#188: Aggressionen und Kinder

Wie soll man reagieren, wenn das Nachbarskind mit einer Fäkalsprache und Schimpfworten um sich wirft, die jeden Bauarbeiter, Mistkühler und Brantweiner erröten lässt. Der Versuch mit dem Kind direkt zu sprechen, ändert nichts, da keinerlei Einsicht vorhanden ist. Jeder Satz wird mit einem „Aber“ begonnen. Schuld ist quasi der oder die Angesprochene, weil dies oder jenes oder einfach so. Und selbst die Eltern scheinen nichts dem latent aggressiven Verhalten entgegenzusetzen, da die Beschimpfungen auch vor den Eltern ohne Konsequenzen stattfinden.

Mit knapp 10 Jahren sollte schon ein sozialer Vergleich stattfinden können. In der Entwicklungspsychologie beginnt dies mit dem Grundschulalter. Aber auch die Selbsteinschätzung wird realistischer. Wie jedoch Kinder und Jugendliche Rückmeldungen bekommen, beeinflusst, wie Erfolge und Misserfolge verinnerlicht werden.
Das Problem ist, dass aggressive Verhaltensformen, wenn sie einmal vorhanden sind, stabil sind und schwer veränderbar.

Gründe liegen oftmals im Elternhaus, es ist gekennzeichnet durch fehlendes und wenig positives Verhalten den Kindern gegenüber (Faktoren wie Wärme, Sensibilität, Akzeptanz, Einfühlungsvermögen, …). Aber auch Umweltfaktoren unterstützen und fördern aggressives Verhalten. Dazu zählen Medienverhalten, Schule und Freundeskreis. Und zu guter letzt dürfen die Dispositionen in den Kindern nicht außer Acht gelassen werden, schwieriger Charakter, hohe Aktivierung.

Selbst mein Wissen darüber hilft nicht in der entsprechenden Situation. Ich versuche mit meiner Tochter über solche Situationen zu sprechen und ihr zu erklären, dass sie keine Schuld trägt. Und auch entsprechend gegenzusteuern.

#187: … des Zumpfis Problem

Eigentlich wollte ich mich nicht über das Lifeball-Plakat äußern, aber nachdem ich jetzt schon mehrfach darauf angesprochen wurde, auf sozialen Medien sich die geteilten Posts inklusive Kommentaren in ihrer Emotionalität überbieten, Klagen angedroht werden, vermeintlich intelligente Menschen populistisch agieren, muss ich mich echt fragen, was diese Pseudomoralität und Pseudoprüderie soll.
Das Argument der schadennehmenden Kinder ist ja sowieso Bullshit ohne Ende. 1. Wenn, dann ist es eh schon zu spät und unsere Zukunft sind jetzt verkommene Kinder, die im besten Fall nur mehr durch aufrechte und wahrhaftige Glaubenssätze korrigiert werden. 2. Kinder haben eine andere Wahrnehmung. Sie erfahren die Welt durch Selbstbildung und Imitation. Das heißt je intoleranter die Eltern, desto eher werden sie diese Erfahrung als Wissensbild mitnehmen.
Weder meine bald 11jährige Tochter noch mein 4jähriger Sohn haben bisher das Bedürfnis gehabt, schockiert, entsetzt, verteufelnd noch ängstlich dieses Bild zu hinterfragen. Mein Sohn hat mich in seinem letzten Bild, dass mich abgebildet hat, mit viereckigen Oberkörper gezeichnet, 2 strichen als beinen und armen und nur drei Fingern.

Was aber viel witziger ist, ist, dass wir über primäre Geschlechtsmerkmale sprechen. Ich meine, wann haben wir jemals das Wort primäre Geschlechtsmerkmale in unseren alltäglichen Sprachgebrauch aufgenommen. Da gehörte doch eher Zumpferl, Spatzi, Schniedelwutz, Glied, Schniedel, Pipimatz (habe ich auch schon mal gehört) und in aufgeschlossenen Kreisen der Penis zu den benutzten Begriffen. Und warum regt sich niemand über diese perfekt geformten Brüste, Titten, Tuttln … oder intellektuell gesagt sekundäre Geschlechtsmerkmale auf. Ist das nicht diskriminierend?

