#267: Vernunft

„Il y a deux sortes des verités, celles de Raisonnement et celles de Fait“ (Leibnitz)

Ich mag diesen Satz, weil es uns das Dilemma aufzeigt, in dessen wir Menschen uns oft befinden. Vernunft oder Glauben, wobei ich von keinem theologischen Glauben ausgehe, sondern von dem was wir glauben zu wissen. Ich wurde in meinem Studium der Philosophie immer wieder gefragt in welchem philosophischen Ansatz ich mich selbst wiederfinde oder welche Position ich vertrete. In manchen Kursen (zum Beispiel Metaethik) dürfen wir das auch über Handzeichen kundtun, um eine Tendenz zu erkennen. Ich enthalte mich meistens, außer das Angebot ist so breit und oberflächlich, dass ich grundsätzlich mitgehen kann.

Was kann uns die Vernunft an Wahrheit bringen? Eine moralische Verpflichtung, die relativ scheint. Nämlich wahr für mich, aber anscheinend noch lange nicht für den Anderen. Ist meine Vernunft eine andere als die anderer? Wir scheinen uns ziemlich sicher, wenn es um den eigenen Kulturkreis geht, was die Vernunft gebietet und was nicht. Aber schauen wir uns die Asylproblematik oder Geld- und Kreditsysteme in der europäischen Union (oder im eigenen Land) an, noch nicht einmal dort finden wir einen Konsens. Also muss dann doch der Glauben herhalten für unser System der Wahrheit.

Im Österreichischen gibt es den Ausdruck, dass jemand am „Watschnbaum“ rüttelt. Manchmal bin ich mir nicht so sicher, ob das die Vernunft oder doch der Glaube ist.

#266: zu alt

Ich habe letztens einen Blogbeitrag von Gerald Hörhahn gelesen „35 Jahre alt, und zu alt für den Arbeitsmarkt“ (http://investmentpunk.com/blog/35-jahre-alt-und-zu-alt-fuer-den-arbeitsmarkt/). Und wer jetzt noch mit über 30 einen Job hat, sollte sich lieber Superkleber auf den Sessel schmieren, da es für „uns“ wirklich schwer wird. Während die unter 30jährigen in einer digitalen Welt aufgewachsenen sind und somit nicht nur einen technologischen Vorsprung ihr eigen nennen können sondern auch einen semantischen Vorsprung des Sprachgebrauchs (lol, yolo, rofl, …)haben, haben wir die über 30jährigen nur unsere Erinnerungen, wie schön es einmal war (zig Postings und Power Point Präsentation mit lustigen Bildchen aus der Wickie, Slime und Papier Generation).

Ich stimme zu, dass die Arbeitssuche eine Schwierige ist. Jedoch nicht nur für die Generation 50 + und 35 +, sondern auch für die digitalen Natives. Der Economist schreibt, dass nur 1 % der Elite-Studenten in Jobinterviews genommen werden, da das Management nicht mit „Zuckerbergs“ besetzt werden soll. Durchschnitt und nicht Auffallen lautet das Motto, wenn man den befragten Personalberatern des Economists glauben darf (http://econ.st/1eaNXv3). Ich kenne Absolventen (mehrere) der TU (Elektrotechnik), die seit geraumer Zeit ihre beruflichen Erfahrungen in der Gastronomie machen müssen. Bei Bewerbungsgesprächen will man junge Mitarbeiter, mit den Erfahrungen des 35+ und den Gehältern des Maturanten. Genauso schwarz/weiß, wie der oben genannte Blogbeitrag.

Ich bin bestimmt kein digitaler Nerd, aber auch kein digitaler Dinosaurier. Und ich bin in der glücklichen Position von dem, was ich tue leben zu können. Aber gut zu sein, ist leider heute nicht mehr ausreichend. Das Gegenrezept jetzt mal schnell an die New Economy, Web 4.0, Story Telling, digital Literacy, …. anzudocken, wäre zu einfach und nicht ausreichend. Ulrich Brand hat hier im Zuge von Nachhaltigkeitsprozessen, politischen und Wirtschaftssystemen einen interessanten Beitrag geleistet (Brand (2014): Transition und Transformation: Sozialökologische Perspektiven), indem er zeigt, wo wir stehen und wohin der Weg gehen kann.

#265: Seite der Kinder

2012 habe ich einen Brief geschrieben, der meine Sicht auf eine Familiensituation wiedergeben sollte. Damals bat mich F., dass ich ihn unterstützen solle, da seine damalige Frau bei Gericht ihm mehr als nur „Steine“ im Scheidungsstreit in den Weg gelegt hatte. Heute habe ich mir diesen Brief wieder durchgelesen, da durch einen Todesfall in der Familie wieder alles hochgekommen ist. Und damals wie heute, stehe ich zu dem, was ich geschrieben habe. Der Vater liebt/e seine Kinder – beide – aber vor allem seine Tochter war eigentlich immer das „Papa-Mädchen“. Auch wenn also die Beziehung zwischen den Beiden zerbrochen ist, so haben doch die Kinder ein Anrecht auf ihren Vater, vor allem, wenn er an deren Leben aktiv teilnehmen möchte. Sollte das nicht immer das oberste Ziel von Mutter und Vater sein? Aber Hass ist nur darauf ausgerichtet zu zerstören, gleich wem es noch umliegend trifft.

