#288: Wenn einer feiert,

dann feiern im besten Fall alle anderen mit! Nachdem mein großer kleiner Mann jetzt 6 Jahre alt wurde, haben wir wieder eine Prater-Fussball-Picknick-Party veranstaltet. Wie schon letztes Jahr platzierten wir uns gegenüber bei der Piraterfee auf der Wiese mit unseren „Fress-Wagerln“ und Picknick-decken. Dazugelernt vom letzten Jahr haben wir uns 2 Tische organisiert und 2 Fussballtore gekauft.

Ab 11 Uhr ging es los und bis 16 Uhr trotz recht feuchtem Wetter, es hat nämlich immer wieder so ein bisserl genieselt, haben wir durchgefeiert mit Fußball, Essen, Trinken und natürlich Geschenken. Am Vorabend habe ich ein Hüftsteak mit Schwarzbier und viel Zwiebeln, Kürbis und Gewürzen in den Ofen geschoben und bei 75 Grad bis am nächsten Tag 10 Uhr durchschmoren lassen. In der Früh ab 8 Uhr galt es noch ein paar Kilo Hühnerschnitzerln zu panieren, Bio Rauchschinken und Salami zu schneiden und den Kindersekt, wie Prosecco einzupacken, der schon gekühlt auf der Terrasse stand. Es war alles weg, sogar ein Großteil der Schokoladen-Nutella-Oreo Torte, die die Kinder und ich am Vortag gebacken haben.

Und damit sich das Essen auszahlte, für Kinder und Erwachsene, haben wir wirklich fleissig Fussball gespielt. Sogar wir ganz Großen haben uns reingelegt und manchmal uns mit den Stöpseln angelegt, die sowieso mehr Kondition und Können auf das Spielfeld gelegt hatten. Was als Frau interessant zu beobachten ist, ist die männliche „Ich-hau-mich-rein-und-nehm-das-ur-ernst“ Eigenschaft aus einem Erwachsenen-Kind-Spiel ein Erwachsenen-Erwachsenen-Kind-(Mit)Spiel zu machen. Aber unsere flexible Spielweise durchkreuzte sowieso jegliche „Gewinnermentalität“, da wir mal in der einen oder dann in der anderen Mannschaft gespielt hatten.

Diese Art des Geburtstagsfeierns ermöglicht weit mehr als nur schnell mal feiern. Der Tag ist nicht vorgeplant mit festgesetzten Terminen und Aktivitäten. Es geht um Zeit, die man/er mit denen verbringt, die er um sich haben will. Es ist eine wunderbare Möglichkeit für uns Eltern und Familie mit Freunden Zeit zu verbringen und zwar viel bewusster, weil es einmal nicht um einen Selbst geht.

#287: Erlebniswandern

Wir lieben den Peilstein, nicht nur, weil man in kurzer Zeit sein Ziel erreicht hat, sondern auch wegen dem anschliessendem Essen beim Karner. Dieses Wochenende wollten wir wieder ein bisschen in den Wald. Das Ziel war eigentlich ziemlich klar, schnell mal hinauf, gemütlich wieder hinunter, und dann die Palette vom Speck über die Kardinalschnitte uns zu gönnen.

Vier Erwachsene und drei Kinder starteten ziemlich motiviert los und weil wir eben so motiviert waren, dachten wir, wenn wir im Wald mal schnell so rechts hinauf abbiegen, dann sind wir nicht nur schneller, sondern sehen auch einmal etwas anderes. Auf unserem Weg auf die erste Steigung sammelten die Kinder jeden Stecken und Ast, den sie finden konnten, dabei hatten wir von quasi Pistolen, Krücken, Schleudern und Wanderstecken so ziemlich alles dabei. Fast oben angekommen merkten wir, dass es nicht mehr weiterging – einer Sackgasse im Wald mit keiner sicheren Möglichkeit mit Kindern weiterzukommen – zusätzlich fiel uns auf, dass diese Anhöhe auf der wir uns befanden so gar nicht mit dem Peilstein gemein hatte, also hieß es querfeldein durch den Wald hinunter und abwarten, wohin es uns wohl bringen würde. Von einem Baum zum Nächsten rutschen, dabei nicht zu viel Gatsch auf der eigenen Hose verteilen, dass war die wahre Herausforderung beim Abstieg. Dieser Weg durch den Wald war vor allem für die Burschen das „Coolste“ an dieser Wanderung. Warum wundert mich das auch nicht? Die Lichtung war dann nur mehr mässig spannend, trennte aber den Hafnerberg – wo wir eigentlich raufgegangen waren – vom Peilstein, der Felswand, die vor uns lag.

