#46: Mini-me

Es ist schon spannend, wenn man in seinen Kindern Spiegelbilder seiner selbst wiedererkennt. Meistens fallen einem vor allem die eigenen nicht so beliebten Eigenschaften auf. Noch herausfordernder ist es jedoch, wenn es eine Eigenschaft ist, die einem selbst schon mehr als einmal im Leben im Weg gestanden ist.

Also was tun? Kämpfen und vor allem gegeneinander? Da es sich um Züge handelt, die einem selbst Weg stehen, handelt man dann irrational bzw. in seinem altbekannten Muster.

Mein Sohn ist stur und ich erkläre ihm dann, glaub mir, ich kann sturer sein. Innerlich schmunzle ich, und sehe mich in ihm, und sehe dann, wie er abschätzt, was jetzt wie und wie weit geht. Und meine Tochter beginnt eine Sache, springt zur Nächsten, und lässt dann alles rund um sich liegen, und einerseits verstehe ich es und andererseits wünsche ich mir, dass sie es einfacher hat. Also können Kinder von Ihren Eltern lernen? Oder sind Charaktereigenschaften so determiniert, dass es keinen Ausweg aus dem Spiegelbild gibt?

#45: Lernen und Wiedergeben

Ich bin seit 1995 auf der Universität Wien und weiteren anderen Universitäten als Studentin eingeschrieben. Mein Erfahrungsschatz reicht von einem Studium Irregulare, Diplomstudium, Doktorat bis zu diversen Zugangsprüfungen und einem aktuellen Bakkalaureat Studium. Die Konstante in meinem universitären Studentenleben ist mit Sicherheit die Geistes- und Sozialwissenschaft, wobei ich auch kurz andere Bereiche gestreift habe. Dieser Tage hat die zweite Prüfungswoche begonnen, da ich nämlich mit einem neuem Studium (BA Philosophie) begonnen habe, bin ich auch in den Genuss der Steop (Studieneingangsphasen) gekommen und habe schon im Dezember meine ersten Prüfungen (positiv) abgeschlossen. Was auch ein Muss ist, da ich sonst keine weiteren Prüfungen geschweige Kurse belegen kann. Grundsätzlich sind Steops keine schlechte Idee, da sie einen Einblick bieten sollen, ob ein Studium eben das Richtige für einen ist. Beruhigend fand ich aber auch die Vertreter der Studienrichtung, die vorweg die Studenten beruhigt hatten, dass Steops an der Philosophie kein gewolltes Knock out Verfahren sein sollen – im Gegensatz zu den meisten anderen Studienrichtungen. Ich kenne aber noch das System, wo ich studieren konnte, was ich wollte, wann ich wollte und wie ich wollte. Geleistet habe ich mir ein Studium, weil ich es mir selbstfinanziert hatte, daher sah ich es auch als mein Recht an, studieren zu können, was ich will und nicht durch die Ausgrenzungspolitik. Jedoch soll das gar nicht das eigentliche Thema sein, sondern, wie es ist wieder zu lernen, anders zu lernen und Inhalte wiederzugeben. Sei es das Alter, die langjährige berufliche Praxis oder die Sozialisation ins gesellschaftliche Leben veränderten meine Lernprozesse, das konzentrierte Lernen – ich setze mich hin und arbeite die Themen durch, sind schwieriger geworden. Ich arbeite viel mit Querlesen, Querhören und Niederschreiben, bis jetzt mit gutem Erfolg. Ich versuche viel effizienter auf die Schlußfolgerungen der Inhalte zu kommen, wobei ich mich dann frage, wieviel Interessantes nebenbei mir verloren geht.

Prüfungen sind aber fast alle wie früher, am Witzigsten und mit höchster Wiedererkennung zu früher war meine gestrige Prüfung, der Professor hat die schriftliche Prüfung über den Tutor durchführen lassen, der Spielraum für kreative „Schummelei“ wäre sehr groß gewesen – wobei es fast niemand in Anspruch nahm, und die Fragen waren so schön konkret/unkonkret.

Somit geht es heute lustig weiter.

Zyklus: Helden von heute

Mein Held von heute ist mein Bruder, und das ganz ohne Anlass, nicht, weil ich ihn spontan angerufen habe, um ihn zu bitten, dass er auf die Kinder aufpasst, was fast immer auf Zuruf funktioniert. Oder er wieder einmal meine Überlegungen zu „Allem und Nichts“ sich anhören, kommentieren und reflektieren muss? Wer Fanta4 mit „geboren“ kennt, weiß, wovon ich spreche.

Ich liebe ihn einfach, weil wir Familie sind, durch dick und dünn, mit vielen gemeinsamen Erinnerungen und viel Erlebten. Chio Chips Packungen, Austria vs Rapid, Unterstufe, Jimmy Neutron, Kunstkritiker, Xberg, der erste Alkohol, und und und … Der Kleine, der mich längst überholt hat, von dem ich lernen kann und dem ich hoffentlich auch noch vieles mitgeben darf.