Aber sagt Qualtinger nicht, dass die Wirklichkeit die Sense der Ideale ist. Und somit sind wir wohl in der Wirklichkeit angekommen nach dem Gewinn der vermeintlichen Toleranz.

#186: Vor-urteile

„Wer seine Vor-urteile revidieren kann, hat keine.“ Gadamer würde dem zustimmen. Wir können Vor-urteile nicht überspringen, aber wir können daran und damit arbeiten. Vor-urteile sind nicht nur negativ besetzt, sondern einige Philosophen sehen darin gerade die Möglichkeit unsere eigenen Horizonte zu erweitern. Sie sind es, die uns enttäuschen, weil wir oftmals viel zu wenig wissen.

Wobei unsere Gesellschaft heute mehr den je weiß und sich mit der Geschichte auseinandersetzt. Denken wir an Sport, vor hunderten Jahren haben sich Gesellschaften nicht mit Sport beschäftigt, es gab weder das Körperbewusstsein, das Wissen darüber, noch die Möglichkeiten (bis auf die Griechen, die da etwas „fortschrittlicher“ waren). Und heute? Selbst die Wirtschaft übernimmt Termini und Prozesse aus dem Sport oder die Politik, die vom Fairplay sprechen.

Somit sollte man sich durchaus mal auf Vor-urteile einlassen, und sei es nur um sich selbst zu bestätigen, zu lernen und eben diesen einen nächsten Schritt weiterzugehen.

#185: Kriterium für Meinung und Wahrheit

Scheint schon immer ein diskussionswürdiger Punkt gewesen zu sein, die Antike unterscheidet in Philosphie und Sophistik, wobei sich die Sophistik der Meinung bedient, um Wahrheit zu definieren. Zumindest war schon Platon der Meinung, dass nur die Philosophie zur Wahrheit führen kann und die Sophisten sowieso nur böse und falsch liegen. Somit kann auch hinterfragt werden, wie die Beziehung zwischen Politik und Philosophie zu verstehen ist (Härle versucht hier das Feld zu öffnen). Ist es eine zufällige Begegnung? Welchen Rahmen kann das Eine dem anderen bieten? Oder ist es für die Alltäglichkeit mehr hinderlich?

Was kann das Denken für die Politik tun, vor allem in Zeiten wo Informationen in einer Geschwindigkeit transportiert werden, die nur einen Klick von uns entfernt sind. Aber vielleicht es so auch einfacher für uns Menschen, da Meinungen eine verkürzte Form von Denken darstellen könnten.

Reisebericht: Barcelona mit Kindern

Meine Kinder sind sowieso arm, da ich weder auf einen Bauernhof fahre noch in den All-inklusive Club. Anstelle dessen werden sie gezwungen in Städte mitzureisen, dort durch die Stadt sich schleifen zu lassen, in Museen zu gehen und gegebenenfalls kluge bis weniger kluge Kommentare zu Gebäuden, Personen und historische Ereignisse sich anzuhören. Ich bin da ein Egoist, und wenn sie einmal erwachsen sind, können sie es gerne anders machen. So war es auch in Barcelona, wobei bis auf das Naturkunde-Museum (am Ostersonntag 2 Stunden Wartezeit) keine weiteren Museen auf dem Plan standen. Barcelona ist definitiv eine Stadt, die man mit Kindern bereisen kann. An den Strand gehen und die Sonne geniessen, Sandburgen bauen und Zehen ins Wasser halten (in unserem Fall, weil es zu kalt war). Ins Aquarium gehen und mit den Kindern ins Meer eintauchen. Die beste Schokolade trinken, so schön zäh und dickflüssig. Tappasbar auf kleinen Plätzen auswählen, damit die Kinder auch einfach einmal herumlaufen können und kein Mensch regt sich darüber auf. Keine Krise beim Essen bekommen, weil die Tappas gerade zu kindgerecht sind (Kroketten, Fleischbällchen, Patatas bravas …). Im Park Güell, wenn das ältere Kind nicht gerade eine pubertäre Krise hat, neben Kunst auch die Spielplätze geniessen. Hier gibt es eigene Picknick Plätze für Familien (die Verpflegungsstationen sind extrem teuer).

