#271: Wurzeln

Was in Graz passiert ist, hinterlässt mich einfach fassungslos. Ich kenne Grazer und Grazerinnen, SteirerInnen und viele Menschen, die die Stadt lieben und immer wieder gerne hinfahren, weil es einen wunderbaren Charme hat – eine Landeshauptstadt mit Kleinstadtcharakter. Verstehen kann ich nicht, was einen jungen Mann dazu treibt einfach loszufahren, ohne Rücksicht darauf wer einem im Weg steht. Ein Kind ist tot, einfach so, sowie zwei weitere Menschen. Unzählige Menschen verletzt.

Ich verstehe vieles nicht, den Täter nicht und nicht die Verhetzung gegen die Wurzeln eines Menschens. Es ist etwas unmenschliches passiert, etwas was über unsere Herkunft weit hinausgeht. Es trifft uns dort, wo wir alle gleich sind, in der Vergänglichkeit unseres Daseins.

#270: Moral an unmoralischen Plätzen

Fr. Dr. Kallhoff will sich demnächst mit Moral an unmoralischen Plätzen beschäftigen, wobei ein Fokus ihrer Lehrveranstaltung vor allem Kriegsschauplätze und Kriege per se betrifft. Wobei wir diese Thematik auch auf manchen Wirtschaftsplätzen findet. Denken wir an Korruption und dessen Aufdeckung, oder ungebührlichen und unmoralischen Verhalten von Gesellschaftern oder Verletzungen von Mitarbeitern durch Mitarbeiter.

Unmoralische Plätze sind längst nicht nur in uns bekannten „bösen“ Umgebungen zu finden. Sie können sich im Alltag verstecken und werden oftmals erst durch das moralisch richtige Verhalten aufgedeckt. Wozu sonst sollten wir heute Wikileaks, Whistleblower Plattformen oder ähnliches erklären können.

Moral und Ethik sind längst als Diskussionsfeld in der Wirtschaft angekommen. Ob und wie sie umgesetzt werden, obliegt den handelnden Personen und das wird schwierig genug.

#269: Metaethik

In der Metaethik gibt es unterschiedliche Ansätze, die sich damit beschäftigen, ob es eine Wahrheitsbegriff für moralische Eigenschaften gibt. Da sagen die einen, dass man Wahrheitswerte nicht moralischen Eigenschaften zuschreiben kann (Non-Kognitivisten) und dann die Kognitivisten, die meinen, dass Wahrheitswerte wissenschaftlich entschieden werden können.

Eine schwierige Frage, die ich nur sehr oberflächlich ankratze, weil unter diesen zwei Positionen finden sich noch weitere Positionen, die sich von naturalistischen Thesen bis hin zur ontologischen Queerness bewegen. Diese Ansätze finden sich in unzähligen wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Überlegungen diskutiert, von wesentlich klügeren Personen, als ich es bin.
Und trotzdem frage ich mich, ob es nicht wünschenswert wäre, wenn wir moralische Eigenschaften als wahr definieren könnten, um dann ethische Theorien zu betrachten. Wobei wenn ich wünschenswert sage, dann spreche ich doch schon wieder von einer intrinsischen Motivation, die doch viel zu subjektiv ist, da es mir – ehrlich gesagt – um „gute“ ethische Theorien geht, was es eben heißt, sich richtig und gut zu verhalten, und weniger um die Metaebene darüber. Wird mein Wunsch nicht davon getragen, dass ich etwas wahr machen möchte?

Peter Railton greift diese motivatorischen Wünsche auf und beschreibt sie mit dem Internalismus, der uns eben nicht zu dem Wahrheitswert führen kann. Weil auch, wenn wir oft wissen, was der richtige Schluss wäre, so oder so zu handeln, tun wir es doch oft genug nicht.

#268: ur lange her

Jetzt ist es wirklich lange her, dass ich geschrieben habe, wobei das eigentlich so nicht stimmt. Da ich mich zur Zeit mit 3 Themenbereichen sehr intensiv beschäftige und auch darüber schreibe. Aber eben eher wissenschaftlich, teilweise trocken, teilweise nur zusammenfassend aber immer in Hinblick auf Fragen, die sich aus Texten für mich ergeben.

Einerseits ist da die experimentelle Ökonomie, die mittels Experimenten (Labor und Feld) versucht Theorien zu bekräftigen, zu beschreiben und Erkenntnisse rund um den Homo Ökonomikus (der so ja vielleicht doch nicht existiert) zu gewinnen. Dann lese ich sehr viel zu Emotionen und im Speziellen zu Kollektiven Emotionen, wie wir an Hand welcher Beispiele diese phänomenologisch beschreiben und begreifen können. Gibt es ein Kollektiv überhaupt und kann ein solches in abstrakter Form zb. eines Unternehmens Emotionen haben?

Und last but not least nähere ich mich dem Themengebiet der Depressionen und psychischen Erkrankungen von philosophischer Seite. So werden heute immer wieder Philosophen (Phänomenologen) herangezogen um das Phänomen psychischer Krankheiten besser zu verstehen.

Ein Nachteil meines Studierens ist, dass ich das Gefühl habe (und eigentlich weiß ich es auch), dass ich viel zu wenig weiß und das es wohl auch nie möglich sein wird alles zu wissen.