#284: Ahhhhhhh

Heute früh war ich wirklich nicht auf der Höhe, wie man so schön sagt. Eigentlich war ich so richtig xxx drauf, wäre der passendere Ausdruck. Und dabei hat der Morgen gar nicht so schlecht angefangen, verglichen zum Gestrigen. Kinder und ich standen auf, Kind 1 frühstück in aller Ruhe (das gestrige Drama entstand durch nicht vorhandene Frühstücks-cerealien – wobei es ging nur um die eine Sorte, alle anderen waren eh da), Kind 2 will heute nicht frühstücken (wie meistens), das Ankleiden funktioniert, nachdem wieder alle Lieblingspullis, T-Shirts usw. vorhanden sind (gefühlt ist es manchmal so, als ob es nur 3 T-Shirts und 1 Hose im Kleiderkasten gäbe). Zähneputzen und Hygiene alles ganz easy cheesy, es war schon fast unheimlich. Und ich denke, dass war dann auch schon das Problem. Da Kind 1 und ich gestern zu spät gekommen sind (erstmalig), wollte ich heute zum Buchstabentag natürlich super pünktlich sein, aber Kind 1 hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zum Buchstabentag darf Kind ein Ding mitnehmen mit dem zu arbeitenden Buchstaben beinhaltend, im besten Fall – so die Anweisung – dass es in die Hand des Kindes passt. Kind nimmt eine Riesen-Kuschel SCHLANGE mit, wir sind beim A und es hat ein A in der Mitte. Aber da er auch zum Spielen mit seinen Freunden ein selbstgebautes Lego Haus mitnehmen will, brauchen wir eine SCHACHTEL (Schuhschachtel) und auch da gibt es ein A drinnen, wie er mir später erklärt. Da ich mir das Leben aber selbst gerne schwer mache, will ich ihm die Schachtel nicht erlauben, was das Ende vom schönen Anfang (auch mit A) war. Streitend und schreiend (ich hoffe bald kommt das E) verbringen wir die Zeit, die wir eigentlich schon unterwegs sein sollten. Er hat die Schachtel mit, weil ja mit A, er hat alles selbst getragen – schwerst beleidigt, wir haben uns angeschwiegen, aber er hat mich trotzdem lieb.

Alles in Allem bin ich dann gelaufen, um diesen Druck, den ich mir schlussendlich nur selbst mache, abzubauen. Und jetzt geht es mir besser, eindeutig, auch ohne A.

#283: herbstliches Rollerfahren, was es zu bedenken gilt

Ich bin ja schon letzte Woche, als es merklich kühler wurde, mit meinem Roller zu einem Abendtermin gefahren. Da es nichts hochoffizielles war und ich somit leger gekleidet sein konnte, fuhr ich mit Jeans, dicken schwarzen Pulli und Lederjacke. Heute jedoch bin ich zu einer Buchpräsentation gefahren („Karriere neu denken“ von Johanna Zugmann) und als kluge Netzwerkerin war klar, dass es dann doch was schickeres werden sollte. Da ich aber auch zeitlichen Stress aufgerissen habe, da ich vorab noch beim Schulforum anwesend sein musste (eigentlich eh wie immer), wollte ich unbedingt mit meiner Vespa fahren, damit ich sich zeitlich alles so irgendwie ausgehen könnte.

Aber Schickes, Herbst und Rollerfahren stehen eindeutig im Widerspruch zu sich. Gut war, dass ich doch nicht die schwarze Stoffhose sondern die Jeans angezogen habe. Schön ist zwar mein beiger Trenchcoat, aber nur minder warm vor allem mit Blazer und Bluse darunter. Intelligent war dafür der Schal. Schminken ist vorab bei einem Nichtvisierhelm für die Fisch, wie man so schön sagt. Meine Mascara hat sich mit dem Fahrtwind verflüchtigt, zumindest nicht auf meinen Wangen. Merke, Lipgloss sollte auch nachträglich aufgetragen werden, außer man wünscht sich eine mobile Fliegen- und Mückenfalle.

