#178: erwachsen werden

Man sagt immer wieder manchen Männern nach, dass sie nicht erwachsen werden wollen. Sich nicht um Familie scheren, noch um die Beziehung und nur ihren eigene Life-Balance im Fokus haben. Das ist natürlich vollkommen polemisch und überspitzt ausgedrückt, weil es gibt auch Frauen, die sich ihrem erwachsenen Ich nicht stellen wollen. Dabei ist das ja nichts Schlimmes, wenn es nicht auf Kosten anderer geht und man selbst auch auf der Strecke bleibt. Weil das Spannende am Kindsein ist ja das Einlassen auf Neues, sich weiterentwickeln zu können, auf einmal mehr zu können – als noch am Vortag, etwas zu schaffen, zu erschaffen oder auch kaputt zu machen. Ich bin gerne Kind, aber ich bin halt auch erwachsen, zwangsläufig und das heißt Verantwortung übernehmen zu müssen, was ich auch gerne tue. Und zwar nicht nur für meine Kinder, meine Familie sondern auch ganz bewusst für mich, meine Träume und Zukunft. Wenn ich immer nur darauf warten würde, dass was passiert, dann werden Dinge passieren, aber ob ich sie so will?

Natürlich heißt Erwachsensein auch mal langweilig sein, vernünftig und kontrolliert. Aber das hindert mich doch nicht daran bei Regen draussen zu tanzen, um richtig nass zu werden (das kann ich nur empfehlen ist so genial). Es kann auch durchaus passieren, dass wenn der erste Schnee (heuer leider nicht) liegen bleibt, ich mich in den Schnee werfe, um einen Schneeengel zu machen.
Unsere Work-Life-Balance ist ein Balanceakt das erwachsene Ich mit dem inneren Kind in Einklang zu bringen. Und natürlich gelingt dies nicht immer, ist ja auch im Job so. Aber man darf davor keine Angst haben. Erwachsen sein, heißt auch sich loslösen von seiner Vergangenheit und manchmal Eltern und Erziehung.

Und wenn mir wieder einmal alles zu viel wird in dieser strengen Erwachsenenwelt, dann gehe ich am liebsten tanzen, aber das habe ich auch als Kind schon immer gerne getan.

#177: Digitale Na(t)ives

Zuletzt habe ich einige Artikel sowohl pro als auch contra der Nutzung von Smartphones, Tabletts, PC usw. usf. für Kinder gelesen. Das wir uns im digitalen Zeitalter befinden wird hier von beiden Positionen nicht abgestritten und während die eine Seite eine Abstinenz und Abschottung für Kinder fordert, fordern die anderen einen verantwortungsvollen Zugang. Dabei wird übersehen, dass sowohl Gegner als auch Pro-User hoffentlich bereits einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien haben. Sie nutzen social Media, Blogs und Medien zur Kommunikation und haben sich mit den Gefahren und Herausforderungen auseinandergesetzt.

Wir können heute Kinder nicht vor dieser Welt schützen oder nur sehr bedingt. Digitalität ist doch um uns herum und wir sind längst alle darin eingetaucht. Kinder sind sozialisiert in ihrer Umwelt, die einfach digital ist und der Austausch erfolgt längst auch unter Kindern. Da es Kinder gibt, die digitale Medien nutzen können, da es Kindergartengruppen gibt, die einen Computer oder Laptop verwenden, weil es ein Umfeld gibt (Oma, Opa, Onkel, Tante …), wo digitale Medien zum Alltagsleben dazugehören. Natürlich ist es wichtig Zeiten zu reglementieren (so wie es zu unserer Zeit eben das Fernsehen war), die Inhalte qualitativ zu kontrollieren und vorzugeben, Regeln (zb. schreibe nichts, was du nicht auch persönlich jemanden sagen würdest) vorzugeben aber auch vorzuleben.

Aber ganz ehrlich solange es Erwachsene gibt, die selbst nicht mit digitalen Medien umgehen können, wie Lehrer die auf facebook sich Thekenschlampe nennen, um dann mit ihren Schülern befreundet zu sein oder Pädagogen Bilder von ihren Schützlingen der ganzen Welt öffentlich machen (ohne Rücksprache mit den Eltern), sollten wir lieber Aufklärung für Erwachsene fordern und diese zu sensibilisieren. Wir sind doch selbst nur digitale Naives und versuchen uns ins dieser Welt zurechtzufinden. Unsere Kinder kennen eine analoge Welt, wie die in der wir aufgewachsen sind nicht, und werden nie Vergleiche anstellen können, so wie wir das andauernd tun (übrigens wie unsere Eltern), daher sollten wir durchaus Vertrauen haben, dass wir uns schon zurechtfinden werden.

