#214: Spielplatz Daddys

Letztens am Spielplatz war ich wirklich geflashed, rundherum nur coole Papas in Baggypants, lässigen T-Shirts, wilder Pittfrisur und Ray-Bans auf der Nase. Fast Pipi in die Hose machte ich aber, als ich 2 besonders coole Exemplare auf der Bank sitzen sah, lässig das Bein übergeschlagen und miteinander plauderten über den Nachwuchs, die Jausenbox herrichteten und einfach chic aussahen, während sich der Nachwuchs sich im Rindenmulch wälzte.
„Also so schwer ist das auch nicht.“
„Stressig sowieso nicht, auf das bisl Kind aufzupassen.“
„Die Sonne ist schon herrlich heute.“
„Geh Lionel pass ein bisl auf.“

Leider habe ich nicht die erste Streiterei mitbekommen, die Schramme, das endlich gehen wollen, das doch noch dableiben müssen, das ich will jetzt was Süßes, hilf mir, hilf mir nicht, komm‘ endlich mit und höre mir zu …

#213: Bildungsstress

Bildung ist weitaus mehr als ein festzuschreibendes Ziel in einer Gesellschaft, es ist die wichtigste Möglichkeit und Chance um eine stabile Zukunft zu gewährleisten. Und für ein Land, eine Gesellschaft geht es um weitaus mehr als nur um wirtschaftliche Belange, sondern auch um die Sicherheit und Stabilität einer Demokratie.

Bildung sollte auch nicht das Machtelixier der Oberschicht und Eliten werden. Kinder sollen Freude und Spaß am Lernen haben, Werte vermittelt bekommen, die abseits von BIPs und perfekten Lebensläufen stehen.

Ich gehöre der niedrigen Prozentzahl an, denen man nachsagt, dass sie kaum Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss haben, als ihre Eltern. Mein Vater hat einen abgeschlossenen Lehrberuf, meine Mutter noch nicht einmal das und war Zeit ihres Lebens Hilfsarbeiterin. Bildungsfern würde ich mein Elternhaus trotzdem nicht bezeichnen. Mit meinem Vater diskutierten wir über Politik, Wirtschaft und soziale Themen und oft oder fast ständig waren sie heftig und lauft.
„Ihr seid’s noch nicht da, wo ich heute bin. Wirst schon sehen, wenn du mal in meinem Alter bist …“ Meine Mutter war das ausgleichende Ventil, versuchte die Ruhe zu bewahren oder dazwischen zu schreien, dass sie das mit uns nicht mehr aushält, jeden Sonntag das Gleiche … Sie haben uns (meinem Bruder und mir) den Raum gelassen, zu lernen, selbst zu erfahren, kritisch zu sein.
Insofern stimmt es, dass Bildung im Familienverbund beginnt und gestärkt werden muss. Aber es darf auch nicht dazu führen, dass der Druck auf Kinder so enorm ist, dass Kinder nur noch funktionieren dürfen – zu einem Abziehbild ihrer überengagierten Eltern werden.

Wie schon unzählig oft gefordert, muss das Bildungssystem verändert werden. Ein System, dass noch mit schulfreien Tagen aus dem 19 Jahrhundert brilliert (Dienstag nach Pfingsten und Ostern ist deswegen frei, weil früher Lehrer in den Kirchen Orgelspielen mussten und man ihnen somit einen freien Tag zur Verfügung stellte), ist doch mehr als hinterfragungswürdig, vor allem, wo wir im 21 Jahrhundert angekommen sind.

Nur WARUM lässt sich dieses System nicht ändern, daran scheitere ich in meiner Vorstellung, vor allem wenn ALLE (Politik, Eltern, Experten, Nicht-Experten, Lehrer, Schüler, …) es wollen.

#212: Ethik lebbar machen

Zur Zeit beschäftige ich mich intensiv mit Ethik, sei es mit Unternehmensethik, Führungsstilen oder dem guten Leben, aus dem sich Bewegungen, wie Degrowth, entwickelt haben. Ich lese viel, versuche Verbindungen herzustellen zwischen Philosophen von damals und heute. Und dann sehe ich mir die Nachrichten an … Flüchtlingsdiskussionen, IS-Miliz, Flüchtlingsdramen, Luftangriffe und parlamentarische Diskussionen zur Flüchtlingssituation. Dazwischen findet sich vielleicht einmal Ebola, Wirtschaftspgrognosen, Börsengänge und Klimagipfel.

Was hat sich tatsächlich zu den Kriegen von früher verändert? Nur die Mittel und Möglichkeiten? Wollen wirklich nur so wenige die Welt zu einem besseren Leben verändern, dass es unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet?

