#237: Lieber Palmers, baba und fall ned …

Ich bin ja kein Freund von derben Ausdrücken, aber ich lass mich ungern verarschen, sowie es Palmers mit seinen Kunden gemacht hat. Ja ich weiß, dass die Geschichte schon wieder alt ist und einen Bart hat und wenn interessiert es nun wirklich noch.

Aber ich habe mit Anfang des Jahres eine Email an Palmers geschrieben, dass ich kein Kunde mehr sein möchte und zwar auch keiner der in ihrer Datenbank zu finden ist, der zukünftig auch über zugekaufte Adressen nicht mehr von ihnen kontaktiert werden darf und sie sich ihren Jahresbonus gerne wohin schieben dürfen (ich habe es dann doch freundlicher ausgedrückt), da weder ich noch sonst jemand aus meiner Familie bei Palmers zukünftig aufkaufen werden.

Die Werbeaktion mit den Flügen ist Betrug am Kunden, und die Ausrede, dass sie mit dem Ansturm nicht gerechnet haben, dass die zugeschaltete Agentur Schuld ist, dass, dass, dass… ist ein Trauerspiel einer unfähigen Marketing- und Werbeabteilung. Es gibt bis heute Kunden, die keinerlei Angebot erhalten haben, Kunden, die sich beschwert haben, haben Gutscheine (bis zu € 50) erhalten, andere wiederum nicht.

Ich habe auch eine Email geschrieben, nachdem mir die Agentur Inspira einen Flug nach Lissabon an Tagen geschickt hat, die jenseits meiner 2 Daten waren und mit Flugzeiten von über 6 bis 7 Stunden. Damals habe ich mir auch die Mühe gemacht, um Flüge nach Lissabon zu prüfen und hätte günstigere Flüge am gleichen Tag erhalten, als dieser Flug kostete, was den persönlichen Verdacht nahelegte, dass es gar kein Interesse daran gab, dass ich einen Flug buchen sollte. Das Feedback des Service Centers war weniger als berauschend und ähnelte mehr einem „Pech gehabt, aber tut uns eh irgendwie leid“, daher wenn auch erst jetzt, aber auch wegen einem Gespräch mit einer weiteren enttäuschten Freundin, ist es jetzt so weit, ich will nicht mehr Kunde oder Konsument sein. Lieber Palmers, baba und fall ned …

#236: Fanta4

25 Jahre Fantastische 4, wobei ich 22 1/2 Jahre davon tatsächlich troy war. Eingestiegen 1992 mit „Die Da“ einem nicht unbedingt lyrisch anspruchsvollen Text, aber damals waren wir noch alle jung. Und Michi Beck mit seinem „S“-Fehler einfach süß. Heute 22 1/2 Jahre später bin ich immer noch troy. Es gibt immer noch Texte, die durchaus leichter scheinen, die Musik aber eindringlich unaufdringlich ist. So wie auch das 25 Jahre Jubelkonzert, sogar Falcos „Rock me Amadeus“ wurde dafür bemüht, etwas was nicht jeder dürfen sollte und trotzdem viele tun, aber bei Fanta 4 ist das sowieso etwas anderes. Das erklärt wahrscheinlich auch, dass eine deutsche Hip-Hop Band bei Rock am Ring unter Metallfans auftreten darf.

Das Konzert war extrem kurzweilig und sie haben auch Songs gespielt, wie Buenos Dias Messias, die alles nur nicht mainstream sind. Populär oder wir ernten was wir säen sind nicht nur musikalisch stark sondern auch in ihren Texten und man merkt ihnen die 25 Jahre nur im Aussehen an – Michi Beck Haare sind weniger mutig frisiert, Smudos Bauch etwas größer und Thomas D. zog sich nicht ganz aus … nur nicht And.Ypsilon ist der, der er immer war im Hintergrund.

Danke für ein wundervolles Konzert, nicht mein Erstes und hoffentlich nicht mein Letztes, weil ich bleibe troy!

#235: Sensibilisieren

Zur Zeit schreibe ich intensiv an einem wissenschaftlichen Papier zu Recht und Moral, daher komme ich auch nicht wirklich dazu mich mit anderen Themen zu beschäftigen. Alles dreht sich um diese Begriffe, wie Gerechtigkeit, Gesetzgebung, Entscheidungen und Moral. Und sie hinterlassen gerade durch die Geschehnisse der Vergangenheit und dem was passieren kann ein komisches Gefühl.

In der Rechtsphilosophie gibt es zwei entgegensetzte Haupt-Strömungen, die einen, die sagen bei der Entscheidung für einen Fall (hard cases im Speziellen) darf Moral keinen Einfluss haben. Richter müssen sich nur nach dem Gesetz richten, alles andere darf kein Thema sein. Hingegen die Gegenposition vertritt die These, dass wir nicht alle Fragen beantworten können, und dieser Blick nach aussen erlaubt sein muss. Dort wo wir keine Antworten finden, muss die Moral miteinbezogen werden.

Persönlich sehe ich keine Möglichkeit moralische Werte aussen vor zu lassen, wobei ich hier keine Bewertung von Moral abgeben möchte, was richtig ist und was nicht. Was als gerecht erachtet wird und was eben nicht. Ein Sensibilisieren ist aber mehr den je notwendig, um Antworten zu finden.

#234: Ich will Charlie sein

Im New Yorker vom 07. Jänner schreibt George Packer, dass wir alle versuchen müssen Charlie zu sein. Und zwar nicht nur heute, um unsere Solidarität zu bekunden, sondern täglich und zu jeder Zeit. Es geht um unsere Freiheit und dem demokratischen Verständnis mit dem wir aufgewachsen sind, sie ist so selbstverständlich für uns geworden.

Ich will Charlie sein. Ich bin Charlie. Ich will nicht still sein und Angst haben. Ich will auch nicht Angst für und um meine Prinzessin und meinen Ninja haben. In einer meiner letzten Vorlesungen auf der Uni sprach eine Professorin davon, dass wir es in der Hand haben (die noch Jüngeren als ich) etwas zu ändern, damals sprach sie vom Klimawandel, aber es muss viel weiter gefasst werden. Es geht um Toleranz, Pluralismus, Freiheit und Demokratie.

Ich will Charlie sein. Ich bin Charlie. Ich will mich aber auch nicht mobilisieren lassen von einer Hetze, die wiederum nur Intoleranz und Ausgrenzung schafft. Mein Großvater war im Arbeitslager (KZ) weil er eine andere politische Gesinnung hatte, mein anderer Großvater hatte von einem Krieg genug und verweigerte im zweiten Krieg eine Waffe zur Hand zu nehmen.

Ich will Charlie sein. Ich bin Charlie. Ich will nicht Angst haben. Ich bin ein halber Tschusch und ich darf das sagen, weil ich eben einer bin. Und ich habe als Kind erlebt, was das für meine Mama bedeutete. Als sie – die guten braven redlichen … wer sie auch immer waren – meiner Mama über Geschmiere an der Türe mitteilten, dass Ausländer raus müssen – im gutbürgerlichen Eigentumsheim.

Ich will Charlie sein. Ich bin Charlie. Ich will leben und etwas verändern. Wer macht mit?