Somit hieß es für uns einen guten Eingang in den Wald vor uns zu finden, damit wir durch den Wald hinauf wandern konnten, um einen Weg zu finden. Wir haben aber natürlich alles super gut geschafft, sind dann an der Kletterwand entlang hinaufgekommen und haben nicht nur Waldwege, Kletterwege und Wiesen überquert, sondern gemeinsam mit Freunden und Kindern etwas erreicht ohne sich darüber zu ärgern, dass wir uns vielleicht „verlaufen“ hätten, es uns schwerer gemacht hatten, als notwendig. Im Gegenteil so unverhofft unsere Wanderung war, so lustig, entspannt und großartig haben wir uns gefühlt, als wir endlich beim Karner waren, um zu essen. Und es war die beste Jausenplatte, das beste Sauerkraut, die besten Spareribs und Blunzen … zumindest für uns an diesem Tag.

#286: Schule und so

Wenn ich ehrlich bin, dachte ich, dass meine ersten Wochen im Schulleben damit ausgefüllt wären, über die Voreinschulung des Juniors zu diskutieren. Da Ich in den letzten Monaten immer wieder damit konfrontiert gewesen war, ob es gut, schlecht, besonders schlecht, katastrophal und oder sinnvoll wäre Little Django voreinzuschulen. Aber wie mit einem sensationellen Vertrauenslehrer diskutiert, ist die Aufgabe eines Lehrers heute nicht nur die Leistungsförderung, sondern auch die soziale Unterstützung von Kindern. Und in den letzten Tagen hat sich gezeigt, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, der Richtige ist.

Und das ist auch eigentlich gar nicht mein Thema mit dem ich mich wirklich auseinandersetzen muss, zumindest bis jetzt noch nicht, da unser Junior ganz glücklich ist. Dafür kämpft die Prinzessin mit Schwierigkeiten, die sich schon letztes Jahr abgezeichnet haben, wir aber nicht Ernst genommen haben. Ein Mädchen hat eine ganze Klasse im Griff, schon alleine deswegen wahrscheinlich weil wenn es nur ein Mädchen betrifft, der Begriff des Mobbings schnell zur Hand ist. Dabei ist die Klasse unserer Großen eine grundsätzlich wirklich Nette. Die Kinder sind engagiert und noch entzückend süß. Und eigentlich war letztes Jahr meine Süße zu Beginn gar nicht betroffen, da beflegelten sich ein paar Kinder untereinander und doch kippte es. Ich kann nicht einmal sagen wann, was und wie oder gar wieso, aber als mich vor 2 Wochen nach dem Unterricht meine verzweifelte Tochter angerufen hat und meinte, dass sie einfach so nicht mehr kann, war es klar, dass ich diese Situation als solches nicht weiter akzeptieren würde. Vor allem da wir in Woche 4 am Schulbeginn waren.

Seitdem bin ich präsent und alleine das macht schon spürbar einen Unterschied aus, gibt es etwas mehr Ruhe. Trotzdem fehlt die Unbeschwertheit, und mit den neuen sozialen Medien sind Verletzungen immer einen Klick weit entfernt.

#285: Für mein Wien

Wählen zu gehen ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch ein Vermächtnis aus Generationen vor mir, die für dieses Recht gekämpft haben. Vor 100 Jahren durften wir Frauen noch nicht einmal wählen! Erst 1918 wurde das allgemeine Wahlrecht für Frauen eingeführt. Ich gehe wählen, weil ich meine Stimme einsetzen möchte, als demokratisches Mittel meiner ganz persönlichen Mitbestimmung. Und aufgeregt bin ich jedes Mal, wenn die Hochrechnungen kommen und ich mithoffe, mich mitfreue oder erschüttert bin über das Ergebnis.

Heute im Wahllokal durfte ich das erste Mal seit vielen Jahren wieder einmal anstellen. Ob die Mobilisierung gelungen ist, weil der Bürger hauptsächlich über Angst motiviert worden ist, darf durchaus in den Raum gestellt werden. Weniger die Sachinhalte haben gezählt, als die Emotionalisierung vom Fremden und dem Hass gegenüber dem Fremden. Wer sich die Mühe machen würde, um die Abstimmungsverhältnisse im Wiener Parlament sich anzusehen, kann ganz schnell erkennen, wer in welcher Konstellation und Farbgebung wofür und wogegen ist. Aber das ist mühsam und bedeutet Arbeit, hingegen schnelle Sager besser ins Hirn einfahren und dort haften bleiben.

Ich gehe wählen, auch wenn ich nicht immer zufrieden bin, wenn ich weiß, dass man es besser machen muss. Ich gehe wählen, weil es meine Stimme ist, die nicht verstummen darf. Ich bin immer schon wählen gegangen und solange ich es darf – den in vielen Ländern der Welt ist es nicht selbstverständlich – werde ich wählen gehen. Ich bin ein politischer Mensch und kann mich mit voller Hingabe auf Diskussionen einlassen, die unterschiedliche Positionen mit sich bringen. Ich beende sie aber dort, wo Missgunst, Verachtung und Hass beginnt. Ich bin Wienerin und so vieles mehr. Ich habe heute für mein Wien gewählt.