Die Phantasien, die Philosophinnen wie M. Nussbaum, verfolgen, sind faszinierend. Voller Hoffnung auf das, was im Menschen für Möglichkeiten stecken, gleich Aristoteles, auf den referenziert wird. Und doch, wenn ich dann die Nachrichten einschalte, dann kommen in mir so viele Zweifel hoch, was umsetzbar ist, ob es lebbar ist, und und und.

#211: Führungstheorien 2

Kontingenz Theorien
Kontingenz Theorien fokussieren auf die Variablen die sich in der Umwelt wiederfinden und somit den besten Führungsstil für die entsprechende Situation festlegen wollen.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Theorie ist, dass es nicht den „einen“ Führungsstil gibt, sondern jeweilig angepasst werden muss, an die Situationen, Umweltbedingungen und Relationen in dieser Umwelt.

Der Erfolg von Führung liegt im Erkennen der Variablen, welche bei den Mitarbeitern und deren Qualitäten wie auch den jeweiligen Aspekten der Situationsumgebung liegen.

Die Gefahr besteht darin, dass man heute „hü“ und morgen „hott“ sagt. Die Herausforderung liegt darin, vertrauens- und glaubwürdig zu sein, das viel zitierte Schlagwort der Authentizität kommt hier zum Tragen. Wir vergessen viel zu oft, dass Vertrauen in eine Führungskraft und von der Führungskraft in seine Mitarbeiter der Schlüssel ist.

#210: Führungstheorien

„Great Man“ Theories

Man findet diese Führungspersönlichkeiten immer wieder unter dem Schlagwort „geboren um zu führen“. Dieser Begriff entstammt dem militärischen Führungsverständnis, das vor allem männlich determiniert ist. Heute geht man davon aus, dass dieses Führungsverständnis nicht künstlich hervorgerufen werden kann. Das heißt, entweder man hat es oder eben nicht.
Dabei geht man von Eigenschaften wie Charisma, Intelligenz, soziale Empathie und Selbstbewusstsein aus.

Köhlmeier (Autor) gibt in der aktuellen Furche ein Interview zum Vorarlberger Wahlkampf 2014, wo er angibt Führungspersönlichkeiten mit zu viel Charisma zu misstrauen. Einem Phänomen, welchen wir immer öfter begegnen, da der Missbrauch von Macht vor allem in den letzten Jahren eine neue Qualität erhalten haben, die nicht nur Politik sondern auch Wirtschaft betroffen haben. Die, die „Great Men“ sein wollen, verfügen über keine soziale Empathie und die, die sein könnten sind zu zu intelligent, um sich das anzutun.

#209: Discofox

Es gibt noch immer den guten alten Discofox. Ich konnte es kaum glauben, als ich diesen Samstag in Wien wegging und in der Fledermaus nicht nur schunkelnde ältere Damen im Discofox sich hin und her wiegen sah, sondern ein Mann höchst professionell mit zwei Damen gleichzeitig im Discofox brillierte und das in einer Leichtigkeit, dass es ganz gleich war, dass die drei so aussahen, als würden sie aus einer Landdiskothek (man entschuldige mir mein vorurteilbehaftetes Denken) direkt hier her gebäumt worden sein. Da kann der Taxitänzer aus der Edenbar nicht mithalten!

Einen Gockelfox hat dann der kahlköpfige Muskelprotz hingelegt, der im Feinripp T-Shirt und einer Jeans so tanzte, als hätte er die „Proteine“ mit anderen „Hartmachern“ verwechselt, so steif war der Oberkörper, jedoch leicht übergebeugt (wie ein Gockel) hatten die Beine keine Möglichkeit als einmal nach rechts und links zu scharren.

Motiviert habe ich mich dann bei Sempre, Sempre in den letzten Takten an meine Tanzpartnerin geschmissen und versucht alte Erinnerungen hervorzuholen. Ein herrliches Gefühl. Alles Discofox!

#208: g’scheit schreiben

Seit Anfang der Woche bin ich ganz im Derrida, Deleuze und Philosophie-Fieber. Ich schreibe nämlich eine Seminararbeit über … DAS SPIELZEUG! Ja auch darüber lässt sich klugscheissen. Weil was ist Spielzeug wirklich? Wann ist was Spielzeug? Es kann sich ständig ändern, kann einmal DAS sein, dann was anderes. Das was jeder eben entscheidet. Schaut man sich Kinder an, dann sehen wir, dass aus dem Ast von Kampfwaffen (Wohl das Beliebteste, was noch urzeitmenschlich in uns verwurzelt ist.) bis hin zu Schistecken umfunktioniert werden. Unsere Legomaxerln habe keine Hände, Haare und manchmal hängt der Kopf auch nur am Fuss des anderen Maxerls. Nichts scheint so wie es ist und nichts muss so sein!

