ihre Freundin zurückgeschrieben, dass sie zwar wieder zu Hause ist, aber das mit dem Essen ist nicht so einfach, weil sie es nicht gewöhnt ist.

Wir als Erwachsene sind viel zu oft ein negatives Vorbild, indem wir die x-te Diät machen, nicht zuhören und vielleicht es auch nicht ernst nehmen, wenn vom perfekten Körper gesprochen wird. Was ist schon perfekt? Und da hilft es auch nicht zu sagen, dass es einmal die Rubensfrauen waren. Heute ist eben heute und da geht es um den Abstand zwischen den Oberschenkeln, dem flachen Bauch, den festen Brüsten und so weiter und so fort.

Ich stelle mich manchmal nackt neben meine Tochter und zeige ihr, wo ich mich auch nicht so besonders mag, aber dass die Natur nun einmal in Absprache mit meinen Essgewohnheiten sich dazu entschlossen hat (klug von mir die Verantwortung auszulagern *grins*) eben ein Bäuchlein zu bilden, Dellen in den Oberschenkeln zu haben oder Winkeärmel vorweisen zu können. Und ich hoffe, dass meine Prinzessin das Essen mehr liebt, als den Schlankwahnsinn.

#324: gefühlt, ein Schritt vor und zwei Schritte retour

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass man sich darüber freuen kann, wenn das eigene Kind „anders“ ist, und weiß ich wie oft schon gehört, dass ich mich darüber freuen kann, dass dem Kind seine „Austicker“ in ihrer gesamten Kraft „nur“ bei mir erfolgen.

Rein logisch gesehen und rational gedacht, kann ich diesen Aussagen natürlich zustimmen, und trotzdem bin ich eben nun einmal mehr als nur der pure Verstand. Dann bin ich einfach traurig und wütend zu gleich, fühle mich hoffnungslos und sehe nur die Schritte retour und nicht das, was wir schon erreicht haben. Und ich sage ganz bewußt wir, natürlich ist es das Kind, dass lernt und sich bemüht und sich durch unsere gesellschaftlichen Normen kämpft. Aber es sind wir Eltern, die es begleiten, ihm diese bedingungslose Liebe geben, damit Kind eben Kind sein kann.

Diese Kraft aufzubringen, um immer wieder den nächsten Schritt zu gehen, oder neue Schritte zu überlegen, weil es nun einmal so ist, dass Gesetzmäßigkeiten nicht linear verlaufen müssen. Gestern war so ein Schritt zurück und das nur, weil mein Junior sich nicht die Nägel schneiden lassen wollte. Sonntags ist immer ein schlechter Moment und das wissen wir, aber da er erstmals auf ein Pfadfinderlager gefahren ist, wollte er nicht davor dieses unangenehme Gefühl von kurzen Nägeln spüren. Somit war alles anders, anders in seinen Abläufen, anders in seinem Rahmen.

In vielen Ratgebern findet man, dass es nicht sinnvoll ist, die Eskalation nochmals zu besprechen. Das stimmt in unserem Fall definitiv nicht. Es geht auch nicht darum, etwas aufzuwärmen oder Schuldzuweisungen zu zu schieben, sondern vielmehr darum logische Schlussfolgerungen zu finden, um aus diesen zu lernen, und zwar beidseitig.

#323: #schulreform

Ich habe mir gerade die Mühe gemacht die Eckpunkte zur Schulreform 2016/17 nachzulesen. Das ist alles nur keine wirkliche Reform. Ich empfehle den entsprechenden Arbeitsgruppen sich mit dem Begriff der Reform zu beschäftigen, bevor sie dieses Wort in den Mund nehmen.

Die Reform soll eine bewusste und gewollte Veränderung im sozialen Kontext darstellen. Diese können durchaus schnell und auch radikal (!) sein, ohne jedoch gewaltsam zu werden. Die Erreichung erfolgt durch den Konsens.