Mit dem Buss Touren machen, ins Camp Nou gehen (auch wenn gerade alle Zeitungen titeln, wie schlecht nicht Barcelona ist und ob sie wohl dem Tode (!) geweiht sind …). Ich bin ein Fan von Barcelona und ich hoffe meine Kinder auch.

Reisebericht: Tappas in Barcelona

Barcelona und seine Esskultur kommt meinem eigenen Essverhalten sehr entgegen. Von allem ein bisschen was und ich bin glücklich. Neben den kulturellen und architektonischen Spaziergängen muss man einfach immer wieder etwas rasten und in der nächstgelegnen Tappasbar schnell ein paar Happen gönnen. Wobei es natürlich nicht stimmt, dass man in jede Tappasbar gehen kann beziehungsweise soll.
Die besten Patata bravas hatten wir einer wirklichen heruntergekommenen „Fast-Food“ Bar, die zwar keine Piementos machen konnten, dafür selbst gemachte Patatas zum Reinlegen. Und in diese Bar sind wir nur hineingestolpert, weil wir dachten, wir gehen jetzt mal vom Park Güell zu Fuß in die Stadt hinein. Wer wirklich gute Tappas essen möchte, geht nach El Born. Generell kann man überall hingehen in Barcelona, dass macht auch den Charme dieser Stadt aus, die Kunst auf offener Straße bietet – für den, der die Augen offen hält. Aber auch in Hafennähe kann man sehr gut essen, und wie zumeist überall bedeutet teurer meistens auch gut, aber gut muss nicht zwangsläufig immer teuer sein. Im Studentenviertel Gracia (welches auch gleich das Künstlerviertel ist) haben wir um 40 Euro ausreichend Tappas, Bikinis, Prosecci, Getränke … gegessen und getrunken, und das in hervorragender Qualität. Bikinis sind in den Tappasbars die uns bekannten Schinken-Käse-Toasts, ein Alltime-Favorite von F.

Also mir hat es geschmeckt, fast immer.

#184: lang, lang ist es her

Ich weiß, dass ich jetzt lange nichts mehr geschrieben habe. Dabei habe ich so vieles im Kopf dazu, aber ein Todesfall, 2 Gipsfüße (gleiches Kind, gleicher Fuß), studieren, arbeiten und einfach das Laben haben dazu geführt, dass ich mir nicht die Zeit genommen habe.

Weil natürlich hat man immer irgendwo Zeit, aber ich wollte nicht. Weder beabsichtigt noch bewusst, sondern habe es einfach nicht getan. Das passiert nun mal und darf auch passieren. Weil sonst würden wir uns ständig fertig machen, was wir jetzt schon wieder nicht alles gemacht haben. Und ganz ehrlich wie oft haben wir Schuldgefühle, weil die Kinder zu kurz, der Job zu lang, aber das eine Projekt vergessen, die Wohnung zu wenig, die Freunde oh mein Gott und man selbst … – darüber wollen wir erst gar nicht anfangen.

Beim Aufschieben gibt es laut Psychologie die Erregungsaufschieber oder Vermeidungs- bzw. Verdrängungsaufschieber. Ich gehöre definitiv zu den Ersteren. Man gebe mir eine Deadline und ich beginne erst kurz zuvor meine Arbeiten zu tun. Und obwohl ich nach über 30 Jahren (Schulzeit, Studienzeit, Arbeitszeit, Kinderzeit …) weiß, dass es doch sinnvoller wäre, gleich meine Arbeit zu erledigen, so tue ich es nicht. Wie zuletzt, als ich in der Nacht vor der Abgabe einer Lektüreaufgabe meinen Aufsatz geschrieben habe. Aber Hauptsache ich sage zu meiner Tochter in einem sich wiederholenden Mantra: „Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen.“ Und wie schon mein Vater an mir gescheitert ist, erfahre ich jetzt, wie das ist, wenn man sich selbst sieht in einer kleineren und jüngeren Version seiner selbst.