Vielleicht hat die Kälte ein paar Fettzellen wegschmelzen können, ich lese ja immer wieder von Damen, die viel Geld für Kältebehandlungen zahlen. Aber ich steh halt darauf, wenn mein 2-Taktmotor aufheult und ich gefühlte 100 Sachen durch die Stadt flitze. Und ja ich weiß natürlich, dass sie nicht so schnell fährt, aber es ist das Lebensgefühl das zählt, auch wenn ich das erst aufwärmen muss …

#282: bitte schön, bitte gleich

Heute habe ich mich in eine Bäckerei gestellt und verkauft. Das letzte Mal habe ich das so richtig richtig mit 20 gemacht, als ich im good old Herzmansky auf der Mariahilferstrasse (dort wo jetzt der Peek&Cloppenburg drinnen ist) CDs und Tonträger (so ein schönes Wort) verkaufte. Dort war ich ja schon während meiner Schulzeit um mir Geld dazu zu verdienen. An den Tagen, an denen ich dort war, zählte ich immer zu den umsatzstärksten Verkäufern, einfach weil ich es gerne gemacht habe. Und ich habe auch heute gemerkt, dass es eine großartige Erfahrung ist, den Kontakt mit dem Kunden direkt zu spüren und zu erleben.

In manchen Unternehmen nennen sie das „Experience the customer“ und das sollte ein verpflichtendes Werkzeug für alle Mitarbeiter und Manager & Co sein, seinem Kunden da draussen zu begegnen. Aber eigentlich ist es vielmehr, es deckt die Stärken und Schwächen auf, die ein Unternehmen, Betrieb und Mitarbeiter haben. Und es hilft einem selbst über den eigenen Tellerrand zu blicken und Berührungsängste abzubauen.

Warum ich es gemacht habe? Weil Kommunikation nicht mit dem Kunden beginnt, sondern mit dem Mitarbeiter. Weil ich verstehen will, wo die Hürden des Alltages sind, die wir als Berater und Coach gar nicht sehen können. Weil ich es gerne mache.

Es war ein großartiger Tag, ich bin ein paar tausend Schritte in einem kleinem Geschäftslokal gelaufen, habe Backluft schnuppern dürfen und ein engagiertes Team kennengelernt.

Und ich sag es euch: die Vorurteile der zu bedienenden Hofratswitwe kann ich auch nicht bestätigen!

#281: selbst ist die Frau

Ich bin ja wirklich stolz auf mich, neben dem Ausmalen (was ich schon oft, oft, oft gemacht habe) habe ich mich erstmals im Tapezieren geübt. Und es sieht super aus, also abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, die wenn sie auch auffallen als künstlerische Eigenwilligkeit zu sehen sind. Ich habe zwei Toiletten tapeziert und beim zweiten Klo habe ich mich schon professionalisiert, besserer Kleister, besserer Tapeziererpinsel und nicht die Schaumgummirolle zum Glattstreichen (weil gerade nichts besseres vorhanden war). Ich habe übrigens jetzt auch 2 Tapeten geshoppt, die ich einfach ur schön finde. Was mir am Tapezieren gefällt? Dass man schnell ein Ergebnis sieht, dass einfach stylish und schick sein kann.

Außerdem baue ich fleissig Kasterl zusammen und kann ein Billy schon blind und mit einer Hand am Rücken fertigstellen. Und ich liebe die Ikea Fundgrube. Bei Ikea habe ich sowieso eine großartige Erfahrung gemacht, nachdem ich mein Auto fast ganz beladen hatte, jedoch ein schweres Packerl noch draussen lag (ich bin ja Meister bei Ikea Tetris), überlegt ich gerade, wie ich die Hebelkraft einsetzen könnte, um die 30 kg ins Auto zu bekommen. Da blieb ein älterer Herr (arabischer Herkunft) einfach mit seinem Auto stehen, stieg aus und hob mir das Paket hinein. Einfach so.

Als er meine Fundgruben Artikel sah, lachte er und meinte, dass wann immer er reinschaut, er nie etwas findet. Manchmal kann das Miteinander so einfach sein.