So bevor ich weiter erkläre: Ein Konsens ist NICHT der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich einigt. Im Gegensatz zu den Punkten des jetzigen „Papierls“.
Der Konsens ist eine Einigung, die im Einklang erfolgt, dh. sie dient dazu das Optimum zu erreichen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Dh. es tut niemanden weh, weil es darum geht ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

In einer Schulreform geht es um die Schule und somit um die Schüler, nicht um die Lehrer oder die Direktoren. Die Schüler werden in diesem Papierl aber wenig betrachtet. Was wollen wir für unsere Kinder und was wollen unsere Kinder (vor allem die Älteren) für sich. In der Popper Schule dürfen die Schüler selbstständig Fächer abwählen, welche eben nicht so interessant sind. Warum sollte dies eigentlich erst in der Oberstufe passieren dürfen?

Mein Sohn, 7, liebt Textrechnungen und löst diese mit einer Leidenschaft, 5 Rechnungen untereinander geschrieben sind im ein Greul. Bei dem einen Lehrer wäre eine Niete im Rechnen, bei dem anderen nicht. Die Schulreform muss sich damit auseinandersetzen, wie Bildung zu kritischem Denken und Leidenschaft für das Tun werden kann.

Das jetzige Papierl ist ein typisches Re-Organisations-Papier und das ist geduldig, wie viele aus großen Unternehmen wissen. Die Verantwortung wird in die Hände von Direktoren gelegt (zum Teil), ohne ein Zusammenspiel von Schülern, Lehrern und Eltern in Betracht zu ziehen.

Aber Hauptsache, es gibt jetzt stärkeres WLAN in der Schule. (Digitales Zeitalter wir kommen)

#322: Der echte Wiener kommt aus über der Donau

Heute beim Vogelbauer, einem Heurigen mit Bier in Donaustadt, habe ich heute Abend echte Wiener getroffen. Freitagabend treffen sich regelmässig ein paar Herren auf ein paar Bier und anschließend Weiße 8terln beim ansässigen Heurigen in der Donaustadt. Man kann gar nicht weghören, wenn die Herren miteinander reden, weil es einerseits sehr laut und andererseits mehr als unterhaltsam ist.

Jegliches Unterhaltungsfernsehen, Kabarett kann weder die Sprache noch die Themen nachempfinden, die ich mithören konnte. Ganz gleich, ob es darum ging, dass der Prohaska findet, dass der F. ein Trottel ist, weil er sich mit Trotteln trifft, oder man gleich mal vornweg zum „Motschkern“ (Bitchen in neuer Sprache 2017.2.0 oder bekannt auch als Suddern oder Stänkern …) anfangen mußte, weil der Wirt den Gast ignorierte, als er ein Krügerl Bier bestellte. Die Herren bestehend aus 3 Männern, teilte sich auf in Einen, der immer kalmieren wollte und entweder A oder B nachredete, A der immer alles besser wußte und B, der A immer sagte, dass er falsch liegt und eh nix weiß.

Höhepunkte waren wohl immer, wenn B in voller Lautstärke „klein“ beigab, weil es eh keinen Sinn macht mit dem Trottel von A zu Diskutieren und A sowieso immer gegen alles war, was B sagte. Ich glaube, dass ist auch einer der Gründe, warum A ein Smartphone mit Google nutzte, um B zu widerlegen. (Was eigentlich wenig funktionierte.)

Großartig für uns wurde es, als wir in die Diskussion hineinbezogen wurden, wie es um die Monarchie ging. Wer sich jetzt wann und wo umbrachte bzw. umgebracht wurde. Ich hatte es ja gut als Donaustädterin, wobei eine Differenzierung in Kagranerin, Stadlauerin usw. durchaus sinnvoll gewesen wäre, aber beim T. wurde es schwieriger, weil er aus Favoriten kam und eiskalt als zurgraster Ziegelböhm heuabqualifiziert wurde. Aber man hoffe, dass er wenigstens eine böhmische Großmutter habe.