In meinem Brief stand auch, dass der F. mit Schuld trägt am Scheitern der Ehe, ein Ignorieren und Wegschauen in einer Beziehung ist einfach zu wenig. Aber für seine Kinder wollte er da sein, will er lieben, liebt er … Heute, drei Jahre später, kommt nur der Bub zu ihm und lacht und ist glücklich. Während das Mädchen in ihm den Erzfeind sieht, geimpft durch die Mutter. Er fragt auch, ob ich glaube, dass seine S. irgendwann mal mit ihm reden wird. Und er glaubt selbst nicht daran. Aber Kinder werden erwachsen und lösen sich von den Meinungen ihrer Eltern und hinterfragen. Und das hoffe ich auch für S., weil ich mich daran erinnere, wie sie bei den Großeltern immer bei ihrem Papa saß. Weil ich mich daran erinnere, wie er ihr das Trompetenspielen näher gebracht hat. Weil ich mich daran erinnere, …

Es geht um das Wohl der Kinder und schlussendlich bin ich auf deren Seite gestanden.

#264: neuer Wein in alten Schläuchen

Müssen wir uns wirklich immer neu erfinden?

Ich hatte heute ein Meeting, wo mein Gegenüber am Ende so erleichtert war, dass ich nicht von ihm verlangt hatte, alles neu machen zu müssen. Alle bisherigen Gespräche mit Agenturen und Beratern liefen darauf hinaus, dass das bisher Geschaffene umzuwerfen ist. Fast so als wäre es notwendig sich eine Daseinsberechtigung zu schaffen.

Aber ist die Daseinsberechtigung nicht schon alleine dadurch gegeben, dass ich mir Gedanken zu meinem Gegenüber mache und zwar nicht Alles NEU, Alles BESSER, Alles ANDERS … Natürlich will ich besser sein und das Beste für meinen Auftraggeber herausholen, aber dazu kann die bestehende Basis durchaus hilfreich sein. Frühere Partner haben doch (hoffentlich) keine schlechte Arbeit geleistet, sondern einfach nicht mehr das Richtige für das Jetzt und das Zukünftige.

Als Berater und Coach dürfen wir nicht ein „joint commitment“ vergessen, weil sonst laufen wir alleine los und lassen unser Gegenüber irgendwo am Weg liegen.

#263: Netzwerke

Wenn ich darüber nachdenke, wie meine Mutter noch vor 30 Jahren mit ihren Problemen, gleich wie mächtig klein sie vielleicht waren, umgehen musste, dann merke ich, wie froh ich bin, wie wir Frauen uns stärker und unserer selbst bewusst geworden sind. Wir sind heute viel stärker vernetzt.

Google Plus mag sich zwar nicht durchgesetzt haben, aber ihre Bubbles oder Kreise spiegeln schon die Relationen zwischen uns und unseren Freunden, „Freunden“ und „Freunden von Freunden“ oder den Kollegen den „Freunden der Kollegen“ und so weiter dar. Interessant wird es dort, wo sich Überschneidungen finden, nicht nur bei den Bubbles, sondern auch bei den Interessen, Einstellungen und Meinungen.

Wir Frauen bewegen uns in einem mehrstufigen Model, dass wesentlich differenziert ist als noch vor 30 Jahren beziehungsweise auch differenzierter wahrgenommen wird, vielleicht auch aus der Notwendigkeit heraus, dass sich das Frauenbild verändert hat. Es ist weniger als 20 Jahre her (ein paar Jahr auf oder ab), dass häusliche Gewalt Eingang in das österreichische Rechtssystem gefunden hat. Ich habe Freundinnen deren Mütter ihre Kinder „abgeben bzw. aufgeben“ mussten. Heute für uns undenkbar.

Ich bin froh, dass ich meine Bubbles habe, egal ob es die Frauen sind, die bei mir im Haus wohnen und mir in der Sekunde Hilfe anbieten (auch Anteilnahme und angebotene Unterstützung ist schon Hilfe), wenn die Kinder oder ich nicht so rund laufen, oder die Queens die genau wissen, dass „Perfekt aussehen müssen nur die Frauen, die sonst nichts können“ und die Zeit, die wir miteinander teilen einfach die, wertvollste ist. Oder oder oder …

Es sind diese Netzwerke, die uns helfen werden auch in Zeiten, wenn wir zu alt für den Arbeitsmarkt sind, zu blöd für unsere Kinder, zu zickig für die KollegInnen, zu unattraktiv für Männer oder zu jung um krank zu sein.

#262: Wenn die Worte fehlen

Nachdem ich mich die letzen Jahre stark mit den Aspekten der Ethik in der Gesellschaft und in der Wirtschaft beschäftigt habe, gehe ich zur Zeit – für mich – ein paar Schritte weiter und tauche phänomenologisch in die Welt der Emotionen ein. Nicht nur von aus einer Ich-Perspektive heraus, sondern auch was solche für ein „Uns“ bedeuten können. Ob sie überhaupt vorhanden sind oder vielmehr ein Produkt aus der Notwendigkeit heraus, dass wir für eine gemeinsame Welt und deren Wahrnehmung dieser (für soziale Normen und dem richtigen Verhalten daraus resultierend) kollektive Emotionen brauchen, sind.

Die Schwierigkeit liegt schon darin, dass wir in unserer Alltagssprache salopp von „uns, wir und gemeinsamen“ sprechen. Und uns dann aber in den Momenten der Beschreibung, was bewegt, wie es fühlt die Worte abhanden kommen. Vielleicht weil es einfach mehr als nur ein Fühlen oder eine Emotion ist, die wahrgenommen werden. Gerade Trauer und der Verlust eines Menschens löst so viel aus, dass wir durchaus gemeinsame und kollektiven Schmerz, Wut oder Traurigkeit empfinden können, aber es dazwischen, davor oder danach aber vielleicht auch parallel Emotionen gibt, die einem ganz alleine gehören.

Wir empfinden mit, wir teilen Emotionen und doch sind wir auch alleine.