Und ich freue mich darauf, wenn wir alt und gebrechlich sind, mit ihm zusammenzusitzen und dann zu diskutieren, zu philosophieren und Parallel-Monologe zu führen.

#44: Skorpion 2

Nachdem ich im vorherigen Artikel mein Sternzeichen erwähnt habe, sind mir gleich noch so Vorurteile gegenüber diesem Sternzeichen eingefallen.

Am interessantesten ist es, wenn in einer Runde, wo einem keiner bzw. wenige kennen, die Frage nach dem Sternzeichen aufkommt. Wenn ich dann mein Sternzeichen nenne, wobei ich nur wenige Eigenschaften wirklich dazu benennen könnte, dann hört man sofort „Schnappatmung“. Ich kann mir das eigentlich nicht erklären, persönlich mag ich mich, und so furchtbar hätte ich mich auch kaum erlebt (Pubertätszeiten ausgenommen). Und mir wird der Skorpion auch nicht zugeschrieben – „nein, dass hätte ich jetzt NIHIEEE geglaubt, du ein Skorpion, normalerweise kann ich ja GAHAR gar nicht mit Skorpionen …“

Ich weiß auch ohne Sternzeichen mit wem ich nicht kann und will, und die benenne ich dann lieber mit Namen.

#43: Skorpion

Sorry seems the hardest word to say – sang schon Elton John und ich stimme ihm zu, nicht nur, dass man sich dabei eingestehen müsste etwas falsch gemacht zu haben, es macht auch verletzlich. Was tut der Gegenüber mit dieser Mitteilung, benutzt er diese gegen einen, und was so schwer vorstellbar scheint, dass es jemanden gibt, der sagt, ja ist nicht gut gelaufen, aber egal, oder auch nichts sagt, sondern zeigt, dass es gleich ist.
Nicht einmal bei Kindern schaffen wir es immer, dabei gerade dort sollten wir Vorbild sein, denn wer ist schon fehlerfrei.

Mein Vater warf mir schon im zarten Jugendalter vor, dass meine Unwilligkeit mich zu entschuldigen vor allem daran lag und liegt, dass ich ein Skorpion bin (der tötet sich selbst, bevor es eben wer anderer tut.). Ich habe es eigentlich gut, weil es eine ganz klare Erklärung gibt, quasi ist bei mir schon determiniert und ich konnte nie anders handeln. In meinen Diskussionen mit der Autorität sah ich diesen Umstand aber nie als gegeben an, sondern, dass es einfach daran lag, dass ich Recht hatte.

Und heute kann es schon passieren, dass wenn es darum geht, dass ich Unrecht einsehen könnte, ich das Argument des Skorpions flugs herausziehe.

#42: Verschacherung

Gestern auf Willkommen Österreich, heute vor der Universität Wien, immer wieder wird das Thema Korruption von allen Seiten betrachtet. Besonders auffällig, dass es kaum noch einen politischen bzw. ehemalig politischen Volksvertreter gibt, über den „wir“ uns nicht lustig machen. Ist es wirklich so, dass dieses Land und das politische System durch ein tägliches Kabarettprogramm repräsentiert wird? Täglich verarbeiten wir Themen der Bestechung (TA, Immofinanz, Graf Ali, …), oder der Korruption (Parteienfinazierung, Staatsbürgerschaftsverschacherung, …), oder auch der undruchsichtigen Finanzgebahrung (Grassersche Liechtenstein-Homepage Affäre, Meinl, …).

Nehmen wir die Arbeit der Politik noch ernst oder anders gefragt, wie ernsthaft können die Vertreter dieses Systems, aus dem alle betroffenen Personen stammen, noch an ihre Arbeit glauben? Solange es keine Veränderung in diesem System gibt, keine Neuorientierung gibt und Werte neu definiert werden, amüsieren wir uns einfach weiter mit den Grissemanns/Stermanns dieser Welt.

#41: kein Problem

Ich habe heute im Radio das Lied von Max Raabe gehört, wo er die vielfältigen Talente von uns Frauen besingt. Nicht nur das die Musik sehr eingänglich und schwer schunkel-summ-verdächtig ist, so sind es vor allem einzelne Textzeilen, die mich zum Lachen gebracht haben.

Ich denke so einige Frauen finden sich hier durchaus wieder, wenn es darum geht, dass wir oft frieren und trotzdem kaum krank werden. Kühlschränke enteisen, im Dunkeln uns schminken, ausflippen um parallel Emails zu versenden.

Wir sind vieles und können so manches und eines müssen wir definitiv nicht: tiefstappeln, auch wenn wir es viel zu oft machen und unseren Blick auf andere richten als auf uns.