Auch die Diskussionen über die Kochqualitäten oder Rezepte zeigten den Wiener Ursprung, nämlich, ob jetzt ein Erdäpfelgulasch mit doppelt geräucherter Dürre (die ja eh nur mehr der Prolet ißt) oder mit Bärenhäutl gemacht werden darf. Oder wie es mit dem Köch aussieht. All‘ diese Mahlzeiten ißt ja nur der einfache Mann, weil wir Jungen, falls es jemand nicht weiß, ißt hauptsächlich Fisch und solche Sachen. (So viel zum Thema Vorurteile)
Auch das Internet ist eigentlich (ja der Sprung war auch für mich herausfordernd) nur für die Jungen, weil wie soll der Pensionist noch mit Firmen kommunizieren, außer sie anzurufen, wenn man kein Internetz hat.

Ich war mir aber 100 Prozent sicher, dass ich es mit wirklichen und echten Wienern zu tun hatte, als sie vom Ferdl sprachen. Weil den Ferdl kenne ich nur vom Wiener und seinen Erzählungen. Und in den Erzählungen der 3 Herren war der Ferdl zwar schon weit über 70, aber hatte immer noch seine „Hasn“ am Laufen.

#321: Toskana 2016 es geht weiter

Eine Herausforderung war für mich die Fahrt quer durch die Chiantiregion. …

Jetzt habe ich erst gesehen, dass ich Mitten im Satz aufgehört habe zu schreiben und den Blogbeitrag veröffentlicht hatte. Daher kommt hier der zweite Teil der Reise. Die Chiantiregion war deswegen eine Herausforderung, da ich schon seit Kindheitstagen eine „Mir-wird-übel-Mitfahrerin“ bin. Die Serpentinen haben zwar den Nachteil, dass mir schlecht wird, aber man kann so langsam fahren und stehenbleiben, damit ich die Aussicht sehr geniessen konnte. Mitten im Nichts stand dann auch ein kleines Restaurant, wo es perfektes Schwein mit Salbei gab und auch die Gnocchi selbstgemacht waren. Von dort ging es dann auch weiter in Richtung Montevarchi und Arezzo.

Übernachtet haben wir in der Antica La Tabaccaia, einer ehemaligen Fabrik für Tabakwaren. Im Haupthaus wurde der Tabak getrocknet. Der Bau ist wirklich faszinierend und auch die Anlage sehr schön. Natürlich waren in Montevarchi im Prada Outlet, und haben nichts gekauft. In jedem Outlet, wo es Prada gibt (Mc Arthur Glen zB.) zahlt man genausoviel oder wenig.

Was uns aber wirklich begeistert hat war Arezzo. Eine mehr als beeindruckende Stadt, dessen Patrizierhäuser und Kirchen Geschichte pur vermitteln. Und wer Benignis „Das Leben ist schön“ gesehen hat, erkennt vielleicht die Piazza Grande aus Arezzo wieder. Dem Jr. hat die Kathedrale begeistert, da neben einem Papststab auch ein Ritterschwert zu sehen war. Der Hauptaltar ist aus feinstem Marmor und lädt zum Entdecken ein.

Neben Arezzo war dann das Le Fornaci, der ausschlaggebende Grund, dass wir im Herbst nochmals in die Toskana gefahren sind. Im Le Fornaci bei Laterina gibt es neben Unterkünften eine Vineria, geführt von Claudio und Luisa, die bodenständiges sensationelles Essen anbietet und Weine in mindestens ebenso guter Qualität. Claudio und Luisa waren einfach wunderbare warmherzige Gastgeber, die Spaß daran haben, den Menschen Wein und Essen und die Toskana näherzubringen. Ein wunderbares Fleckchen Italien, welches wir dann gleich 3 Monate später wieder besucht haben. Nämlich gleich für eine Woche vor Ort, damit wir eben die Weine verkosten können, ohne mit dem Auto fahren zu müssen.

Ich freue mich schon auf 2017 und meinen Italien-Faible, wobei ich mich langsam frage, wie und vor allem wann ich Sizilien und Toskana heuer unterbringen werde.