#275: Stammgast

Gestern haben wir in kleinem Kreise (Freunde, Familie, Kinder) über die kleinen und großen Verletzungen unserer Kindheit sinniert und haben dabei festgestellt, dass mein Bruder mir würdigst nachgefolgt ist. Ich erinnere mich, dass ich bis heute kein Kind kenne, dass so viele blaue Flecken auf seinen Beinen hatte, wie er. Er erinnert sich dafür daran, dass ich mit Vorliebe auf diese dann gedrückt habe mit der Frage „Tut’s weh?“. Unsere Mama wiederum erinnert sich daran, dass sie ständig mit einem von uns beiden bei irgendeinem Arzt oder in einem Krankenhaus war. Löcher in Knie, Löcher im Kopf, am Kinn, Splitter in den Füssen und zerschnittene Hände …

Mein persönliches Highlight als Kind war jedoch das Duell zwischen der Hauskatze von Stiege 5 und mir. Nachdem ich bei Daktari gesehen hatte, dass wenn man einer Wildkatze (Tiger, Löwe …) begegnet sie einfach anstarren soll, um ihr zu zeigen, wer der Stärkere ist, dachte ich, dass ich diese Methode durchaus auch bei einer Miezekatze ausprobieren könnte. Vielleicht war die unmittelbare Nähe (20 – 30 cm) zu Nahe oder mein stechender Blick zu bedrohlich, die Katze wehrte sich und pratzelte mit ausgefahrenen Nägeln in mein Gesicht und ein paar Zentimeter unter meinem rechten Auge. Es folgte ein Arztbesuch und eine Auffrischung meiner Tetanusimpfung.
Heute verstehe ich, dass in Kindersendungen ständig darauf hingewiesen wird, solche Dinge nicht nachzumachen. Wobei, ob mich das wirklich aufgehalten hätte?

Diese Erinnerungen machen es jedoch nicht leichter, wenn man Prinz und Prinzessin zu Hause hat, die eine ähnliche Tendenz zum Stammgastsein aufweisen. Im Lorenz Böhler kennen sie uns schon, keine Hand, Fuss oder Kopf, die noch nicht geröntgt wurden.

Mein persönliches Highlight als Mutter lieferte mein Kamikaze-Sohn mit 10 Monaten, als er stehend vom Fensterbrett (er bewegte sich noch auf allen Vieren am BODEN), welches er über eine Couch und dessen Armlehne (!) erreichen konnte, mit einer Hand winkend, weil mit der anderen Hand hielt er sich am Fenstergriff fest, Mama rief. Nur die erste Sekunde – ein richtiges Wort von ihm zu hören – erfüllte mich mit Freude, der Rest lief in einer gefühlten Zeitspanne von Stunden ab, um ihn mit aller Ruhe vom Fensterbrett zu heben.

Von wem er das bloß hat?

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