#40: Brücken

Macht es Sinn seinem Partner seine Leidenschaft für etwas zu verbieten, egal ob es eine Sportart oder Sport generell oder was auch immer sei? Vor allem wenn es etwas ist und war, was langjährig begleitet hat.

Kurzfristig funktioniert das Verbot, da es ja durch Erpressung zustande kommt. Und je wichtiger das betreffende Thema für den Partner ist, desto schwerwiegender müssen die Gegenmaßnahmen werden. Da gibt es dann die Fälle, die ihrem Mann mit Verlassen drohen, meistens sogar mehrfach. Und der Mann beendet sein Engagement, und schiebt dann seine Beendigung auf oft nicht glaubwürdige Ausreden, wie das Knie spielte nicht mehr mit …

Aber langfristig zerstört es das Vertrauen, weil der Partner einem nicht so nimmt mit all‘ seinen Eigenheiten, Interessen und der Vergangenheit. Oftmals ist es eben die Vergangenheit vor der man/Frau Angst hat, sich eben ausgeschlossen fühlt. Die Eifersucht, dass da noch mehr ist, ist immer ein schlechter Ratgeber. Und somit ein weiterer Riss, der zeigt, wie unterschiedlich man ist und anstelle Brücken zu bauen, werden diese dann eingerissen.

#39: sich „wehren“

Heute wurde über die Wehrpflicht bzw über ein Berufsheer abgestimmt. Und dabei hat die Mehrheit sich für die allgemeine Wehrpflicht und Beibehaltung des Zivildienstes entschieden. Ich habe beim Lesen diverser Online-Tageszeitungen vor allem eines interessant gefunden, die Erinnerungen der Leser und Redakteure zum Bundesheer waren mehrheitlich negativ und die dort verbrachte Zeit als entbehrlich beschrieben. Einzig der Zivildienst schnitt als sinnbringend positiv ab. Was ja wiederum die Motive der Entscheidung wiederspiegelt. Aber hätte das ein Sozialjahr nicht auch geschafft? Diese Reflexion kenne ich aber auch aus dem Freundeskreis, wenn rotweingeschwängert die „gute“ alte Zeit des Heeres hervorgeholt wird, wo es um die komplexbeladenen Ausbildner geht, die angsoffenen Unter- und normalen Offiziere beschrieben werden, und die Zeit zwischen „oarsch“ und „sinnlos“ war.

Was mich an dieser Volksbefragung am Meisten gestört hat, war dass wir über Schlagwörter abgestimmt haben, aber nicht über die inhaltliche Strategie. Denn eine Beibehaltung des Bundesheers in der jetzigen Form kann weder im Sinne der Bevölkerung, Politik noch des Bundesheers sein. Aber auch das freiwillig bezahlte Sozialjahr ist unklar definiert, wie kann ein Berufsheer bei gleichen Budgets (wahrscheinlich weniger) die gleiche Systemleistung bringen. Bevor diese Arbeit getan wurde, durften wir abstimmen.

Da ich meinen Kindern bis heute jeglichen Besitz von Spielzeugwaffen verweigere, ist meine Einstellung wohl ziemlich klar. Ich halte auch nicht viel von Zwangsvollstreckung. Da mein Sohn aber erst 3 ist, hat er noch etwas Zeit und wer weiß, was bis dahin noch alles aufgelöst und neu wiederentdeckt wird.

#38: Gossip

Heute lief mir H. über den Weg und es ist spannend welche Bilder und Fragen in einem entstehen, wenn man eine Person lange Zeit nicht gesehen hat, vor allem, wenn man sie auch nicht wirklich gut kennt. Sofort kommen Meinungen und Ansichten von anderen Personen einem in den Sinn und man be- und verurteilt die entsprechende Person. Warum fährt er mit der Ubahn, wo er doch sonst jeglichen Weg laut A und E mit dem Auto zurücklegt und zwar egal, ob angetrunken, betrunken oder nüchtern. Sofort stellt sich mir die Frage, ob man ihm den Führerschein abgenommen hat. Aber vielleicht ist es gar nicht so, und er fährt einfach nur mit der Ubahn. Aber da sieht man, was all‘ diese kleinen giftigen Bemerkungen machen, sie graben sich in Menschen ein, und prägen das Bild von Personen.

Aber wenn wir auch ehrlich sind, ist eben dieser Gossip, dieses Gerede über Menschen unser Salz in der Suppe. Wir können staunend sagen, nein ist nicht wahr, kopfschüttelnd lachen und meinen, dass hätten wir uns doch eigentlich eh schon immer gedacht. Es kann reinigend und befreiend sein, vor allem aber die eigenen Einstellungen untermauern und stärken sowie das Verhalten der anderen rechtfertigen – ist ja kein Wunder, dass DIE so sind, wenn sich schon in der Familie psychische Fehlverhalten wiederholt hatten.

Was ist also richtig oder falsch?