#96: vom Nutzen

Ich weiß noch, wie ich in der Entwicklungspsychologie zum Thema Liebe und Beziehung eine Vorlesung hatte, dabei ist mir vor allem in Erinnerung geblieben, dass wenn man in einer Beziehung eine Bilanz beginnt zu erstellen, dass diese Beziehungen nicht lange von Dauer sind, weil es Zeiten gibt, wo man zwangsläufig ins Minus oder Plus rutscht, weil Lebensumstände nicht in einer Geraden verlaufen. Das erschien mir damals wie heute logisch, eine Beziehung und Partnerschaft, die ständig berechnet, was ich wann, wie und wo für jemanden getan habe, ist anstrengend und vor allem nicht wertschätzend.

In meinem kleinen persönlichen Universum funktioniere ich auch gegenüber Freunden, oftmals Bekannten und meiner Familie nach dem Prinzip „geben“ und ich erhalte auch ohne sofortigen Begleichen und Aufrechnen mehr als genug zurück. Es ist mir nur wieder dieses Thema bewusst geworden, weil eine Mama eines Freundes meines Sohnes meinte, dass sie sich so schnell nicht revanchieren kann mit einem Gegenbesuch, und ich nur dachte: „Ist doch gleich!“ Oder nicht? Auch eine Freundin von mir, deren Tochter mit meiner in Ballet geht, meinte, jetzt kommt ihr wieder zu mir, weil wir eh in letzter Zeit so oft bei Euch waren … Ich weiß schon, keiner will jemanden etwas schuldig bleiben, jemanden ausnutzen, nur nehmen, … Aber ich gehe nicht davon aus, weil ich denke, dass wir es heute nicht mehr notwendig haben, jemanden auszunutzen, weil wir froh sind, dass wir Freunde und Menschen um uns haben, die da sind, wenn es eben notwendig ist.

Und natürlich wurde ich auch schon ausgenutzt, aber diese Menschen sind eben nur kurzweilige Begleiter, weil sie sich aus Freundschaften und deren Möglichkeiten selbst herausnehmen.

2 Gedanken zu „#96: vom Nutzen

  1. ..also ich muss mich jetzt als „Mama des Freundes meines Sohnes“ outen und auf die Gefahr hin, gleich wieder einen Blogartikel zu veranlassen folgendes Statement festhalten: Gerade wenn man/frau sich doch schon eine Weile kennt, sollte bekannt sein, dass der Verweis aufs „revanchieren“ weder nicht wertschätzend oder Bilanz ziehend gemeint war. Sondern sich auf das bisherige bewährte freundschaftliche Ritual – einmal sind die Kinder bei dir, einmal bei mir – und der jeweils andere wird dadurch (beruflich) freigespielt – bezogen hat. Dh. du schuldest mir jetzt einen Malibu Orange allein für die Bezeichnung „Mama des Freundes meines Sohnes“ ; )

    • Liebe Erika,

      mit dir drinke ich gerne einen Malibu Orange, schon alleine, weil ich es du bist. Nicht nur die Mutter des Freundes meines Sohnes, sondern auch weil du eben Erika bist, eine der Heldinnen, die ich in meinem Leben schon treffen konnte. Wichtig ist mir, dass niemand glaubt, dass ich seinen Namen veröffentliche, ohne dass es die Person will.

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