#176: Was ist Philosophie

Was heißt es wirklich zu verstehen? Was bedeuten Begriffe und wie können wir uns die Welt vorstellen in der wir uns bewegen. In dem kommenden Semester tauche ich genau in diese Fragestellung ein, die sich Deleuze gestellt hat. Deleuze hat sich selbst als naivsten Philosophen bezeichnet und dieser Gedanke gefällt mir ungemein. Das passt auch zu dem Aushang am Institut für Philosophie, wo ein Philosophieren mit Kindern angekündigt wird.

Wir (und ich meine da nicht mich, sondern all‘ die klugen tot wie lebenden Köpfe da draussen) sind selbst bis heute noch zu keiner einzigen gemeinsamen Lösung bei philosophischen Problemfragen angelangt, somit zeichnet sich auch in dem jetzigen Semester ab, dass ich mich dem Thema in einer Kreisbewegung annähern kann, nur ob die mich wirklich näher bringt, dass kann ich nicht beantworten. Aber ich versuche es eben mit einer gewissen Naivität eines Kindes zu betrachten und darauf freue ich mich.

Dialoge: Übersetzungen

Bub1: Ich mag Gangnam Style. Du auch?
Bub2: Ja.
Bub1: Weißt du, was der singt?
Bub2: Ja, das ist Polnisch mit einer Geheimsprache!
Bub1: Wirklich?!? Das mit der Geheimsprache glaube ich auch.
Bub2: Ja der singt, dass er verliebt ist in der Geheimsprache, aber es darf niemand wissen.
(ist wirklich so passiert, ich schwöre es!)

#175: Rebellion

Gestern hat mich meine Tochter angerufen, um sich über die Ersatzpädagogin zu beschweren. Diese hatte Aufsichtspflicht in deren Freizeitstunde und kündigte laut meiner Tochter gleich mal an, dass sie kein Lachen duldet und auch nicht geflüstert werden darf. Als dies ein Mädchen aus ihrer Klasse nicht davon abhielt mit ihrer Sitznachbarin zu flüstern, ging diese mit der Frage „Sag‘ hast du irgendein Problem?“ auf sie los und auf die an sie gerichtete Antwort: „Nein ich habe kein Problem.“ wurde das Mädchen in die Ecke gestellt.

Meine Prinzessin hat sich innerhalb von ein paar Minuten ihre Wut und ihren Frust rausgekotzt. Auf meine Frage, was sie jetzt von mir erwartete, kam nur Schweigen. Tja, dass weiß sie auch nicht, aber sie überlegt am nächsten Tag die Klasse zu fragen, ob sie die „Neue“ mögen oder nicht und dann mit der Klassenlehrerin zu sprechen.

Ich habe aber zu ihr gesagt, dass sie sich nicht vor Autoritäten fürchten muss. Niemand hat ihr das Lachen zu verbieten und sie soll‘ mal daran denken, wie sie reagieren würde, wenn wir das zu ihr sagen würden. Wie oft sie schon gegen uns rebelliert, also warum nicht gegen eine Lehrerin? Ich will, dass sie für sich einsteht und für ihre Ansichten, was richtig bzw. falsch scheint. Und wenn das bedeutet, dass ich demnächst einen Besuch in der Schule vor mir haben werde, dann soll es so sein.

#174: Der Zwirn

So jetzt ist es soweit, dass ich die Zeit finde, um über mein Erlebnis beim Damenfriseur um die Ecke zu berichten. Auf der Wagramerstrasse findet sich nicht nur ein reiner Herrenfriseur, sondern auch ein Damenfriseur, der von 3 Damen betrieben wird. An dem besagten Nachmittag sollte nicht nur ich eine Hochsteckfrisur erhalten, sondern auch 4 Frauen, die auf eine türkische Hochzeit gingen. Vorab wurden sie von der jüngeren Angestellten geschminkt und die Härchen in Gesicht (Augen, Nase, Kinn, Oberlippe) fassonieren. Ich war schon fasziniert davon, wie schnell und geübt das Schminken ging, aber als die junge Dame zwischen ihren zwei Händen und dem Mund (in einem Dreieck) einen Zwirn spannte und mit schnellen Hin- und Her-Bewegungen mal so im Gesicht herum fuhrwerkte, da war ich wirklich beeindruckt.

Und mutig wie ich bin, habe ich auch dieses Service bestellt. Und es tut VIEL viel weniger weh als zupfen. Und es sieht sogar gut aus. Ok ich gebe es zu, dass ich nicht so auf die dünne Version meiner Augenbrauen stehe, aber das ist ein Lerneffekt und ich habe ja auch kein detailliertes Briefing abgegeben. Aber das Wichtigste ist, dass es nicht schmerzhaft ist.
Und die Angestellten und Besitzerin sind entzückend und versuchen ihren Kundinnen schnell und günstig ein Service anzubieten. Egal ob es die alte Dame aus dem Nebenhaus betraf, die zwar erst um 17 Uhr einen Termin hatte, aber trotzdem schon ab 16 Uhr im Laden saß, um alles genau zu beobachten. Oder eben mir eine Hochsteckfrisur, die bombensicher bis in die Morgenstunde hielt.