Etwas was wir Erwachsene eigentlich eh schon vergessen haben. Aber wir uns unbewusst dies durchaus noch zu Nutze machen, indem wir im Sport unsere Schuhe auf einmal zum Sündenbock des verlorenen Spiels machen, der Schläger nicht mehr der ist, der er einmal war. Oder denkt man an die Spielchen, die wir im Job oder in der Gesellschaft spielen, wo wir Kleidung und andere Machtsymbole zu unserem Spielzeug instrumentalisieren, um etwas darzustellen, wo wir uns fragen können, ob wir das überhaupt sind.

Somit beschäftige ich mit dem Zeug und versuche Parallelen zu ziehen, die uns keine Antworten geben müssen, aber einen Gedanken, der wiederum zum Nächsten führen kann.

Reisebericht: Mönichkirchen im August

Einen der besten Schweinsbraten gibt es in Mönichkirchen im Berggasthof Schwaig, wobei es jetzt nicht nur um das Fleisch selbst geht, sondern vielmehr um den Saft. Mir war schon schlecht, und ich konnte nicht aufhören den Saft mit dem Brot aufzutunken. Unser Vorteil war, dass wir 2 Tage auf der Hütte, die das Schwaig vermietet, waren und somit zur Verdauung jederzeit in den Wald konnten.

In diesen 2 Tagen haben wir unsere Pilzkenntnisse vertieft, nicht nur, dass wir ein paar Eierschwammerl gefunden haben, wir waren im Steinpilz und Herrenpilz-Himmel angekommen, wobei wir lange nicht so viel gefunden haben, wie andere, die ständig mit vollen Säcken um uns herumliefen. Aber das war uns gleich, wir (meine Freundin P und ich) sind mit 3 Kindern durch den Wald gewandert, haben die Burschen mobile Klos bauen lassen, Stecken für alle möglichen Waffen und Angeln angesammelt, am Hochstand so getan, als ob wir ganz viele Tiere sehen würden und Yogaübungen gemacht, nachdem der M. mal kurz blaue Lippen bekam.

Große Fans waren wir auch der Roller und Go-Kart Bergstrecke, die wir uns zumindest 2 x im „gesenkten-Sau-Modus“ runterfahren trauten, beim dritten Mal und einem Kart-Überschlag von M. (wieder er leider), aber glücklicherweise ohne M. im Kart, waren wir dann dankbarer für die Helme und fuhren gesitteter den Hang hinunter, dafür gab es anschliessend eine Stärkung für uns alle. Natürlich nur mit dem besten Schweinsbratensaft mit Knödeln und ganz viel Brot …

#207: die Mischung macht’s

Dieses Wochenende war am Karlsplatz das Strassenkünstlerfest und am Heldenplatz das Erntedankfest, am Sonntag haben wir uns zwischen diesen beiden Welten bewegt. Während am Karlsplatz ein Kärtnerbua Volkslieder in schönster Reggae-Manier interpretierte, spielten am Ring Blasmusikkapellen und es wurden Blumen, Wein und Gemüse verteilt. Die Welten könnten nicht gegensätzlicher sein zwischen Dirndl und Dreadlocks und doch sind beide unerlässlich für uns.

Wer sagt uns, dass das eine besser ist als das andere? Traditionelles Kulturgut gegen traditionelles Kulturgut, nur in seiner jeweiligen Sprache übersetzt. Ich fand es an beiden Plätzen großartig, weil es doch nur die Mischung ausmacht und uns die Möglichkeit gibt aus beiden Welten das Beste für uns herauszuholen.

NACHTRAG: jetzt habe ich gerade den Artikel im Standard von Fr. Weissensteiner gelesen und frage mich, wenn man das so liest, ob ich mich schämen muss, dass ich dieses Erntedankfest gut finde. Na gut, ich war nicht am Samstag oder Freitag dort, habe keine politischen Reden gehört, auch keine Segnungen und mir ist auch kein Rudelbeten untergekommen. Das Verteilen der Luftballone aus dem ÖVP Wagen war am frühen Nachmittag aus, da die Gasflaschen zum Befüllen alle aufgebraucht waren – habe ich bemerkt, da sehr viele Kinder unglücklich vor der älteren Dame standen. Natürlich geht das Fressen und Saufen immer am Besten. Aber am Karlsplatz war das nicht anders, nur dort war es halt die Ottakringer Brauerei mit mobilen Spritzer- und Bierwagen. Das Erntedankfest gibt vielen Produzenten die Möglichkeit direkt an den Konsumenten zu gelangen, was auch immer daran verwerflich ist, hat mir Fr. Weissensteiner nicht vermitteln können. Das ich nicht objektiv schreiben muss, liegt daran, dass ich hier meine persönliche Meinung kundtue, dass sollte aber eine professionelle Journalistin in den ersten Stunden ihres Studiums lernen vor allem wenn man vermeintlich für ein Qualitätsblatt schreibt.