#280: Raison

Spinoza (ein Philosoph mit Sonderstellung) sagte über die Emotionen: „… der Vernunft widerstreitend, als eitel, widersinnig und abscheulich verschreien …“ und wenn ich manche Artikel und Kommentare zu der jetzigen Flüchtlingsdiskussion lese, dann verstehe ich seine Einstellung. Da Emotionen die Handlungsweisen beeinflussen, sehe ich für ein zukünftiges Europa und ein friedliches Miteinander ziemlich schwarz.

Selbst in der Presse scheinen sich unversöhnliche Meinungen wie die von Herrn Ortner und von Frau Hamann gegenüberzustehen, ganz zu schweigen von den Postings darunter. Es wird gehetzt, gefurchten und dramatisiert.

Ja es sind viele Flüchtlinge nach Österreich gekommen, ja wir können die Auswirkungen noch nicht voraussehen. Ich weiß nicht, ob und wieviele IS Kämpfer sich unter den Flüchtlingen befinden. Und ich habe auch mit keiner Psychiaterin gesprochen oder mit jemanden der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt … Ich kann auch keine Patentlösung anbieten, wie mit der Flüchtlingssituation umgegangen werden soll. Sicher nicht mit noch mehr Angstmache, Gewalt und Verachtung.

Hilfreich bei meinen Überlegungen ist sicher nicht meine berufliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ethik und Moral, weil über die wollen viele nur dann sprechen, wenn es keinen direkten Anlassfall dazu gibt. Oder wie wollen wir uns unserer Verantwortung stellen?

Ich versuche mich meiner Verantwortung zu stellen mit den Mitteln und Möglichkeiten, die mir möglich sind und offen stehen. Und gefühlt ist das immer noch zu wenig. Vor allem, wenn ich Menschen sehe, die mit leeren Augen vor einem sitzen aber ich dann auch Kinder, die ballspielend durch eine Bahnhofshalle toben, beobachten kann. Helfer, die nicht müde werden, obwohl der ganze Körper davon schreit. Ich will etwas tun, was jedoch nicht heißt, dass das jeder tun soll oder muss oder will oder kann. Ich kann etwas tun, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Ich muss etwas tun, weil ich es als meine Pflicht sehe. Ich soll etwas tun, weil ich ein Vorbild für meine Kinder sein möchte.

Was ich aber nicht kann ist eine Lösung für diese Situation zu finden. Die Verantwortung eine Lösung zu finden, liegt nicht bei mir und den Postern, Kommentatoren, Hetzern, Träumern, Lügenjournalisten, Wahrheitswissenden und rechten wie linken Fundamentalisten, sondern bei denen die von der Mehrheit legitimiert worden sind. Und die Aufgabe bestünde nach Heins auch darin, dass: „… und drittens sind die Vernünftigen legitimiert, die anderen zur Raison zu bringen.“

#279: ein Sommer wie keiner

Manchmal fällt einem erst im Nachhinein auf, wie sich etwas langsam und schleichend verändert hat. Mein Sommer war so ein Fall. Eigentlich hat alles ganz normal angefangen mit Pfadfinderlager und Kindergarten. Meinen Recherchen für meine wissenschaftlichen Arbeiten und Projekte. Außerdem stand ganz groß am Plan mein Büro und meinen Rückzugsort herzurichten, umzubauen und renovieren.

Womit ich jedoch nicht gerechnet habe, ist die Unzuverlässigkeit mancher Handwerker, die schon teilweise unzumutbar war. Die ersten Tischler habe ich dann nach 2 Wochen meinen Räumlichkeiten verwiesen, nicht nur weil die geleistete Arbeit nicht als Arbeit zu bezeichnen war (selbst der Tischler danach schüttelte ungläubig den Kopf), sondern auch weil in guten Verstecken Jägermeister und Co gesammelt wurden. Diese Abhängigkeit ist nervenaufreibend und zeitintensiv. Aber trotzdem auch da beißt man sich durch und lässt sich nicht unterkriegen. Und langsam nimmt mein zweites Zuhause auch Formen an. Das bei einem Umbau und Renovierungen nicht immer alles glatt läuft, damit rechne ich ja sowieso. Wenn man zum Beispiel ein nicht angeschlossenen Kabel im Kloschacht vorfindet. Oder sich ein einzuziehendes Kabel nicht mehr weiterbewegt, weder vor noch zurück. Beim Ausmalen nicht nur die Farbe herunterkommt sondern gleich der ganze Verputz. Und über das Putzen will ich gar nicht reden. Aber es wird.

Man ist aber nicht nur abhängig von Handwerkern, sondern leider auch viel zu oft von der Meinung und Äußerungen von anderen. Dieses Vertrauen in sich selbst, Fehler machen zu dürfen. Oder auch Grenzen zu setzen, ohne Angst haben zum müssen, dass man weniger gemocht, wert oder was auch immer wird. Dieses Wissen geht einfach manchmal unter, unter im Alltag mit den Kleinigkeit und Großartigkeiten der Probleme und Herausforderungen.
Diese Stärke müssen wir uns manchmal wieder erkämpfen, wie es meine Freund J. bewundernswert gerade gemacht hat. Diese Stärke tragen wir in uns. Aber ich habe auch wunderbare Menschen um mich herum, die mir diesen Tritt in den Arsch mal verpassen. Oder mich in den Arm nehmen.

Und ich habe meine zwei Kinder. Jede/r einzigartig in ihrer Art und Weise. Die mich (noch – gsd) brauchen und mir diese Liebe mal mehr oder weniger oder auch sehr verquert zeigen. Und am schönsten ist es, wenn wir alle gemeinsam lautstark, laut-falsch im Auto „We are the Champions“ singen.

#278: die fast lässige Schulwoche

Während auf der einen Seite jetzt meine letzte erste Schulwoche startete, begann auch unsere „ich-bin-cool-bald-ein-Teenager-lässig“ Schulwoche. Im zweiten Gymnasium weiß man, was einem erwartet. Da ist es wichtig für die Prinzessin in welchem Stock die Klasse ist, damit man (Mädchen) nicht so weit laufen muss. Am zweiten Tag werden dann schon alle Sachen mitgeschleppt (Mama, führst du mich bittttteeeee, weil das ist sooooo schwer), damit der Spind eingeräumt werden kann.

Überhaupt ist der Quasi-Teenager schon viel abgeklärter (zumindest tun wir mal so) und erklärt uns, wann sie was wie wo machen will, um dann am Abend kuschelnd auf der Couch neben mir zu liegen. Wenigstens eins blieb gleich, unser Schulanfangs-Jahresbesuch im Lorenz Böhler Unfallkrankenhaus. Fast pünktlich wurde wieder im Turnunterricht das Sprunggelenk sich gezerrt. Als sie nicht-auftretend mit Faltenrock vor die Ärztin trat und diese ihr sehr direkt mitteilte, dass sie bitte soweit als möglich auf der Ferse gehen solle (und nicht auf einem Bein springend, hinterherschleifend …), bekamen wir anschliessend eine Turnbefreiung und einen Strumpf und beendeten so unsere erste Schulwoche auf schon fast alt-bekannte Art und Weise.

#277: meine letzte erste Woche

Letzten Montag hatte ich meinen letzten ersten Schultag. So wie ich diesen Sommer das letzte Mal im Kindergarten war. Und eigentlich ist es mir auch da bewusst geworden, dass ich (wir) einen Abschnitt beenden und einen Neuen beginnen. Mein kleiner großer Rabauke geht in die erste Klasse Volksschule und das ist oder besser war ein aufregendes und auch beängstigendes Gefühl. Was wenn … Wenn was? Sicher ausschlaggebend für meine Aufregung war die Tatsache, dass ich meinen Sohn voreingeschult habe.
Und ich muss und will das auch gar nicht rechtfertigen, weil es schon die richtige Entscheidung war. Ich sehe es täglich wenn der kleine Große in die Schule läuft, mir von seinen zwei neuen Freunden erzählt. Davon berichtet, dass es da einen wirklich schlimmen Buben gibt und heute seinen Turnbeutel packt, weil er beim Fussballtraining der Miniliga schnuppern darf.

Die erste Woche ist vorüber und es kommen noch sehr sehr viele in seinem und meinem Leben. Sie ist gut gestartet und das bleibt, ganz gleich was.